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Bundesvorsitzender Eck auf der Titelseite des Tierrechtsmagazins “Tierbefreiung”   Leave a comment

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Ob in Australien, in Europa, den USA, oder wo auch immer. Das Leid der Kälbchen in der Fleisch- und Milchindustrie ist überall das gleiche. Es sind so unglaublich schöne und liebe Tiere. Aber sie werden behandelt, als wenn sie nichts wären. Man kann sich garnicht vorstellen, was in diesen kleinen Wesen vorgeht, wenn sie solche Qualen erleiden müssen.

Fellbeisser.net

 

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Bildquellenangabe: Marc Albrecht-Hermanns / pixelio.de

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Es spricht nicht gerade für das Verantwortungsbewusstsein und das politische Gespür des Redaktionsteams der “Tierbefreier e.V.”, wenn sie auf der Titelseite ihres Magazins ein Foto des Vorsitzenden der Partei Mensch Umwelt Tierschutz bei einer Mahnwache vor dem Konzentrationslager in Dachau als bildlichen Einstieg in einen Artikel verwenden, in dem es unter anderem um die Instrumentalisierung des Themas Tierschutz durch die Rechtsparteien geht und um ihre unredlichen Versuche, sich die Tierrechtsbewegung zunutze zu machen.

In dem Artikel wird zwischen den Zeilen immer wieder auf die politische Verantwortung der Tierrechtsbewegung und ihrer Repräsentanten hingewiesen. Wie unpolitisch aber gerade die Redakteure dieses Magazins selbst sind, das Foto des amtierenden Vorsitzenden der einzigen Partei mit klar definierter antifaschistischer, antirassistischer und antispeziesistischer Grundeinstellung zu diesem Beitrag auszuwählen, kann sich jeder ausmalen.

Vielleicht geschah es absichtlich, vielleicht geschah es aus purer Unkenntnis unserer politischen Grundsätze, oder es geschah aus der Vernachlässigung journalistischer Redlichkeit. (Wahrscheinlich trifft Letzteres zu, da die Damen und Herren Redakteure es nicht einmal für nötig hielten, vor der Drucklegung die Erlaubnis der Verwendung des Fotos einzuholen.)

Trotz dieses Fehlgriffs fühlt sich die Partei Mensch Umwelt Tierschutz nach wie vor den “Tierbefreiern” landauf landab verbunden, denn ein Emil Franzinelli (Verfasser des Artikels) und die wenigen Verantwortlichen im Redaktionsteam “Tierbefreiung” repräsentieren nicht alle “Tierbefreier”, die sich vorbildlich und konsequent für die Rechte der Tiere einsetzen.

Der Parteivorsitzende Stefan Bernhard Eck ist sich seiner Verantwortung als Repräsentant der weltweit ersten und bei Gründung 1993 einzigen Partei, die gleichermaßen konsequent für Menschen, Tiere und Umwelt eintritt, bewusst und bekennt sich gleichzeitig zu seiner Mahnwache vor dem Konzentrationslager in Dachau. Die Veröffentlichung dieses Fotos ist ein willkommener Anlass, einige Befürworter der “Holocaust-Analogie” zu Wort kommen zu lassen und einige Argumente zu diesem Thema für unsere Parteimitglieder anzufügen.

Prominente Befürworter der “Holocaust-Analogie”

Isaac Bashevis Singer, amerikanischer Autor, selbst Jude und Opfer des NS-Regimes (Familienangehörige wurden im KZ ermordet), Nobelpreisträger für Literatur (1978). Auf der Grundlage seiner eigenen Erfahrungen war er einer der Ersten, die den Massenmord an Menschen demjenigen an Tieren, wie er tagtäglich in Schlachthöfen stattfindet, gleichsetzte. “In Bezug auf die Tiere sind alle Menschen Nazis; für sie ist es ein ewiges Treblinka.”
“Solange Menschen darin fortfahren, das Blut der Tiere zu vergießen, wird es niemals Frieden geben. Es ist nur ein kleiner Schritt vom Töten der Tiere zum Erschaffen von Gaskammern à la Hitler und Konzentrationslagern à la Stalin. Es wird keine Gerechtigkeit geben, solange der Mensch sich hinstellt mit einem Messer oder Gewehr in der Hand und diejenigen umbringt, die schwächer sind als er selbst.”

Theodor Adorno, Jude, deutscher Philosoph und Schriftsteller, Soziologe und Musiktheoretiker, einer der führenden Vertreter der “Frankfurter Schule” und Mitbegründer der “kritischen Theorie”:
“Die Tiere spielen fürs idealistische System virtuell die gleiche Rolle wie die Juden fürs faschistische. Auschwitz fängt da an, wo jemand einen Schlachthof anschaut und denkt: Es sind ja nur Tiere.”

Martin Niemöller, ehemaliger Präsident des Weltkirchenrates und selbst KZ-Insasse von 1938 bis 1945 war einer der Ersten, der die Bezeichnung des “Hühner-KZ´s” gebrauchte.

Hans Wollschläger, deutscher Schriftsteller, beginnt sein Buch “Tiere sehen dich an oder Das Potential Mengele” mit dem Satz:
“Sie werden in Gefängniszellen gehalten, so eng wie die Stehsärge von Oranienburg …”

Charles Patterson, Jude, amerikanischer Sozialhistoriker, bekundete im Jahre 2000 im Namen der jüdischen Mitarbeiter von PETA, von denen die Idee zur Kampagne “Holocaust auf Ihrem Teller” stammt:
“Die Absicht dieser Ausstellung besteht darin, die Menge der Grausamkeit auf dieser Welt zu verringern und nicht das menschliche Leid zu bagatellisieren, das während des Holocaust stattfand.”

Stephen R. Dujack, Enkelsohn von Isaac Bashevis Singer, selbst Jude, Autor und Herausgeber einer Umweltzeitschrift in Washington, D.C. schreibt:
“Ich applaudiere PETA – und das hätte auch mein Großvater getan, der sich weigerte, die Kanarienvögel, die er sich als Gefährten in seinem berühmten Appartement in der 86th Straße in New York hielt, in Käfige zu sperren – weil sie den Mut aufbringen, diesen angemessenen Vergleich zu ziehen, denn das ist notwendig. Ein Vergleich mit dem Holocaust ist nicht nur angebracht, sondern unausweichlich, denn Kühe, Hühner, Schweine, Truthähne und all die anderen Tiere mögen vielleicht nicht unseren Grad an Intelligenz besitzen, sehr wohl aber besitzen sie unsere Fähigkeit zu leiden. All diejenigen, die den modernen Holocaust von heute an den Tieren verteidigen, indem sie sagen, dass Tiere zur Nahrungsgewinnung getötet werden, um uns zu erhalten, möchte ich daran erinnern, dass die Nazis Sklavenarbeit einsetzten und “Gebrauchsgegenstände” wie z.B. Lampenschirme und Seife etc. aus ihren Opfern herstellten. Das war scheußlich! Und mit Tieren soll das anders sein? Schmerz bleibt Schmerz, und egal, welchen “Nutzen” wir vielleicht aus den Opfern der Gewalt ziehen, so müssen wir doch immer versuchen, Leben aus dem Blickwinkel der Unterdrückten zu betrachten. Es sind doch nur Tiere”, sagen die Amerikaner jetzt. “Es sind doch nur Juden”, sagten viele Europäer damals.”

Ingrid Newkirk, Autorin, Tierrechtlerin, Vorsitzende von People for the Ethical Treatment of Animals:
“Es ist daher sehr betrüblich mit anzusehen, wie Menschen sich aufs Äußerste bemühen, den Holocaust nur als etwas Spezifisches für diejenigen aufrechtzuerhalten, mit denen sie sich am meisten verbunden fühlen oder sympathisieren, anstatt aus der Geschichte zu lernen und ihn dahingehend zu nutzen, unseren Geist und unsere Augen zu öffnen und unser Handeln gegenüber denjenigen zu ändern, die wir nicht vollständig verstehen oder an denen uns heute wenig liegt. Es ist an der Zeit, das Blutvergießen und die fortwährende Ausbeutung anderer, die als “des Lebens unwürdiges Leben” bezeichnet werden und wurden, zu beenden. Juden und Nicht-Juden bei PETA wagen es, die Wahrheit offen auszusprechen. Diejenigen jedoch, die sie zum Schweigen bringen und den Horror fortdauern lassen wollen, benutzen dieselben Argumente, die schon die Nazis benutzten, um ihre Kritiker mundtot zu machen und ungestört in ihrem schrecklichen Treiben fortzufahren.”

