Christliche Demütigung der Frauen – „Aussegnung nach Gebären“   3 comments

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Heute hörte ich in einem lokalem Rundfunksender eine Frau über das Thema „christliche Aussegnung nach der Geburt eines Kindes“ reden. Das brachte mich auf die Idee der Sache genauer nachzugehen. Einiges wusste ich schon. Ich kann das nur als unerhörte Anmaßung der christlichen Kirchen bezeichnen wie demütigend man da mit Frauen umging. Das ging alles bis Ende der 1960-er Jahre. Vor allem in Dörfern getrauten sich die Pfarrer ja viel länger dieses freche Praxis der „Aussegnung“ durchzuführen. Ich weiß das auch noch von meiner Schwiegermutter. Ich kann dazu nur sagen, das war ein unglaublich freches Pack, ein Gesindel, der Frauen so erniedrigte. Man sieht, dass da sich das Patriarchat noch viel leisten konnte. In Großstädten natürlich, musste dieses freche Pack den Schwanz früher einziehen. In Erinnerung rufen muss man sich auch, dass die Pfarrer in Häuser gingen, wenn sich nicht genügend „Kindersegen“ einstellte und diesen anmahnten. Im Widerspruch dazu war dann die Geburt eines Kindes für die Frau Sünde (natürlich nur für sie allein, bei dieser Frauenfeindlichkeit). In diesem Zusammenhang von „Sünde“ zu sprechen ist schon pervers und krankhaft. Man erkennt daran aber das Patriarchat von vielen Religionen und die Herrschsucht der Kleriker. Zum Glück sind heute aber die Kirchen halb leer. Zu bedenken gilt auch, dass das erst 40 bis 50 Jahre her ist.

 

Auszug aus dem Spiegel.

So wurden der Frau beispielsweise kultische Funktionen vor allem wegen ihrer „monatlichen Unreinheit“ verboten. Sie wurde deswegen sogar von der Teilnahme am Abendmahl ausgeschlossen. Nach der Geburt eines Kindes mußte sie in einem besonderen liturgischen Akt der „Aussegnung“ wieder für kultisch rein erklärt werden – ein Brauch, der bis in die sechziger Jahre üblich war.

Auszug.

Im christlichen Glauben und im Volksglauben galt die Wöchnerin während der 40 Tage oder 6 Wochen bis zur Aussegnung (benedictio post partum) als unrein, unheilstiftend und als von der Christengemeinde abgeschieden. Während dieser Zeit hatte sie der Kirche fernzubleiben, war sie besonders anfällig gegenüber dem Teufel und seinen Dämonen. Ehelicher Umgang war ihr nach der Geburt eines Jungen für 40 Tage, nach der eines Mädchens für 80 Tage untersagt.

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Der „Muttersegen“ wurde von Frauen natürlich als Demütigung erlebt: einerseits, weil sie mit dem Widerspruch leben mussten, vom gleichen Pfarrer, der das nächste Kind anmahnte, nach der Geburt mit der „Aussegnung“ an die mit der Zeugung offenbar unlösbar verbundene Sünde erinnert zu werden, anderseits, weil sie sich unter dem Gesichtspunkt der scheinbar notwendigen Reinigung fragen mussten, ob denn die Ehemänner an der „Sünde“ nicht beteiligt waren.

 

AUF DIE KNIE

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Auf Knien mussten die Frauen mancherorts zur Aussegnung in den Altarraum rutschen, andere durften die Sakristei gar nicht betreten. Ein Film von Astrid Kofler und Günther Neumair wirft einen kritischen Blick auf das frauenfeindliche Ritual des Aussegnens.

Worum handelt es sich bei dem christlichen Ritus der Aussegnung?

Astrid Kofler: Die „Benedictio mulieris post partum“, die Segnung der Frau nach der Geburt, ist seit dem 11. Jahrhundert belegt. Das Aussegnen sollte, wie mir unter anderem der Professor für Pastoraltheologie Luis Gurndin erklärte, ein alter Muttersegen sein, ein Willkommensgruß für die junge Mutter, eine Erholungszeit von der Niederkunft. Sie war der Pflicht entbunden, in die Kirche zu gehen, sollte daheim so etwas wie Ruhe haben. Das Aussegnen aber wurde komplett missverstanden und falsch gedeutet. Im Volksmund auch „Firisegnen“ oder „Vorsegnen“ genannt, wurde zu einer Reinigung von Sünde, von einer Sünde, die die Frauen in Erfüllung des geforderten Beischlafs in der Ehe auf sich geladen hatten, die selten genug aus Liebe geschlossen worden und ohnehin Tragödie war.

Der Ritus vereint zwei widersprüchliche Anforderungen: die Pflicht, in der Ehe Kinder zu haben, und das Keuschheitsgebot.

Astrid Kofler: Das war das Problem. Eine der Interviewpartnerinnen erzählte mir, wie sehr sie sich jeweils vor der im Haus wohnenden Schwiegermutter schämte, wenn sie schon wieder schwanger war. Sie schämte sich, weil die Schwiegermutter schlussfolgern würde, dass sie (schon wieder) unrein geworden war; sie hatte sich der Fleischeslust hingegeben. Eine andere Frau erzählt, wie sie der Pfarrer nach diesem demütigen Ritual der Aussegnung stets mit der Aufforderung nach Hause schickte, bereit zu sein für die Aufnahme des nächsten Kindes. Familienseelsorger Toni Fiung berichtet von einer alten Frau, die seinerzeit gar keine Kinder mehr haben wollte, weil der Akt der Aussegnung so verletzend gewesen war. Hochwürden Anton Mittelberger, der als Kooperator noch aussegnen musste und es als Pfarrer nicht mehr tat, verweist darauf, dass eine Ehe ja eigentlich erst mit der Hingabe vollzogen ist. Das war ein großes Dilemma: da der Zwang zum Vollzug der Ehe, der Zwang zur Hingabe, die das Sakrament der Ehe vorgab, dort der Zwang zu einem ehelichen Verkehr, der ausschließlich zur Zeugung eines Kindes diente, und da wiederum das automatische Sich-mit-Schuld-Verunreinigen, sobald die Frau das vom Pfarrer jährlich eingeforderte Kind empfing.

Welche Rolle spielte das Wöchnerinnen-Blut?

Astrid Kofler: Weibliches Blut war der Inbegriff von Unreinheit. Auch wegen der allmonatlichen Verunreinigung wurden die Frauen aus dem Kultbereich und dem Altar verdrängt. Bei Leviticus 15,19 ff. ist nachzulesen, dass eine menstruierende Frau nach Gottes Bestimmung sieben Tage unrein ist. Alles, was sie berührt, ist unrein. Und jeder, der sie berührt, wird unrein. Das sind alte jüdische Reinheitsgesetze die – so erklärt es Toni Fiung im Film – unreflektiert und von anderen ähnlichen Riten losgelöst ins Christentum übernommen wurden und eine ganz andere Bedeutung bekamen. Nach dem jüdischen Gesetz haben Maria und Josef ihr Kind ja auch genau sechs Wochen nach Weihnachten in den Tempel gebracht. Daraus wurde ein wichtiges Marienfest, das lange mit einer Lichterprozession gefeiert wurde, und hierzulande als Maria Lichtmess und als Tag, an dem die Bauern wieder die Arbeit aufnahmen und die Dienstboten ihre Herren wechselten, von großer Bedeutung war.

Was hat die Frauen am Aussegnungsritual besonders gestört?