Dr. Helmut Kaplan, Autor und Tierrechtsphilosoph:
“Unsere Enkel werden uns einst fragen: Wo wart ihr während des Holocaust gegen die Tiere? Was habt ihr gegen diese entsetzlichen Verbrechen gemacht? Ein zweites Mal können wir uns nicht darauf hinausreden, nichts gewusst zu haben.”

Einige Gedankengänge zum Thema “Holocaust-Analogie” von Stefan Bernhard Eck:

In unserer Sprachkultur sind Analogien – insbesondere von Menschen und Tieren – fest eingebettet. Bisher wurden dadurch weder unsere sittlichen Normen noch unser sittliches Gefühl verletzt. Nun wird plötzlich Kritik erhoben, wenn der Massenmord des NS-Regimes an Menschen mit dem heutigen Massenmord an “Nutztieren” als Analogie verwendet wird, obwohl dadurch keine Gleichsetzung im Sinne einer Wertigkeit zwischen Opfer Mensch und Opfer Tier vorgenommen wird.

Kritiklos wird bei den Opfern des Holocaust häufig davon gesprochen, dass sie “wie Vieh” in Waggons gepfercht, dass sie “wie Arbeitstiere” behandelt oder in den Labors von Auschwitz als “menschliche Versuchskaninchen” benutzt wurden. Diese Analogien wurden und werden verwendet, weil sie in der Beschreibung der Vorkommnisse durchaus korrekt sind. Logischerweise sollte nun auch umgekehrt der Vergleich des Holocaust mit der Massentierhaltung und der Behandlung der zum Schlachten bestimmten Tiere möglich sein, zumal das Charakteristikum eines Vergleiches darin besteht, dass die Objekte des Vergleiches beliebig austauschbar sind.

Die Opfer sind zwar nicht dieselben – einmal handelt es sich um Menschen, einmal um Tiere – aber die Methoden, die Instrumente und die Umstände sind sehr ähnlich: die Mitleidlosigkeit der Täter, die Art des Umgangs mit den Opfern und das Verhalten der Gesellschaft.

Die Denkweise, die es zuließ, dass Millionen Menschen von NS-Verbrechern gequält und umgebracht wurden, war gekennzeichnet durch eine geradezu kriminelle Gleichgültigkeit der Gesellschaft. Kühl und berechnend werden heute Tiere ermordet, und die Gesellschaft sieht gleichgültig zu. Das ungeheure Leid und die Ungerechtigkeit wurden von der Gesellschaft im Nazi-Deutschland verdrängt oder sogar toleriert, genauso wie das ungeheure Leid und die Ungerechtigkeit, die den sogenannten Nutztieren heute widerfährt, von der Gesellschaft verdrängt oder toleriert wird. Zum Holocaust konnte es nur kommen, weil die Gesellschaft es vorzog, die außergewöhnliche Diskriminierung und den Mord an Unschuldigen zu ignorieren.

Der Massenmord an den sogenannten Nutztieren kann heute nur deshalb stattfinden, weil die Gesellschaft es ebenfalls vorzieht, die außergewöhnliche Unterdrückung, die grausame Ausbeutung und den Massenmord an wehrlosen Tieren einfach zu ignorieren.
“Es sind Untermenschen” war damals die Rechtfertigung für Massenmord. “Es sind Tiere” ist heute die Rechtfertigung dafür, Tiere schlecht zu behandeln oder zu töten.”

Zur “Endlösung der Judenfrage” bedurfte es einer ausgeklügelten Maschinerie, die durch Leidenschaftslosigkeit und Routine gekennzeichnet war. Zu den Verladerampen, den Transporten in überfüllten Eisenbahnwagons, ohne genügend Wasser und Nahrung, der Selektion nach dem “Nutzungsgrad”, der Tätowierung und Registrierung, der Behandlung mit Stockschlägen zum Antreiben der Kolonnen entkräfteter Menschen, der Verbrennung der Leichen in den Öfen und zu vielem mehr existieren Parallelen zu der Massentierschlachtung bzw. der Behandlung der zum Schlachten bestimmten “Nutztiere”. Denn ebenso leidenschaftslos werden heutzutage die “Nutztiere” behandelt. Sie werden in Aufzuchtslager unter extrem beengten Verhältnissen gesperrt, die in vielen Aspekten den damaligen KZs ähnlich sind. Man nimmt keine Rücksicht auf ihre arteigenen Bedürfnisse. Sie werden vergewaltigt, gebären Kinder, die sie nicht selber aufziehen dürfen. Es gibt Verladerampen, Transporte in überfüllten Eisenbahnwagons oder LKWs ohne genügend Wasser und Nahrung, es wird selektiert nach dem “Nutzungsgrad”, tätowiert und registriert, mit Stockschlägen oder Elektro-Schockstäben angetrieben. Die nicht verwertbaren Leichenteile werden verbrannt oder zu anderem Tierfutter verarbeitet. Mit Erlassen, Verfügungen, Anweisungen, Gesetzen, Verordnungen und Durchführungsbestimmungen wird heute genauso mitleidslos und berechnend die Maschinerie gelenkt, in der das Tier das Nutzungsobjekt ist wie die damalige Maschinerie, in der Menschen die Vernichtungsobjekte waren.

Matthew A. Prescott (Peta) schreibt: “Die Opfer heute sind andere als damals, aber das System von Einpferchen, Missbrauch, Vorurteil und Abschlachten ist dasselbe. Alljährlich werden alleine in Europa zehn Milliarden Tiere in Konzentrationslagern, die wir “Massentierhaltung” nennen, gepfercht. Nach vielen Jahren kontinuierlichen Leidens werden sie zusammengetrieben und mit LKWs bei jedem Wetter Hunderte von Kilometern gekarrt, bevor man sie durch die Tore zur Schlachtebene treibt und tötet. All dies geschieht, während der Durchschnittsbürger sein normales Leben lebt und seine Augen vor dem Leiden verschließt. Vergleiche mit dem Holocaust sind unausweichlich, nicht nur weil wir Menschen mit den Tieren die Fähigkeit des Leidens gemein haben, sondern auch weil die von der Regierung sanktionierte Unterdrückung von Abermillionen Lebewesen einfach hingenommen wird, obwohl jeder etwas tun könnte, um sie zu beenden.”

Man sollte nicht auf die Holocaust-Analogie verzichten, so wenig wie auf andere Analogien, z.B. den Vergleich mit der Sklaverei oder die Unterdrückung und Diskriminierung der Frau. Der Verzicht auf Analogieverwendungen stellt die Preisgabe wichtiger Argumentationsschienen dar. Wer hier Unterschiede macht, muss die Frage beantworten, warum die Opfer der Sklaverei oder die Nachkommen dieser Opfer durch eine Analogieverwendung eventuell in ihren Gefühlen verletzt werden dürfen, nicht aber die Opfer des NS-Regimes. Dies wäre ein Unterschied in der Wertigkeit von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder Rasse, der strikt abzulehnen ist.

Quod demonstrandum est: Mit der Ablehnung der “Holocaust-Analogie” wird deutlich, dass leider für manche Tierrechtler/innen doch noch gravierende Unterschiede in der moralischen Beurteilung von bestimmten Sachverhalten existieren, die einerseits Menschen und andererseits Tiere betreffen.

Stefan B. Eck
Bundesvorsitzender / Partei Mensch Umwelt Tierschutz
www.tierschutzpartei.de

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Bundesvorsitzender Eck auf der Titelseite des Tierrechtsmagazins “Tierbefreiung”

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Gruß Hubert

Eine Schande für die Menschlichkeit   Leave a comment

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Ich würde sogar sagen: eine Schande für die Menschheit – dass solch grausamer Umgang mit Tieren geduldet und aktzeptiert wird, wofür man als normal fühlender Mensch, der noch ein Herz hat, keine Worte findet. Jedem muss klar sein, dass Fleischverzehr dieses unausprechliche Leid fördert und erst möglich macht.

(c) Foto Daniela Böhm

Redebeitrag am 5.12.2015 bei der Weihnachtsmahnwache am Odeonsplatz in München

„Das habe ich nicht gewusst“, kann heute kaum noch jemand sagen, wenn es um das Milliardenfache Leiden der Tiere geht. Ob es die Massentierhaltung ist, die Überfischung der Meere, ob es Tierversuche sind, das Töten von Tieren für die Pelzindustrie und vieles, vieles mehr – in allen Medien wird über die Qualen der Tiere berichtet. Fast jeder findet es furchtbar, aber im Verhältnis zu ihrem immensen Leid, entschließen sich wenige Menschen, entscheidende Schritte zu tun und zu handeln.