Astrid Kofler: Es war von Pfarrer zu Pfarrer verschieden. Manche Wöchnerinnen mussten vor der Kirchentür warten und sich langsam mit dem Pfarrer und einer um die Hände gewickelten Stola auf den Knien zum Altar hin bewegen, andere wurden in der Sakristei ausgesegnet, manche genau sechs Wochen nach der Geburt, andere schon früher. Problematisch war, dass die Gebete, die der Pfarrer dabei sprach, in Lateinisch waren und die Frauen gar nicht verstanden, worum es ging. Schwierig war für viele auch die Tatsache, dass sie die Kirche – bis sie ausgesegnet waren – nicht betreten durften. Was lag frommen Frauen näher, als nach der Geburt eines gesunden Kindes in die Kirche zu gehen und sich zu bedanken? Aber nein, das war nicht erlaubt. Wirklich schlimm war natürlich, dass die Geburt mit etwas Unreinem in Verbindung gebracht wurde, mit Sünde: Dabei hatten sie doch nur die Pflicht getan, einem weiteren Kind das Leben geschenkt.

Wöchnerinnen, die ohne diese Aussegnung im Kindbett starben, wurden mancherorts außerhalb des Friedhofs begraben.

(Anmerkung: das passierte früher auch mit „Selbstmördern“ oder mit Kindern, die vor dem Erhalt der Tauf starben. Sie wurden außerhalb der Friedhofsmauern begraben. Welch eine Härte und Unmenschlichkeit. Gottes Wille?)

Welche Rolle spielte der Mann?

Astrid Kofler: Das war ein weiterer Punkt, der viele Frauen verwunderte. Fast alle Frauen, die diesen Brauch des Aussegnens noch über sich ergehen lassen mussten, stellten sich die Frage, „Warum müssen wir herkommen, den Segen holen und warum die Männer nicht?“ Eine der Interviewpartnerinnen hat 14 Kindern das Leben geschenkt. Jedes Mal haben ihr die Knie geschlottert, als sie zum Aussegnen ging, so demütigend war es. Sie hatte unbeschreibliche Angst, aber „es war eine religiöse Pflicht und wir sind so erzogen worden, da hatte ja nicht nur ich so viele Kinder, da waren viele in der Nachbarschaft mit elf und zwölf Kindern, und der Pfarrer predigte von der Kanzel, was wir uns denken, wenn wir vor den Richterstuhl Gottes kommen. Und wir haben uns angeschaut und wussten nicht, was wir denken sollten. Und auch mit meinem Mann konnte ich darüber nicht reden.“

Wann fanden die letzten Aussegnungen in Südtirol statt?

Astrid Kofler: Das wäre eine spannende Recherche für eine Historikerin. In Ridnaun zum Beispiel war es bis Anfang der 70er-Jahre Usus: Das hing mit dem Pfarrer zusammen. Wenn einer in Pension ging und ihm ein jüngerer nachfolgte, hörte es früher auf. In der ländlichen Gegend verschwand der Brauch früher als in abgelegenen Bergdörfern. In Truden hielt sich der Brauch auch sehr lange.

Eine Frau erzählt, dass es damals einer Wöchnerin – nach der Niederkunft bis zur Aussegnung – nicht einmal erlaubt war, überhaupt ins Dorf zu gehen. Nicht einmal einkaufen gehen durfte die Frau, als wäre sie die wandelnde Sünde höchstpersönlich. Dass der Brauch gegen Ende der 60er-Jahre zunehmend verdrängt wurde, hat mit der Emanzipation der Frauen zu tun, aber auch mit dem Rückgang an Hausgeburten und der Zunahme an Geburten im Krankenhaus. Die Frauen begannen – zu Recht – Fragen zu stellen.

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Ein demütigendes Ritual

Bis in die 60er-Jahre hinein hat sich in Südtirol der Brauch der Aussegnung nach der Geburt gehalten. Er war eigentlich als Muttersegen gedacht, wurde aber über Jahrhunderte hin falsch verstanden und interpretiert. Die meisten Frauen empfanden es als demütigend, nach der Entbindung erst wieder die Kirche betreten und die heilige Messe besuchen zu dürfen, nachdem der Pfarrer sie ausgesegnet hatte: Das Aussegnen wurde den Frauen vielerorts als Reinigung von Sünde vermittelt. Dabei hatten sie doch eben erst einem Kind das Leben geschenkt.