Was der Mensch heutzutage den Tieren antut, kann mit keinerlei Argumenten mehr gerechtfertigt werden. Es gibt keine Rechtfertigung für Qual, Leid, Missbrauch und gewaltsamen Tod. Und es gibt keine Wiedergutmachung. Wiedergutmachung gibt es nur an den Lebenden.

Der Holocaust Vergleich ist umstritten, auch in der Tierrechtsbewegung. Das hat seinen guten Grund, denn die Gräueltaten der Nationalsozialisten sind unvergleichbar in ihrer abgrundtiefen und grausamen Verachtung gegenüber anderen Ethnien. Und ich schäme mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich höre, dass es in diesem Land nach wie vor Menschen gibt, die aus der Vergangenheit nichts gelernt haben.

Aber, und ich sage das mit allem gebührenden Respekt und tiefstem Mitgefühl gegenüber den Opfern des Holocaust: Ich komme nicht umhin an KZs zu denken, wenn ich die Lastwagen mit den Schweinen und Rindern bei den Mahnwachen am Münchner Schlachthof einfahren sehe. Der Vergleich ist da – ob ich es will, oder nicht. Ihre Augen, wenn sie durch die Spalten der Transporter blicken, drücken Empfindungen aus, die genauso von uns Menschen Besitz ergreifen würden: Verzweiflung, Unverständnis, Panik, Verwirrung, furchtbare Angst vor diesem Grauen, das sie erwartet. Sie spüren es. Der Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer, selbst ein Jude und Überlebender des Nationalsozialismus sagte einmal: „Für die Tiere ist jeder Mensch ein Nazi – für die Tiere ist jeden Tag Treblinka.“

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(c) Foto Silke Huber
(c) Foto Silke Huber

Allein in Deutschland werden schätzungsweise jedes Jahr 50 Millionen Küken vergast oder geschreddert, weil sie männlich und dadurch für die Eierindustrie wertlos sind. (Quelle PETA.e.V. Stand Feb. 2015) Eines der vielen Verbrechen, das mit dem gnadenlosen Kapitalismus des Menschen und seinem vermeintlich unvermeidbarem Verzicht auf Fleisch gerechtfertigt wird. Ein Verbrechen bleibt aber ein Verbrechen, auch wenn die Schreie der Opfer nicht gehört werden und sie noch nicht als solche anerkannt sind.

Das Wort Mord an den Tieren nehmen all jene, die ihn billigen, natürlich nicht in den Mund. Das haben wir hierzulande der katholischen Kirche zu verdanken, die das fünfte Gebot ausschließlich auf den Menschen bezieht, und einem sogenannten Tierschutzgesetz, dem die wichtigste Grundlage fehlt: Das Recht auf Leben.

Und was ist das für ein Tierschutzgesetz, das zu oft nicht eingehalten wird, wie es die vielen Schlachthausskandale beweisen? Schlachthöfe sind nicht nur Orte des Todes, sondern auch des grauenvollsten Missbrauchs. Aus reiner Gier einer subventionierten und gnadenlosen Fleischindustrie, die mafiöse Strukturen und Verstrickungen aufweist, werden im Akkord Tiere geschlachtet, oft genug mangelnd oder fehlbetäubt und schon vorher misshandelt. Es werden mehr Tiere geschlachtet, als Nachfrage vorhanden ist, und ihre Leichenteile deshalb in alle Welt verschickt oder in riesigen Kühlhallen gelagert, um eines Tages zum Dumpingpreis auf den Markt geworfen zu werden. Es ist ein durch und durch krankes und perverses System.

Die Dunkelziffer der trächtig geschlachteten Kühe ist enorm hoch. Um mehr Geld zu bekommen, denn der Preis rechnet sich nach Gewicht, oder um sich die Untersuchung zu sparen, schicken Betriebe sehr oft ihre trächtigen, manchmal sogar hochträchtigen Kühe in den Tod. Das ungeborene Wesen muss die Todesangst und Verzweiflung und schließlich den Tod seiner Mutter miterleben, bevor es in ihrem Leib qualvoll erstickt. Eine halbe Stunde dauert dieses Ersticken. Es gibt ein Grauen, für das es keine Worte gibt – ein Grauen, das unbeschreibbar ist, fast möchte ich sagen, unvorstellbar. Aber es passiert hier, auch am Münchner Schlachthof, inmitten dieser Stadt, die sich Weltstadt mit Herz nennt.
Für viele Menschen ist ein Tier weit weniger wert als eine Sache.

Das neue Smartphone wird gehegt und gepflegt, wehe es fällt herunter und geht kaputt. Aber ein Tier? Das ist ja nur ein Tier – ein Nutztier. Dieser vom Mensch erfundene Begriff soll das Töten rechtfertigen und degradiert ein Lebewesen zu einem Gegenstand, den er gebrauchen kann. Nur dass Gegenstände oft genug besser behandelt werden als Tiere.
Das ist eine Schande für die Menschlichkeit.

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(c) Foto Silke Huber
(c) Foto Silke Huber
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Die Fleischindustrie tötet nicht nur Abermilliarden von Tieren, sondern unseren Planeten gleich mit dazu. Ein Kollateralschaden halt – wie im Krieg. Und wie im Krieg wird er wissentlich in Kauf genommen – von der Fleischindustrie und der Politik. Der Ruf nach artgerechter Tierhaltung ist nichts weiter als ein erbärmlicher Versuch, das Gewissen zu beruhigen – kein Bauer oder Fleischkonsument streichelt ein Tier zu Tode. Die sogenannte artgerechte Tierhaltung ist nichts anderes als eine artgerechte Gefangenschaft bis zum gewaltsamen Tod durch Menschenhand.

Es grenzt nicht nur an Irrsinn, sondern es ist Irrsinn: Auf der einen Seite gibt es unzählige Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind – womit wiederum Zoos die Gefangenschaft von Tieren rechtfertigen – und andererseits werden bestimmte Tiere vom Menschen wie am Fließband produziert und durch die damit verbundene Futtermittelindustrie Lebensraum bedrohter Arten zerstört.
Kein Tierleid ist ethisch vertretbar. Es gibt gibt genügend Möglichkeiten, sich tierleidfrei warm zu halten und ausreichend tierleidfreie Nahrungsmittel. Diese Aufzählung lässt sich weiter fortsetzen, wenn es darum geht, Tiere nicht für den Menschen leiden zu lassen.
Denn das Leid der Tiere ist ein Fakt und jeder von uns hat die Macht und mittlerweile auch die Pflicht, etwas zu verändern. Das Sterben dieses Planeten, der unser aller Grundlage ist, ist ebenso ein Fakt – die Massentierhaltung, welche die Natur zerstört, unvorstellbare Ressourcen verbraucht und auch für den Hunger in den ärmeren Ländern verantwortlich ist, ist keine Einbildung von ein paar verrückten Veganern, sondern mittlerweile eine anerkannte Tatsache.

Jeder Einzelne von uns kann ein Licht für die Tiere sein, das die Dunkelheit erhellt. Jeder Einzelne trägt selbst die Verantwortung, nicht Politiker oder Konzerne. Und jeder Einzelne von uns entscheidet über Leben und Tod jener Mitbewohner dieses Planeten, die schon lange vor uns da waren und das gleiche naturgegebene Recht auf Leben haben wie wir Menschen.

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Eine Schande für die Menschlichkeit

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Gruß Hubert

Vom Tierschutz zum Tierrecht   Leave a comment

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von Sina Walden

 

Sina Walden, selbst Tierrechts-Aktivistin, berichtet von Niederlagen und Siegen. Und warum Kinder keine Gummibärchen mehr essen sollten.

Im Tierschutz hatte mensch sich eingerichtet. Seit über hundert Jahren gibt es Institutionen und Gesetze, die im Lauf der Zeit vermehrt und verbessert wurden. Und die öffentliche Einstellung ist nahezu einhellig: Man ist dafür. In unserem Kulturkreis gehört Tierschutz zum guten Ton, zum zivilisatorischen Selbstverständnis.
Doch vor rund 20 Jahren begann sich eine diffuse Unzufriedenheit auszubreiten: Es konnte etwas nicht stimmen mit einem Tierschutzverständnis, unter dessen Ägide sich ungebremst ganze Systeme massenhafter Grausamkeit entwickeln konnten. Was da so langsam ins Bewusstsein der Öffentlichkeit drang, Fotos und Berichte der „Tierversuche“, der „Nutztierhaltung“, der „Pelztierzucht“, sprengte den Selbstbetrug einer sich zivilisiert glaubenden Gesellschaft.
Doch den meisten genügt im Fall der Untaten, die hier in Rede stehen, die „Erklärung“, dass die Opfer ja keine Menschen seien und dass ihr – bedauerliches – Unheil doch dem höherwertigen Wesen Mensch zugute komme.
Die uralte Grenzziehung zwischen Menschen und Tieren (oder, wie es im englischen Sprachraum heißt: zwischen Menschen und anderen Tieren) rastete wieder ein.
Wenn Tiere erst einmal als Gebrauchsartikel abgestempelt sind, dann brauchen mehr KonsumentInnen eben mehr Tiere. Und wenn sie ohnehin zur Nahrung und Kleidung dienen, dann darf eine fortgeschrittene Medizin und Forschung sie wohl auch für das hohe Gut der menschlichen Gesundheit nutzen.

Doch Gebrauchsartikel, die leiden können, sind ein merkwürdiger Widerspruch. Noch merkwürdiger ist, dass ihre Leiden den menschlichen so auffallend ähnlich sehen. So „ganz anders“ sind die Tiere offensichtlich doch nicht. Die Frage kam auf, ob mensch diese Ähnlichkeit, diese Gleichheit nicht künstlich übersieht, um ohne Gewissensnöte konsumieren zu können.

Das Argument, dass es „immer schon so war“, stach nicht mehr recht. Schon so manche tausendjährige Überzeugung war unter den moralischen Kategorien Gleichheit und Gerechtigkeit zerbrochen. Gleiches gleich zu bewerten ist die Essenz dieser Prinzipien.

Warum sollten sie nur für die menschliche Spezies gelten? Mussten auf dieser Grundlage nicht auch nichtmenschlichen, aber leidensfähigen Lebewesen Rechte zur Sicherung ihrer elementaren Bedürfnisse zugestanden werden, etwa das Recht auf körperliche Unversehrtheit? Schon die klassischen TierschützerInnen wollten Tiere vor Leiden durch den Menschen schützen, aber doch nur unterhalb der menschlichen Interessen. An so etwas wie Gleichberechtigung für Tiere zu denken erschien ihm ebenso absurd wie dem Rest der Welt. Sein Weltbild blieb anthropozentrisch.
Anfang der 80er Jahre traten plötzlich Menschen auf den Plan, die Gerechtigkeit für Tiere forderten. Sie wollten keine „größeren Käfige“, keine „ökologische Jagd“, keine „sanften Dressuren“ im Zirkus, keine „auf das Notwendige beschränkten“ Tierversuche. Sie wollten keine Bescheidenheit. So rückten die neuen und neuartigen Tierschutzgesinnten die Interessen der Tiere in den Mittelpunkt und maßen sie nicht mehr an denen des Menschen.
Die Neuen fingen an, sich lose zu organisieren, viele unter dem Namen „Tierversuchsgegner“. Doch sie realisierten mehr und mehr, dass der Schutzgedanke allein nicht reicht.

Mitleidige Menschen und gestresste Tierheimangestellte würden sich bis ans Ende der Tage dabei aufreiben, einzelnen armen Tieren aus der Not zu helfen, während weitaus stärkere Kräfte Millionen Tiere ausbeuteten, folterten und vernichteten.

Die grundsätzliche Anerkennung der Rechte der Tiere, nicht die punktuelle Milderung ihrer Abhängigkeit wurde zum Ziel dieser neuen TierrechtlerInnen. Idealistisch und unrealistisch? Von Gandhi bis zum Vietnamkrieg und den Bürgerrechtsbewegungen hatte es sich immer um die Herausforderung einer scheinbar unüberwindlichen Übermacht gehandelt. Ließ sich daraus nicht auch etwas für die entstehende Tierrechtsbewegung lernen?
Einige Aktive setzten auf die Tat und kündigten mit Tierbefreiungen aus Versuchslabors, der Zerstörung von Foltereinrichtungen oder der Behinderung tierfeindlicher Tätigkeiten die Legalität des Unrechts auf. Auch Sklavenhalter waren zu ihrer Zeit durch das Gesetz geschützt. Die Tierbefreiungen lenkten den Blick medienwirksam auf das legalisierte Unrecht. Und in der Bevölkerung brachten sie Sympathien. Kalt ließ die TierbefreierInnen der von Teilen des organisierten Tierschutzes erhobene Vorwurf der „Gewalt“, zu lächerlich angesichts der überdimensionalen Gewalt, die den Tieren angetan wurde.

Aber das Band war ohnehin schon zerschnitten. Tierschutz und Tierschutz war nicht mehr dasselbe. Im Übrigen hat – bis zum heutigen Tag – nie jemand aus der Tierrechtsszene physische Gewalt gegen Lebewesen, Mensch oder Tier, angewandt. Das ist Wunschdenken derer, denen die ganze Richtung nicht passt.
Bei den legalen wie den illegalen Aktionen ging es zunächst darum, Auf-sehen zu erregen, den Konsens von Verdrängung und Rationalisierung aufzubrechen. Ein geschlossenes Konzept oder gar eine „Ideologie“ lag all diesen sozusagen wild wachsenden Aktivitäten nicht zugrunde. Doch war die Zeit schon reif?
Sie war es nicht. Jedenfalls nicht für eine in absehbarer Zeit zu erhoffende Perestroika. Die Tierrechtsbewegung hatte die Widerstände gewaltig unterschätzt, die sich gegen ein Umdenken stemmen. Die Macht über die Tiere bildet einen Eckpfeiler, wenn nicht das Fundament der menschlichen Kulturen.

Ein so gigantischer Überbau wurde über dem Töten und Essen errichtet, dass es in der Tat utopisch erscheint, ihn mit so schwachen Waffen wie Recht und Moral zu Fall zu bringen.

International ist die Entwicklung in den angelsächsischen Ländern am weitesten, wo sich schon früh auch die akademische Philosophie der Tierfrage angenommen hat. Die Werke der Professoren Tom Regan und Peter Singer (beide USA) sind dort Lehrstoff an den Universitäten und Diskussionsstoff in der Öffentlichkeit, „Animal Rights“ ist ein stehender Begriff geworden. Und wer hätte geglaubt, dass die italienischen „animalisti“ eines Tages mit über 20.000 Teilnehmern für die „diritti degli animali“ durch die Straßen von Rom ziehen würden, wie es mehrmals in den letzten Jahren geschehen ist?

Die deutsche Tierrechtsbewegung ist inzwischen in ein ruhigeres Fahrwasser gekommen. Von der Straße ins Internet. Aber das heißt nicht, dass sie ihre Ideen und Ziele zurückgestutzt hätte oder an der Realität gescheitert wäre. Die publikumswirksamen Aktivitäten, die großen Demos und spannenden Sponti-Aktionen haben sich zwar weitgehend erschöpft, dafür ist der über die Medien verbreitete Anspruch an das eigene Verhalten des Einzelmenschen gestiegen
nach dem Motto: „Jede/r muss bei sich selbst anfangen!“
Der provokante Aktivismus der TierrechtlerInnen hat einen merklichen Bewusstseinsschub bewirkt. Eine neue Idee war in die Welt gekommen, und Ideen haben ihre eigene Wirkungsgeschichte. Beim mehr als zwölfjährigen und endlich im Mai 2002 zum Erfolg gebrachten Kampf um die Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz (was bei weitem noch nicht die Installierung von Tierrechten bedeutet), hat sich gezeigt, dass die höhere Bewertung des Tierlebens schon in die Köpfe gedrungen ist.
Das Fundament steht. Die Tierrechtsidee ist auch deshalb nicht mehr auszuhebeln, da sie sich mit zwingender Logik aus dem Gleichheitsprinzip ergibt.
Im weiteren Sinne lässt sich heute unter Tierrechtsbewegung alles verstehen, was sich auf den Grundgedanken stützt, dass Tiere ein Recht auf ihr eigenes, vom Menschen nicht manipuliertes Leben haben und auf ihren eigenen Tod. Jede/r Einzelne kann dazu beitragen, so klein der Beitrag sein mag. Auch Kinder, wenn sie Gummibärchen verweigern, weil die aus Gelatine gemacht sind.

 

Sina Walden ist Autorin von „Endzeit für Tiere“ (Rowohlt, vergriffen), Juristin, Journalistin und Übersetzerin. Sie lebt in München und Italien.