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Eine Reinheitsvorschrift

Die „Benedictio mulieris post partum“ hat ihren ideologischen Ursprung in den Reinheitsvorschriften des Alten Testaments. Aber bereits Gregor der Große († 604) hat die alttestamentliche Deutung des Muttersegens abgelehnt. In Lehrbüchern für Pastoraltheologie wie in der Unterrichts- und Erbauungsliteratur vergangener Zeiten findet sich ganz klar die Deutung als Willkommenssegen für die Mutter nach ihrer Abwesenheit vom Gemeindeleben wegen ihrer Verpflichtungen dem Säugling gegenüber. Luis Gurndin

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Rolle des Vaters

Der Muttersegen wurde in der Volksfrömmigkeit weithin als Reinigung von Sünde verstanden und von vielen Frauen als Demütigung erlitten: einerseits, weil sie mit dem Widerspruch leben mussten, vom gleichen Pfarrer, der das nächste Kind anmahnte, nach der Geburt mit der „Aussegnung“ an die mit der Zeugung offenbar unlösbar verbundene Sünde erinnert zu werden, anderseits, weil sie sich unter dem Gesichtspunkt der scheinbar notwendigen Reinigung fragen mussten, ob denn die Ehemänner an der „Sünde“ nicht beteiligt waren.

Luis Gurndin

 

 

 

Auszug aus dem Spiegel zur Stellung der Frau zur Zeit des Jesus.

Frauen den Männern gleichzustellen war zur Zeit Jesu zutiefst anstößig und barg eine ungeheure gesellschaftliche Sprengkraft in sich. Gemäß dem zweiten Schöpfungsbericht der Genesis galt die Frau in weiten Kreisen des Spätjudentums als Symbol des Bösen, was seinen Niederschlag in allen Lebensbereichen fand.

Sie war Eigentum des Mannes: zunächst des Vaters, dann des Gatten, dann des Schwagers – und in keinem Fall war sie rechtsfähig. Im Gottesdienst war ihr nicht nur jegliche Funktion verwehrt, sondern sie war geradezu überflüssig: Für das Zustandekommen eines gültigen Gottesdienstes war nur die Anwesenheit von Männern nötig. Die Frau hatte die Rolle der Hinterbänklerin.

[…]

Bezeichnenderweise setzte sich in den Gemeinden das Wort „Die Frauen sollen in der Gemeinde schweigen . . . Sie sollen sich unterordnen“ (1. Korintherbrief 14,34) mehr und mehr durch, obgleich diese Anweisung dem Paulus fälschlicherweise unterschoben wurde.

Es war das Verhängnis der ersten christlichen Jahrhunderte, daß sich alle frauenfeindlichen Traditionen des Judentums, der griechischen Philosophie und der orientalischen Gnosis im frühen Christentum zu der Vorstellung von der gottgewollten Minderwertigkeit der Frau bündelten.

Hinzu kam, daß sich in der frühen Kirche nach dem Erlöschen der Naherwartung des Weltendes eine Tendenz zur Institutionalisierung und Sakralisierung durchsetzte, welche die Frau wieder auf ihre untergeordnete Rolle festlegte.

So wurden der Frau beispielsweise kultische Funktionen vor allem wegen ihrer „monatlichen Unreinheit“ verboten. Sie wurde deswegen sogar von der Teilnahme am Abendmahl ausgeschlossen. Nach der Geburt eines Kindes mußte sie in einem besonderen liturgischen Akt der „Aussegnung“ wieder für kultisch rein erklärt werden – ein Brauch, der bis in die sechziger Jahre üblich war.

Das Diakonissen-Amt, das letzte kirchliche Amt für Frauen, wurde endgültig im 6. Jahrhundert abgeschafft. Und an diesem Punkt steht die katholische Kirche 1400 Jahre später noch immer.

Angesichts des Beispiels Jesu und des Urchristentums ist der Starrsinn der Leitung der katholischen Kirche hinsichtlich einer umfassenden Gleichstellung der Frau ein Skandal.