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Vom Tierschutz zum Tierrecht

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 4. Juli 2019 von hubwen in Tiere, Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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Tiere gehören nicht zwischen zwei Scheiben Brot   Leave a comment

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Tom Regan

US-Amerikanischer Philosoph und Tierrechtsaktivist

*28.11.1938 Pensylvania

Philosophieprofessor von 1967 – 2001 an der North Carolina State University

 

Sein 1983 erschienenes Buch »The Case for Animal Rights« gehört zu den grundlegenden Werken der internationalen Tierrechtsbewegung.

Tom Regan’s 1983 erschienenes Buch »The Case for Animal Rights« gehört zu den grundlegenden Werken der internationalen Tierrechtsbewegung

Dieses Interview wurde von Ingolf Bossenz in der Zeitung „Neues Deutschland“ Ausgabe 26./27. August 2000 geführt.

Frage: Professor Regan, Sie gelten als international führender Philosoph in Sachen Tierrechte. Welche Rechte sollten Tiere denn Ihrer Meinung nach erhalten?
A: Es geht eigentlich ganz schlicht um das fundamentalste moralische Recht eines jeden Individuums: das Recht, mit Respekt behandelt zu werden. Konkret heißt das, Tiere haben hinsichtlich ihrer Beziehung zum Menschen ein Recht auf Leben, auf Freiheit und auf körperliche Unversehrtheit. Sie sind nicht auf der Welt, um uns als »Modelle« bei Tierversuchen oder als »Waren« an der Fleischtheke zu dienen.

F: Warum sollten den Tieren denn solche Rechte zugestanden werden?
A: Weil ihr Körper, ihre Freiheit, ihr Leben ihnen selbst gehören und nicht uns. Weil die Tiere, die der Mensch isst, die er in der Wissenschaft benutzt, die er jagt, fängt und auf vielfache andere Art und Weise ausbeutet, ein eigenes Leben führen. Dieses Leben ist für die Tiere von Bedeutung – unabhängig von ihrer so genannten Nützlichkeit für uns. Niemand bestreitet, dass wir Menschen jemand sind und nicht etwas. Doch auch die Tiere sind jemand und nicht etwas. Die von uns geschundenen Tiere haben alle eine Biografie, nicht nur eine Biologie.

F: Andererseits haben Menschen auch eine Biologie. Und dieser zufolge essen sie seit Urzeiten Tierfleisch.
A: Seit Urzeiten führen sie auch Kriege, ohne dass wir das mit diesem Argument verteidigen oder gar gutheißen. Nur beim Essen wird der Wilde mit Speer und Faustkeil als Kronzeuge heutiger Barbarei bemüht. Aber die menschliche Entwicklung seit der Steinzeit ist in erster Linie eine kulturelle und keine biologische. Auch die Menschenrechte sind ein Ergebnis dieser kulturellen Reifung. Es ist dem Menschen möglich, sein Leben zu leben, ohne Tiere auszubeuten, ohne Tiere zu essen, ohne Tiere für so genannte Unterhaltungszwecke zu missbrauchen.

F: Der Begriff Tierrechte klingt sehr pauschal. Schließlich gibt es sowohl Affen wie Ameisen und eine Menge dazwischen.
A: Natürlich fällt uns die Entscheidung darüber leichter bei Tieren, die uns als Menschen näherstehen, wie es bei den Primaten der Fall ist. Aber es geht hier um allgemeine moralische Grundsätze. Und deren Anwendung ist zunächst einmal unabhängig davon, ob ein Tier groß oder klein ist. Wenn wir uns darüber erst einmal im Klaren sind, wird beispielsweise auch das achtlose Töten von Insekten in einem anderen Licht erscheinen.

F: Wann dürfen denn Ihrer Meinung nach Tiere überhaupt getötet werden?
A: Auf keinen Fall zum Zweck der Fleischproduktion und im Zusammenhang mit Tierversuchen. Aber wenn Tiere das Leben oder die Gesundheit von Menschen bedrohen, haben wir natürlich auch das Recht, uns zu wehren und sie gegebenenfalls zu töten. Das kann in Notwehr sein, wie beim Angriff eines Kampfhundes. Oder es kann ein Notstand vorliegen, wie im Falle einer Rattenplage. Das ist etwas vollkommen anderes als die Züchtung und Tötung von Pelztieren, um Mäntel herzustellen, oder die Mästung und Tötung von Kälbern, um besonders weißes Fleisch auf dem Teller zu haben.

F: Immer wieder kommt es zu Gewaltaktionen so genannter Tierbefreier. Wie stehen Sie zu solchen Praktiken?
A: Jedes Tier im Käfig oder im Labor oder in einer Pelzfarm unterliegt der Gewalt des Menschen. Wenn alle Wege, die Lage dieser Tiere gewaltlos zu ändern, vergeblich beschritten wurden, halte ich Gewalt, so zur Befreiung der Tiere, durchaus für gerechtfertigt. Wenn sie im Verhältnis steht zum beabsichtigten Zweck und wenn dabei nicht Leben oder Gesundheit anderer gefährdet werden. Aber wer solche Aktionen durchführt, sollte auch offen dazu stehen: »Seht her, ich habe es getan, weil ich keine andere Möglichkeit sah.« Das ist für mich der Geist von Gandhi, der von uns gefordert hat, Verantwortung zu übernehmen für unsere Handlungen.

F: Gilt nicht eher Albert Schweitzer mit seiner Philosophie von der »Ehrfurcht vor dem Leben« als klassischer Vorkämpfer für die Rechte der Tiere?
A: Er wird in der Tat von vielen Tierrechtlern wie eine Kultfigur behandelt. Ich sehe ihn allerdings kritischer. Schweitzer hat zwar starke Worte gegen die »Misshandlung der Kreatur« gefunden. Seine Auffassung vom »Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will« enthielt freilich auch den Aspekt, dass er sich selbst jederzeit das Recht zugestand, Leben zu nehmen. Er aß Tiere, er experimentierte mit ihnen, er trug sie als Kleidung. Diese Seite Schweitzers verdrängen viele. Schweitzer hat unbestritten große humanistische Verdienste und er hat sehr hohe Ideale geprägt. Hinsichtlich der Tierrechte jedoch gab er den Menschen kaum Veranlassung, ihre Lebensweise zu ändern.

F: Schweitzer hatte eine christlich-religiös geprägte Sicht auf das Verhältnis Mensch-Tier. Welche Bedeutung messen Sie der Religion in dieser Frage bei?

A: Sie ist zweifellos sehr wichtig für viele Menschen. Denn die religiösen Aussagen sind Orientierungen im Verhalten. Wenn gepredigt wird, Gott habe uns die Tiere gegeben, damit wir uns ihrer bedienen, wie es die katholische Kirche tut, ist das sehr zum Schaden der Tiere. Heißt es hingegen, Gott habe uns geschaffen, damit wir für die Tiere sorgen und die Erde erhalten, sind die Folgen positiv. Es gibt da sehr viel Widersprüchliches, auch in der Bibel. So steht in der Genesis: »Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.« Von Fleisch und Tieren ist dort keine Rede. Erst nach der Sintflut heißt es: »Furcht und Schrecken vor euch sei über allen Tieren auf Erden und über allen Vögeln unter dem Himmel, über allem, was auf dem Erdboden wimmelt, und über allen Fischen im Meer; in eure Hände seien sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut habe ich’s euch gegeben.« Während die vegetarischen Speisegebote weitgehend geleugnet wurden und werden, dient diese Passage noch heute zur religiösen Rechtfertigung nicht nur des Fleischverzehrs, sondern jeglicher Ausbeutung von Tieren. Dabei gibt es im Alten Testament wiederum Stellen, die das Fleischessen lediglich als Zugeständnis werten, so die Unantastbarkeit des Blutes. Es gab also durchaus das Bewusstsein der Lebensverletzung. Doch obwohl die Bibel bei der Tötung der Tiere zumindest noch ein letztes Tabu und ein schlechtes Gewissen bewahrte, haben die Tiere unter dem Christentum stets leiden müssen.

F: Sind Sie ein gläubiger Christ?
A: Ich glaube, dass Jesus ein Revolutionär war. Er war ein Repräsentant für unsere Hoffnungen auf Gott. Doch das waren auch andere historische Personen. Aber ebenso wie Menschenrechte müssen Tierrechte universell sein und unabhängig von religiösen oder anderen Anschauungen gelten. Obwohl die Zeit der Tieropfer vorbei sein sollte, gibt es leider noch immer Beispiele für das grausame Töten von Tieren aus angeblich religiösen Gründen.

F: Es liegt doch genug bei den Menschenrechten im Argen. Müssen nicht erst einmal diese durchgesetzt werden?
A: Es muss beides geschehen. Denn letztlich liegen der Unterdrückung und Ausbeutung Schwächerer stets dieselben Muster zugrunde – egal, ob es sich um ethnische Minderheiten, um Frauen oder Kinder handelt – oder um Tiere.

F: Eine extreme Ansicht.
A: Ich bin Extremist. Wenn es um Vergewaltigung, Kindesmissbrauch oder Rassismus geht. Wenn es um die Ungerechtigkeit gegenüber den Tieren geht. Und ich kämpfe für ein Ende des gegenseitigen Abschlachtens der Menschen in Kriegen. Das hat mir seinerzeit übrigens auch die Augen für die Lage der Tiere geöffnet.

F: Eine erstaunliche Verbindung.
A: Auf den ersten Blick, ja. Meine Frau Nancy und ich waren während der 60er Jahre in North Carolina in der Bewegung gegen den Vietnamkrieg aktiv. Damals gehörten Schriften von Mahatma Gandhi zu unserer bevorzugten Lektüre. Sie forderten uns heraus, über unser Leben nachzudenken. Auch über unsere Ernährung. Fleisch galt als Symbol von Kraft und Erfolg. Während meiner College-Zeit hatte ich sogar bei einem Fleischer gearbeitet, um mir ein paar Dollar zu verdienen. Und nun, wo wir gegen die ungerechte Gewalt in Vietnam protestierten, hatten wir gleichzeitig die Resultate von ungerechter Gewalt auf unserem Teller – als Steaks und Roastbeef. Und Gandhi fragte uns sinnbildlich: »Was machen diese Leichenteile in eurem Kühlschrank?« Da wurde mir klar, dass auch die Gabel eine Waffe der Gewalt ist. Als der Krieg in Vietnam endlich vorbei war, wurde der Krieg des Menschen gegen die Tiere unser Thema.

F: Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem Einsatz gegen diesen Krieg?
A: Die Ungerechtigkeit abzuschaffen, die den Tieren angetan wird. Und zwar kompromisslos. Wir fordern keine größeren und saubereren Käfige in den Versuchslabors, sondern leere Käfige. Wir wollen keine »artgerechte« Tierhaltung in der Landwirtschaft mit mehr Platz in den Tiergefängnissen, sondern das vollständige Ende des kommerziellen Handels mit dem Fleisch toter Tiere. Wir verlangen keine »humaneren« Jagdmethoden und Fallen, sondern das definitive Ende dieser barbarischen Praktiken.

F: Ist das nicht überzogen?
A: Wir sind Revolutionäre. Wir wollen nicht nur den Staub aus den Ecken kehren, sondern das gesamte Haus umbauen.

F: Sozusagen eine Revolution, die auf dem Teller beginnt?
A: Und sie beginnt für jeden Einzelnen zu seiner Zeit. Wenn er nämlich begriffen hat, dass Tiere kein Belag für Sandwich und Big Mac sind, dass sie ein Recht auf Leben und Freiheit haben und nicht zwischen zwei Scheiben Brot gehören.

F: In Deutschland und anderen Ländern setzen sich bereits viele Menschen für Verbesserungen ein, so bei Tiertransporten oder in der Massenhaltung.
A: Diese Menschen verdienen Achtung für das, was sie tun. Aber wenn wir den Käfig ein wenig größer machen, wie bei den Legehennen, bleibt der Kreatur weiter das Recht auf Freiheit verwehrt.

F: Ist denn nicht jeder Fortschritt zu begrüßen, der die Lage der Tiere verbessert? Sei er auch noch so klein?
A: Wenn Sie genau hinsehen, verbessern die meisten dieser Reformen nicht die Situation der Tiere, sondern dienen zur Beruhigung der kritischen Öffentlichkeit. Nicht die Käfige vergrößern, sondern sie endlich wegschmeißen! Wissen Sie, in meiner Kindheit gab es für mich eine bezeichnende Episode. Wegen eines Sehfehlers ging ich regelmäßig zur Augenüberprüfung. Dabei musste ich durch ein doppeltes Linsensystem sehen: Rechts war ein Vogel, links ein Käfig. Der Sinn der Übung war, den Vogel in den Käfig zu bekommen. Das habe ich nie geschafft.

[…]

F: Glauben Sie, dass der Tag kommen wird, an dem alle Tiere befreit sind?
A: Die Ungerechtigkeit, die den Tieren geschieht, vergleiche ich gern mit einer Mauer, die ihr Leben einengt. Jeder Erfolg der Tierrechtsbewegung bricht einen weiteren Stein aus dieser Mauer. Und eines Tages wird sie fallen, wie andere Mauern in der Geschichte gefallen sind.

Hier weiterlesen:

Tiere gehören nicht zwischen zwei Scheiben Brot

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 25. Juni 2019 von hubwen in Tiere, Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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Empathie und Ethik   Leave a comment

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Ursprünglich wollte ich nur eine kleine Geschichte von meiner verstorbenen Katze und mir erzählen. Dann fiel mir auf, dass diese Geschichte eigentlich keinerlei “Botschaft“ oder Nutzanwendung in Richtung Tierrechte enthält – wodurch eine Veröffentlichung vielleicht eher unpassend oder “übertrieben“ erscheinen könnte. Dann entdeckte ich aber doch einen allgemeingültigen Aspekt:

Solche engen Beziehungen zwischen Menschen und Tieren sind ja alles andere als selten. Mehr noch: Wir finden sie sogar häufig bei ausgesprochenen Speziesisten, die trotz ihres Speziesismus eine besonders innige Beziehung zu ihrem Lieblingstier haben. Spontan fallen mir Fresspapst Siebeck ein, der ein enges Verhältnis zu seiner Katze hat, und Stierkampffan Picasso, der seinen Hund Lumpi über alles liebte.

Hätten diese und andere Parade-Speziesisten ein Mal ernsthaft über ihre Beziehung zu ihren tierlichen Freunden nachgedacht – sie wären zu Tierrechtlern geworden. Denn es wäre ihnen klar geworden, dass es höchst unvernünftig und inkonsequent ist, EIN Tier zu hätscheln, während man andere, die genauso sensibel sind und die einem ebenfalls “überhaupt nichts getan haben“, aufisst oder zusieht, wie sie zu Tode gequält werden.

Bei Siebeck, Picasso und den meisten anderen Menschen, die eine enge Beziehung zu einem Tier hatten oder haben, hat dieser Erkenntnisprozess leider nicht stattgefunden. Schließlich müsste zweierlei zusammenkommen: eine empathische Beziehung und eine ethische Erkenntnis bzw. Schlussfolgerung. Aber das erste Element war bzw. ist immerhin vorhanden, woraus zumindest die Chance für einen Erkenntnisprozess in Richtung Tierrechte resultiert.

Womit wir bei der “Botschaft“ im Zusammenhang mit engen Mensch-Tier-Beziehungen sind: Fördern wir diese, wo wir nur können, denn sie enthalten zumindest die Chance auf einen Entwicklungsprozess in Richtung Tierrechte!

Freundschaft

Voriges Jahr ist mein Kater Mecky gestorben. Ich musste gerade wieder an ihn denken, als ich eine Katze durchs hohe Gras streunen sah. Mecky war eine “Wohnungskatze“, deshalb habe ich ihm täglich frisches Gras gebracht, worüber er sich immer sehr freute. Ich bedauere sehr, dass er nie dieses Naturerlebnis hatte.

Das bedauerte ich immer. Eines meiner intensivsten Erlebnisse mit ihm war, als er sich, bereits schwer krank, mit Mühe auf die Fensterbank in meinem Arbeitszimmer setzte und den schönen Sommertag samt Vogelgezwitscher förmlich in sich aufsog, quasi noch einmal die Welt, das Leben, die Natur einatmete. Dieser Anblick, dieses Miterleben, dieses Mitfühlen ging mir sehr nahe.

Wie durch ein Wunder hat sich Mecky dann noch einmal erholt und wir durften noch viele schöne gemeinsame Stunden in meinem Arbeitszimmer erleben. So gut wie mit ihm habe ich mich mit kaum einem Menschen verstanden. Er wird ewig in meinem Herzen sein und er ist auch physisch bei mir – wenn nun auch in einem anderen materiellen Zustand: Seine Urne steht hier.

Ich wende mich nun Aufzeichnungen zu, die ich während seiner Einäscherung auf mein Diktaphon gesprochen und bis jetzt liegen gelassen hatte:

Abschied

Ich bin auf dem Weg zu Meckys Einäscherung. Genauer gesagt: Auf dem Weg zu einem Ort, an dem ich zum Zeitpunkt seiner Einäscherung in München in Richtung München blicken und an ihn denken werde. So grauenvoll der Gedanke – was heißt der Gedanke, das WISSEN, ist, dass es Mecky nicht mehr gibt, und so schrecklich die existentielle Leere, das Seins-Loch, das sein Tod aufgerissen hat, ist: Ihm tut nichts mehr weh, er leidet nicht mehr. Dies war auch der einzige tröstende Gedanke, der mir nach seinem Tod in den Sinn kam: Ein Leidender weniger.