DER SPIEGEL 52/1992
Titelbild

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http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9290661.html

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Durch die Zeremonie der Aussegnung – quasi einer Wiedertaufe – reinigte der Priester die Frau von der sündenbehafteten Geburt und nahm sie wieder in die Gemeinschaft der Christen auf. Der Ritus wurde nach der Geburt eines Knaben einen Monat, bei der eines Mädchens zwei Monate später vollzogen.
Dem Schutz der Wöchnerin galten vielerlei Mittel und (z.B. Amulette, Salben, Kräuter), Privilegien (z.B. die Erlaubnis, je nach Wunsch Obst oder Trauben zu schneiden), Bräuche (Kindbettschenke, Kindbettsuppe etc.) und Rechtsmittel (so war der Mann vom Gefolgschaftsdienst befreit oder musste nur so weit Heerfolge leisten, dass er zur Nacht wieder daheim sein konnte).
Im Kindbett, also im Zustand der Unreinheit gestorbene Wöchnerinnen galten als potentielle Wiedergängerinnen und wurden – Bußbüchern des 10./11. Jh. zufolge – im Grabe gepfählt, vom Pfarrer wie ein Dämon gebannt oder durch gewisse Gaben und durch besonders aufmerksame Pflege ihres Kindes zufrieden gestellt und so vom Wiedergang abgebracht. Trotz der Annahme, dass eine Wöchnerin bis zur Aussegnung unrein sei, bestand mancherorts der Glaube, dass der Himmel für sie drei under neun Tage offen stünde; in diese Frist dürften die meisten Todesfälle durch Kindbettfieber gefallen sein und die Frauen gelangten wegen ihrer Verdienste um das werdende Leben direkt ins Himmelreich.

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Gruß Hubert

 

3 Antworten zu “Christliche Demütigung der Frauen – „Aussegnung nach Gebären“

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  1. Wo bleibt Ihre Würdigung, dass es aber auch genau diese Kirche ist, die in Folge des Vat.II diesen Ritus abgeschafft und stattdessen eine Segnung der Mutter „Muttersegen“ gesetzt hat?!
    Sie schreiben hier über einen historischen Sachverhalt und suggerieren aber auch durch die Überschrift noch eine gegenwärtige Demütigung. Das ist historisch und rituell gesehen aber nicht richtig.

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  2. Sehr geehrter Herr Seelsorger Gerd Wittka, oder was sie sind (lt. e-mail: seelsorge.witt….)!

    Zu würdigen gibt es erstmal schon gar nichts. Worin sollte denn die Beschmutzung durch den Geschlechtsakt denn liegen? Und warum dann nur für die Frau und nicht für den Mann? Die Frauenfeindlichkeit der Kirche ist ja bekannt, deshalb dürfen sie ja auch nur niedere Dienste verrichten und sind vom Priesteramt ausgeschlossen. Zu was eine Segnung der Mutter? Die Eheleute hatten ja ihren Spaß bei der Zeugung – ein Vergnügen, dass die kath. Kirche lange genug den gläubigen Schäfchen nicht vergönnte. Wenn ich nicht irre geht die „Erbsünde“ ja darauf zurück, dass wir alle durch den Geschlechtsakt das Erdenlicht erblicken (Augustinus). Traurig genug, dass sich dieser Brauch des Aussegnens der Mutter, oder sagen wir besser Aberglauben, noch bis in die 1960-er… in manchen Dorfgemeinden auch noch bis in die 1970-er Jahre hielt (bin nicht sicher ob noch länger).
    Es ist ja eine totale Frechheit, dass der Pfarrer ins Haus kam, wenn mal ein Jahr keine Geburt war und dazu ermahnte die „christliche Pflicht“ zu erfüllen. Eine Frau konnte also einer „Ermahnung“ nicht entfliehen, denn sobald sie gebärte war sie schon wieder unrein und hatte sich „beschmutzt“.
    Also hören Sie mir auf von einer Würdigung zu reden, wenn die katholische Kirche etwas aufhob was NIE eingeführt hätte werden dürfen. Wenn Sie schon das Wort Demütigung bemühen, dann muss man sagen, dass Gläubige und besonders Frauen von der Kirche oft genug gedemütigt wurden (und noch werden, da man sie von bestimmten Ämtern und Kulthandlungen fern hält). Ich habe genug darüber gelesen wie Kirchenväter zu den Frauen standen, wie sie die Frauen in den ärgsten Dreck zogen und habe auch hier auf WordPress darüber geschrieben – ich mache mir aber nicht die Mühe jetzt das zu suchen.
    Hmmmm, jetzt habe ich es doch heraus gesucht:

    https://hubwen.wordpress.com/2017/07/22/frauen-und-kirchenlehrer/

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    Also versuchen Sie nicht das als besondere Leistung der kath. Kirche darzustellen, wenn sie eine Demütigung und Ungerechtigkeit gegenüber Frauen aufgehoben hat. Oder soll man die Kirche auch darüber loben, dass sie irgendwann die Sklavenhaltung nicht mehr für gut hielt?
    Im übrigen können Sie mich mit ihrer katholischen Kirche gern haben, ich bin schon Jahrzehnten ausgetreten (einen großen Dank dazu an den verstorbenen Karlheinz Deschner, der mir die Augen öffnete). Es freut mich auch, dass die Austretungen letztens wieder zugenommen haben – kein Wunder bei der großen Zahl von sexuellen Missbrauchsfällen. Das Glaubwürdigkeitsproblem der kath. Kirche ist riesengroß. Außerdem ist sie weit entfernt von der Lebenswirklichkeit, so dass sie vor allem bei der Jugend keinen Anklang mehr findet.

    Aus Wikipedia

    Herkunft und Entwicklung
    Die Spendung dieses Segens wird auf aus dem Judentum stammende Reinigungsrituale zurückgeführt. Im Judentum galt eine Frau nach einer Geburt, genau wie nach der Menstruation, mehrere Tage als „unrein“ und durfte das Heiligtum nach der Geburt eines Sohnes erst nach 40 Tagen, nach der eines Mädchens nach 80 Tagen (!) (Anmerkung: warum bei einem Mädchen doppelt so viel Tage?) wieder betreten. Das Ende dieser Zeit zeigte sie durch das rituelle Bad in der Mikwe an und brachte zum Dank für die Geburt des Kindes ein Opfer.[3]

    „Der Herr sprach zu Mose: Sag zu den Israeliten: Wenn eine Frau niederkommt und einen Knaben gebiert, ist sie sieben Tage unrein, wie sie in der Zeit ihrer Regel unrein ist. Am achten Tag soll man die Vorhaut des Kindes beschneiden und dreiunddreißig Tage soll die Frau wegen ihrer Reinigungsblutung zu Hause bleiben. Sie darf nichts Geweihtes berühren und nicht zum Heiligtum kommen, bis die Zeit ihrer Reinigung vorüber ist. Wenn sie ein Mädchen gebiert, ist sie zwei Wochen unrein wie während ihrer Regel. Sechsundsechzig Tage soll sie wegen ihrer Reinigungsblutung zu Hause bleiben. Wenn die Zeit ihrer Reinigung vorüber ist, soll sie, für einen Sohn ebenso wie für eine Tochter, ein einjähriges Schaf als Brandopfer und eine junge Taube oder eine Turteltaube als Sündopfer (Anmerkung: sehr tierfreundlich – ein anderes trauriges Kapitel der kath. Kirche) zum Priester an den Eingang des Offenbarungszeltes bringen. Er soll es vor dem Herrn darbringen und sie entsühnen; so wird sie von ihrem Blutfluss gereinigt. Das ist das Gesetz für eine Frau, die einen Knaben oder ein Mädchen gebiert. Wenn sie die Mittel für ein Schaf nicht aufbringen kann, soll sie zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben nehmen, eine als Brandopfer und die andere als Sündopfer; der Priester soll sie entsühnen und so wird sie gereinigt.“