Ich gehe auf die so genannte Richterhöhe. Dort befindet sich nämlich eine Windrose, auf der Städte, Seen und Berge eingezeichnet sind. Ich blicke also in Richtung München, wo Mecky gerade verbrannt wird. Ein großer Kamin, aus dem Rauch aufsteigt, gerät in mein Blickfeld – so wie an dem Ort, an dem Mecky jetzt ist, denke ich. Dann: Rauch – Rauch wie in den KZs, wo auch Tote verbrannt wurden. Ich befinde mich am Salzburger KZ-Berg, dem Mönchsberg. (Hier weiden im Sommer Rinder mit ihren Kindern, die gelben KZ-Marken für die Leichenidentifikation bereits in die Ohren gestanzt.)

In meiner unmittelbaren Umgebung: ein schlossartiges Haus. Mein Lebenstraum: Hier mit Mecky leben und arbeiten. Und da drüben das Haus, in dem Peter Handke eine Zeit lang wohnte. “Chinese des Schmerzes“ fällt mir ein. Ich habe keine Ahnung, worum es in diesem Buch geht, aber dieser Titel kommt mir sofort in den Sinn. Zuhause sehe ich dann bei meinen Büchern nach, ich hatte doch ein Handke-Buch, das meiner Tochter gehört. Da ist es auch schon – “Der Chinese des Schmerzes“. Umschlagbild: “Die Richterhöhe auf dem Mönchsberg.“

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Empathie und Ethik

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 21. Juni 2019 von hubwen in Tiere, Tierrechte, Tierschutz, Uncategorized

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Tierversuche: Wann wird ein Verbrechen zum Verbrechen?   Leave a comment

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Für mich sind Tierversuche zweifelslohne ein Verbrechen, ohne wenn und aber. Es gibt KEINE Rechtfertigung dafür. Sie sind nicht sittlich zulässig wie die katholische Kirche behauptet. Aber diese Institution hat sowieso jede Legitimation verloren über Tiere etwas zu sagen. Ich erspare mir Gründe dafür zu nennen. Jede/r kann darüber mehr als genug im Netz finden – aber eigentlich ist es ja offenkundig, wenn jemand nicht blind oder kirchenhörig ist.

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„Aber die Wissenschaft“, fragte der Tote angstvoll, „habe ich ihr nicht gedient? Gehöre ich nicht zu den großen Geistern, auch wenn ich diese Taten beging?“
„Die großen Geister waren den Tieren Brüder und nicht Henker“, sagte der Engel.

In der Geschichte „Nachruhm“ von Manfred Kyber, geht es um einen Wissenschaftler, der sich nach dem Tod den Schreckenstaten seines Lebens stellen muss: den Verbrechen an den Tieren durch die Vivisektion. Kyber (†1933) schrieb bereits zu einer Zeit so eindringlich darüber, als das finstere Kapitel der Tierversuche zahlenmäßig noch nicht die erschreckenden Ausmaße der heutigen Zeit angenommen hatte und es keine Suchmaschine gab, die immer irgendwelche Antworten ausspuckte. Das Wissen, dass Tierversuche nicht nur eine Grausamkeit an wehrlosen und unschuldigen Geschöpfen bedeuten, sondern irreführend sind, weil sie nicht auf den Menschen übertragbar sind, steht vor allem jenen zur Verfügung, die immer noch an ihrer Berechtigung festhalten wollen: den „Koryphäen“ der Wissenschaft, den „großen Geistern“ oder solche, die es noch werden wollen und all jenen Forschern, die ihren Namen in den kalten Hallen des Ruhmes verewigen möchten. Es ist eine bittere und traurige Wahrheit, dass Tierversuche in wissenschaftlichen Kreisen immer noch anerkannt sind und Veröffentlichungen in Fachzeitschriften unter Bezugnahme dieser einen wichtigen Meilenstein auf der Karriereleiter eines Wissenschaftlers bedeuten. Doch wenn der breiten Masse, den „einfachen“ Menschen aus dem Volk bereits das Wissen zur Verfügung steht, dass Tierversuche nicht auf den Menschen übertragbar sind, wie weitreichend haben dann erst recht Wissenschaftler und Forscher durch die heutige Technologie mit immensen Datenbanken darauf Zugriff?

Während die gesetzlich vorgeschriebene Zahl der Tierversuche abnimmt, weil es immer mehr alternative, tierversuchsfreie Testmethoden gibt, steigt die Zahl der Tierversuche in der Grundlagenforschung durch den Boom der Gentechnik. „Tiermodelle“ und „Tierexperimentelle Forschung“ nennt sich das. Hinter diesen beiden Wörtern verbergen sich derartige Gräueltaten an den Tieren, dass es jedem Menschen, der ein wenig Herz besitzt, die Sprache verschlägt und Kampfszenen aus dem Film „Herr der Ringe“ zu einer Banalität werden lässt, denn schließlich sind diese eine Fiktion. Was jedoch hinter den gut verriegelten Türen der Versuchslabore geschieht, ist keine Fiktion, sondern ein in der Realität stattfindender Horrorfilm, dem Tiere allein in Deutschland jedes Jahr millionenfach ausgesetzt sind.

Auf der Internet Datenbank von Ärzte gegen Tierversuche, einer Organisation, die unermüdlich für Aufklärung und ein Ende der Tierversuche kämpft, findet man ein Sammelsurium an grausamen, absonderlichen und absurden Aufzeichnungen der Grundlagenforschung; drei Beispiele seien hier nur genannt: Jungen Ratten wurde Alkohol in die Bauchhöhle injiziert, um zu dem Fazit zu gelangen, dass Alkohol für Kinder und Jugendliche nicht gut ist (1), Skorpione wurden über zwanzig Jahre (bis zum Jahre 2010) auf einer Platte festgetackert und in den Weltraum geschickt, um den Einfluss der Schwerkraft auf die Entwicklung der Tiere zu ergründen; zusätzlich wurden ihnen Elektroden in die Augen, Beine und ins Gehirn gestochen (2) und zur Erforschung der Wirkung von Pflanzenöstrogenen bei Osteoporose, wurden weiblichen Ratten die Eierstöcke entnommen, um die Menopause bei einer Frau zu simulieren, dann wurde ihnen das Schienbein durchsägt, wieder zusammengefügt und anschließend bekamen sie fünf Wochen lang Isoflavone aus Sojapflanzen oder Östrogene ins Futter gemischt. Zum Schluss wurden sie getötet, um die Knochenheilung zu beurteilen.(3)

Was sind das für Menschen, die Tiere derartig leiden lassen und quälen?

Die Verbrechen der europäischen Einwanderer an den Ureinwohnern des amerikanischen Kontinents wurden in dem Zeitraum, in dem sie begangen wurden, nicht als Verbrechen geahndet. Sie wurden vom Herrschaftsanspruch des „weißen“ Menschen gegenüber den „Wilden“ gerechtfertigt. Erst später wurden sie offiziell zu den Gräueltaten der Geschichte gezählt und die Opfer als solche anerkannt. Nur weil etwas zu einer gegebenen Zeit noch nicht von der Allgemeinheit oder einer Jurisdiktion als Verbrechen bezeichnet wird, bedeutet dies bei Weitem nicht, dass es sich nicht um ein solches handelt. Das deutsche Tierschutzgesetz “garantiert” Tieren einen weitgehenden Schutz – laut Gesetzestext sind sie Mitgeschöpfe. Mitgeschöpfe? Lässt man Mitgeschöpfe unter dem Deckmantel fragwürdiger Wissenschaft sinnlos foltern und töten?

Als im Jahre 2004 die einer Folter gleichkommenden Behandlungen in dem amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo bekannt wurden, ging ein Aufschrei durch die Welt und durch die Medien. Wieso bleibt dieser weitgehend aus, wenn doch bekannt ist, dass Abermillionen von Tieren auf dem Altar der Wissenschaft gefoltert und geopfert werden?
Und mit welcher Berechtigung? Zum Wohle der Menschheit, der „Rasse“ Mensch?

Wieso sollten Tiere für den Menschen leiden und sterben? Weil sie die „Wilden“ der heutigen Zeit sind, niedrige Kreaturen? Weil der Mensch „höher“ steht als das Tier, weil er die Krone der Schöpfung ist oder ein vernunftbegabtes Wesen? Mit Vernunft hat die tierexperimentelle Forschung herzlich wenig zu tun und die Unterschiede zu dem Wesen Tier, deren sich das Wesen Mensch so gerne rühmt, haben im Verlauf der Menschheitsgeschichte nicht nur Gutes hervorgebracht. Tiere haben keine Atomwaffen erfunden, sie foltern andere Tiere nicht oder züchten sie und halten sie in Gefängnissen.
Das Wesen Tier leidet genauso wie das Wesen Mensch, den vermeintlich gerechtfertigten Unterschied und die Begründung, warum sie leiden müssen, erhebt in diesem Fall allein der Mensch: Was und zu welchem Zeitpunkt ein Verbrechen ist, wird vom Menschen definiert.

Bereits in den zwanziger Jahren nannte Manfred Kyber Tierversuche eine „abendländische Kulturschande.“ Fast hundert Jahre sind seitdem vergangen und dieser Schandfleck der abendländischen Wissenschaft ist größer und größer geworden, seine Ausmaße ins Ungeheuerliche gewachsen. Hoffentlich dauert es nicht weitere hundert Jahre, bis Tierversuche vollständig abgeschafft werden.

Hoffentlich werden es immer mehr Ärzte und Wissenschaftler die sich für die Tiere einsetzen, damit dieses finstere Kapitel der Menschheitsgeschichte bald zu einem Ende kommt.
Und hoffentlich wird dieses Verbrechen an den Tieren schon bald als ein Verbrechen im juristischen Sinne definiert.

Nachfolgende Quellennachweise stammen aus der Broschüre von Ärzte gegen Tierversuche: „Winterschlaf hilft gegen Alzheimer und andere Absurditäten aus der Tierversuchsforschung“

(1)Stephan Röskam et.al.: Effects of neonatal and peripubertal ethanol treatment on varous aspects of adult rat behavior and brain anatomy. International Journal of Developmental Neuroscience 2009: 27, 249-256 Bremen
(2)Michael Schmäh et al.: Neurophysiological longterm recordings in space: experiments Scorpi and Scorpi-T. Gravitational and space biology bulletin : Publication of the Amerian Society for Gravitational and Space Biology 2005 : 18 (2), 95-96 Ulm
(3)S.Semisch et al.: Effects of isoflavones equol and genistein on bone quality in a rat osteopenia model. Phytotherapy Research 210: 24, 168-174 Göttingen

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Tierversuche: Wann wird ein Verbrechen zum Verbrechen?

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Gruß Hubert

Empört euch!   1 comment

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Ein mustergültiger Beitrag von Daniela Böhm. Ich kann nur sagen sie spricht mir aus der Seele. Menschen üben gnadenlos an Tieren das Recht des Stärkeren aus.

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Bildquellenangabe: http://www.solyent-network.com
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Empört euch! Diese zwei kleinen Wörter haben in den vergangenen Jahren weltweit sozialkritische und bedeutende Bewegungen ausgelöst. Stéphane Hessel, der Verfasser des gleichnamigen Pamphlets, ruft u. a. zum zivilen Ungehorsam und Widerstand gegen Systeme auf, die Menschen nicht wertschätzen, sie ausbeuten und einschränken. Hessel vertritt in seiner Schrift die Auffassung, dass jeder Mensch einen Grund zum Widerstand hat.

Ausreichend Gründe für den Widerstand hätten auch die Tiere, die unter einem System leiden, welches ihre Rechte und Würde nicht respektiert.
Der Mensch nimmt sich das Recht, die Tiere auszubeuten und sie zu töten. Er macht Gesetze, um sein Recht zu untermauern, er denkt sich den „vernünftigen Grund“ aus, der im deutschen Tierschutzgesetz verankert ist und Fleischkonsum und qualvollen Tod rechtfertigt. Aber dieser „vernünftige Grund“ ist in der heutigen Zeit restlos unvernünftig. Oder sind Massentierhaltung und die damit verbundene Klimaerwärmung vernünftig? Sind es überdüngte Felder, Antibiotika, die ins Grundwasser gelangen und die Überfischung der Meere? Ist der Hunger in den Entwicklungsländern vernünftig, bedingt durch den unglaublichen Verbrauch von natürlichen Ressourcen für die Erzeugung von Fleisch? Ist es vernünftig, Menschen unter unwürdigen Bedingungen in Schlachthöfen arbeiten zu lassen? Sind die Qualen und der gewaltsame, menschgemachte Tod von Abermilliarden schwächeren Mitlebewesen vernünftig?

Ist Krieg jemals vernünftig? Der Mensch aber führt Krieg gegen die Tiere und dieser Krieg kostet viel: Er zerstört nicht nur das Leben der Tiere, sondern auch unseren Planeten. Es ist ein ungleicher Krieg, denn jene, die ihn erdulden müssen, haben keine Waffen, um sich zu wehren. Der Mensch ist zu ihrem größten Feind geworden und fordert mit seinem Speziesismus das Recht des Stärkeren ein. Und dieses selbstgemachte Recht Tiere zu essen, welches nicht infrage gestellt wird, weil es angeblich schon immer so war, tötet heute milliardenfach. Jene Mitbewohner dieses Planeten, die schon lange vor uns da waren und ihren Teil zum Gleichgewicht in der Natur beitragen, gegen das sich der Mensch immer mehr stellt. Wie können wir Menschen in Frieden miteinander leben, wenn wir bereits tagtäglich Krieg gegen die Schwächsten der Schwächsten führen, gegen jene, welche sich nicht wehren können, jene, welche nicht imstande sind, ihre Stimme zu erheben und die keine Revolution entfachen können?
Von dem indianischen Häuptling Seattle stammen folgende Zeilen:

Was wäre der Mensch ohne die Tiere?
Wenn alle Tiere gegangen wären, würde der Mensch an großer Einsamkeit des Geistes sterben.
Denn, was auch immer mit dem Tier geschieht, passiert auch bald dem Menschen.
Alle Dinge sind miteinander verbunden.

Wir Menschen sind auf diese Erde, ihr Gleichgewicht und ihre Bewohner angewiesen. Umgekehrt verhält es sich nicht so.

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Morgens...
(C) Foto: Karl Dichtler piqs.de

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Tiere können sich nicht empören und ihre Rechte einklagen. Es sind die Menschen einer immer stärker werdenden Bewegung, die genau diese zwei Wörter für die Schwächsten der Schwächsten ausrufen: Empört euch! Über das immense Leid der Tiere, das in jeder Sekunde auf unserem Planeten in den Schlachthäusern, Massenbetrieben, Versuchslaboren, Pelzfarmen, aber auch bei dem kleinen Bauern nebenan stattfindet.
Die Ignoranz gegenüber dem Leid der Tiere hat apokalyptische Ausmaße erreicht und ist – empörend! Abermilliarden getöteter Tiere jährlich, weltweit, sind ein zwingender Grund sich zu empören.

Es liegt an uns, an jedem Einzelnen, diesem tierverachtenden System durch pazifistischen Widerstand, wie ihn Hessel fordert, die Stirn zu bieten. Es ist eine ethische Verpflichtung, aus diesem System auszusteigen, indem wir keine Tiere mehr essen und sie als Mitbewohner dieses Planeten achten und respektieren.

Bald ist wieder Ostern – ein Fest, für das unzählige Tiere, vor allem Lämmer ihr Leben lassen müssen. Und warum? Aufgrund einer alten überlieferten Tradition, die viele Menschen nicht infrage stellen. Zeigen Sie einem kleinen Kind ein Lämmchen auf der Weide und fragen Sie, ob es möchte, dass dieses unschuldige Wesen getötet wird, damit es sein Fleisch essen kann. Jedes Kind beantwortet diese Frage mit einem entsetzten Nein! Kinder sehen und fühlen mit dem Herzen, viele Erwachsene haben es leider im Laufe ihres Lebens verlernt.

Die Kirche hat sich vor allem die Barmherzigkeit und das „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ auf ihre Fahnen geschrieben – doch es gilt nur den Menschen.

Warum? Gibt es dafür einen vernünftigen Grund außer einem speziesistischen Grundgedanken? Echte Nächstenliebe, die nicht nur ein kirchlicher, sondern ein allgemeiner ethischer Anspruch ist, muss auch unseren kleinen Brüdern und Schwestern gelten, für die wir Sorge tragen sollten, anstatt sie zu unterwerfen, auszubeuten und zu töten.

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Empört euch!

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Gruß Hubert