    […]
    Auch im Christentum war die Ansicht weit verbreitet, „eine junge Mutter habe sich nach der Geburt einige Zeit von der Kirche fernzuhalten und bedürfe, um die Kirche wieder betreten zu dürfen, der Reinigung und Entsühnung.“[5] Diese Auffassung ging von den orientalischen Kirchen bis zum Frühmittelalter auch auf die Lateinische Kirche über und wurde ab dem 11. Jahrhundert in die liturgischen Bücher aufgenommen. Die ältesten sicheren Quellen für eine rituelle Segnung der Wöchnerin beim ersten Kirchgang stammen vom Ende des 12. Jahrhunderts, doch die Wöchnerinnen dürften auch schon vorher eine Frist bis zum ersten Kirchgang eingehalten haben. Eine Verpflichtung zur rituellen Reinigung bestand nicht. Man berief sich auf Papst Gregor den Großen († 604), der in einem Brief betont hatte, die Frau sei nicht zu verurteilen (non judicanda), wenn sie sofort nach der Geburt zur Danksagung die Kirche beträte und die Kommunion empfänge. Der Gedanke von der Unreinheit der Frau ließ sich jedoch nicht verdrängen, und die Kirche empfahl den Brauch der Aussegnung als pia et laudabilis consuetudo, als „fromme und lobenswerte Sitte“ und „approbierte Gewohnheit“. Im 12. Jahrhundert wurde der Brauch allgemein geübt, im 15. Jahrhundert wurde er mancherorts sogar als Verpflichtung betrachtet.[6]

    Mancherorts wurde Wöchnerinnen, die während der Geburt oder im Wochenbett ohne Aussegnung gestorben waren, die kirchliche Beerdigung verweigert. Andernorts wurden verstorbene Wöchnerinnen vor der Beerdigung noch ausgesegnet. Solche lokalen Gewohnheiten hielten sich trotz offiziellen kirchlichen Verbots bis ins 19. Jahrhundert.[7]

    […]
    Die Kirchenordnungen der Reformationszeit standen der Aussegnung zunächst kritisch gegenüber und betrachteten sie als „ärgerlichen Missbrauch“ und „Ausfluss des Aberglaubens“; zudem sei der Ehestand heilig und Gebären kein Gräuel.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Muttersegen

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  3. Erfahrungen einer katholischen Mutter

    Erinnerung an Pfarrer Froitzheim
    von Sophie Lange

    Auszug.
    In meinem Fall sollte die Aussegnung mit der Taufe gekoppelt werden und sollte direkt vor dem Festakt stattfinden. „Aber nicht die Kirche betreten, bis der Pastor sie reinholt!“ wiesen die Frauen mich streng an. Klar, ich war ja „unrein“ und würde die ganze Kirche verunreinigen.

    So blieb ich denn brav unten im Kircheneingang stehen, während die Taufgesellschaft die Kirche betrat. Da stand ich nun wie ein armes Sünderlein, dem das Himmelreich verwehrt ist. Und dann kam Pfarrer Froitzheim. „Was stehen Sie denn hier?“ fragte er unwirsch. „Kommen Sie schon rein.“ Er nahm meine Hand und zog mich energisch in die Kirche – alle alten Bräuche missachtend. An einem Seitenaltar, dem Marienaltar, nahm er die Aussegnung vor, sprach schnell ein paar Gebete, machte ein Kreuzzeichen und bespritzte mich mit Weihwasser. Man merkte ihm deutlich an, dass er nicht viel von dieser Reinigungszeremonie hielt, die er nicht „Aussegnung“, sondern „Einsegnung“ nannte.

    Die mit viel Aberglauben behaftete Aussegnung wurde kurz darauf offiziell aufgehoben und ab 1969 als Dankritus durch den „Muttersegen“ am Schluss der Tauffeier umgewandelt. Pfarrer Froitzheim beendete aber schon vorher den alten Kirchenbrauch. So gehöre ich wohl zu den letzten in Marmagen, die in den “Genuss“ einer Aussegnung kamen.
    .
    https://www.sophie-lange.de/eifelerzaehlungen-und-geschichten/die-aussegnung-und-das-jordanwasser/index.php

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