Archiv für die Kategorie ‘Tiere

Die Grünen und der Tierschutz   Leave a comment

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Wie man meinen möchte, würden die Grünen als Umweltpartei, auch den Tierschutzgedanken hoch halten. Wie man bei Martin Balluch sieht, ist dem überhaupt nicht so.

Als Negativbeispiel ist da der österreichische Vizekanzler Werner Kogler hinzustellen, der bei McDonalds isst. Der war mir schon auf Anhieb unsympathisch. Ich kenne nur eine rühmliche Ausnahme: Madeleine Petrovic.

Von martinballuch.com

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Die Grünen und der Tierschutz

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Als ich das erste Mal den Grünen Parlamentsklub betreten habe, vor einigen Jahrzehnten, hing direkt beim Eingang ein großes Hirschgeweih mit Schädeldecke. Wie ich das sah, dachte ich mir, dass es mit dem Tierschutz nicht weit her sein kann. Kein tierschutzaffiner, sensibler Mensch schmückt seine Wände mit Totenköpfen.

Als ich das erste Mal den Grünen Parlamentsklub betreten habe, vor einigen Jahrzehnten, hing direkt beim Eingang ein großes Hirschgeweih mit Schädeldecke. Wie ich das sah, dachte ich mir, dass es mit dem Tierschutz nicht weit her sein kann. Kein tierschutzaffiner, sensibler Mensch schmückt seine Wände mit Totenköpfen.

Die Gründungsmutter der Grünen in Österreich, Freda Meissner-Blau, hatte meinem Eindruck nach auch tatsächlich nichts für Tierschutz übrig. Obwohl sie in vielen anderen, auch nah verwandten Themen, wie dem Umweltschutz, ohne Frage nicht nur kenntnisreich sondern auch sehr engagiert war.

Mitte der 1990er Jahre aber traf ich die damalige Bundessprecherin der Grünen, Madeleine Petrovic, in England. Sie wollte mich zu einer Jagdsabotage begleiten, half mir gegen eine drohende Deportation wegen meines Einsatzes gegen die adeligen Hetzjagden und sprach auf einer Podiumsdiskussion gegen Tierversuche. „Und übrigens“, beendete sie damals jede Rede egal zu welchem Thema auch im Parlament, „Tierversuche müssen verboten werden“. Madeleine Petrovic ist bis heute sehr im Tierschutz engagiert und u.a. Obfrau des Wiener Tierschutzvereins. Bei den Grünen hat sie allerdings keine Funktion mehr.

Kogler bei McDonalds

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Werner Kogler bei McDonalds: Mahlzeit – Bild: Martin Balluch

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Vizekanzler und Bundessprecher der Grünen Werner Kogler wiederum isst bei McDonalds. Als das bekannt wurde, solidarisierten sich viele der Grünen mit Kogler gegen die Kritik. Ich sage es ganz klar: wer in politischer Funktion bei McDonalds konsumiert, ist ein Analphabet in politischer Geschichte. McDonalds war sehr lange Zeit der Fokus von Kampagnen einer breiten Koalition zivilgesellschaftlicher Bewegungen, vom Anti-Kapitalismus über die Entwicklungshilfe und den Umweltschutz bis zu Arbeitsrechten und Tierschutz. Der 16. Oktober war weltweit der Anti-McDonalds Tag. Noch bis vor weniger als 10 Jahren gab es an diesem Tag auch in Österreich noch „kotz-ins“ in McDonalds Filialen und unzählige Demos.

Vor 25 Jahren war es in sehr vielen Ländern sogar üblich für Aktivist_innen, McDonalds nur mit einem Zementsackerl zu betreten, um das Klo zu verstopfen. Das war eine Reaktion auf die weltweite Praxis von McDonalds damals, zivilgesellschaftliche Aktivistengruppen mit Spitzeln zu infiltrieren und jeden Menschen zu klagen, der die Firma kritisiert hat. Der VGT war übrigens auch Opfer einer solchen Megaklage, die ihn damals fast ruiniert hätte. Nur 2 Aktivist_innen von London Greenpeace, eine davon, Helen Steel, kannte ich persönlich in England, haben nicht klein beigegeben und sich dem Prozess gestellt. Er wurde der längste in der englischen Prozessgeschichte. Letztlich gewann McDonalds 1995 und ruinierte die beiden finanziell, doch 2005 drehte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das Urteil um. Es seien die Grundrechte auf Meinungsfreiheit und auf ein faires Verfahren verletzt worden. Dieser Megaprozess ging als „McLibel“ in die Geschichte ein und wurde auch verfilmt. Könnte es wirklich sein, dass ein Vizekanzler und Grünenchef das alles nicht weiß? Oder ist es ihm egal?

Aber vielleicht stimmt die Kritik an McDonalds von damals heute ja nicht mehr, vielleicht ist alles anders. Ein Beispiel. Vor wenigen Jahren sprach ich persönlich mit der Geschäftsführung von McDonalds Österreich über die Zustände in Masthuhnfabriken. Und da wurde mir von höchster Ebene erklärt, dass die schrecklichen Bedingungen in der Masthuhnhaltung in Österreich für McDonalds noch zu gut (!) wären, weshalb sie ihre McNuggets Hühner aus dem Ausland beziehen, wo man die Tiere noch schlechter halten darf, und wo sie daher noch billiger sind! Mahlzeit, Herr Kogler!

Clubchefin Sigrid Maurer kotzt auf vegan

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Auf das Angebot einer veganen Wurstsemmel sagt Sigi Maurer „wäh“ – Bild: Martin Balluch

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Sigrid Maurer ist in der Bundesregierung die neue Chefin des Grünen Parlamentsclubs geworden. Als ehemalige ÖH-Vorsitzende und protestierende Aktivistin seinerzeit im Parlament, erwartet man sich vielleicht auch Progressives zu Tierschutz von ihr. Mitnichten. Als sie im ORF vor laufender Kamera eine vegane Wurstsemmel angeboten bekam, kotzte sie symbolisch. Keine Ausrede: das ist ein voller Schlag ins Gesicht für alle, die sich für vegane Alternativen einsetzen. Und das sind nicht nur die Tierschützer_innen. Das sind alle, denen das Klima, die natürlichen Ressourcen, der Umweltschutz, die Wasserversorgung, der Regenwald im Amazonas usw. wichtig sind. Maurer offenbar nicht.

So progressiv dürfte die gute Frau also doch nicht sein. Mit ihrer Einstellung passt sie zu ihrem konservativen Regierungspartner, der seit Jahrzehnten die Fleischindustrie und die Massentierhaltung fördert und die pflanzlichen Alternativen bekämpft wo es nur geht.

Regierungsprogramm Tierschutz ist katastrophal

Kein Wunder mit so einer Parteispitze bei den Regierungsverhandlungen, dass das Regierungsprogramm zum Tierschutz eine einzige Katastrophe ist. Wer es liest erkennt klar, den Grünen war bei diesen Verhandlungen der Tierschutz vollkommen egal. Ein Faustpfand vielleicht, für Zugeständnisse von Kurz für Klimaschutzmaßnahmen. Der Tierschutz wurde aber verkauft.

Mitgehangen, mitgefangen. Als die SPÖ kürzlich einen Antrag für ein gesetzliches Verbot des Kückenschredderns stellte, eine Forderung der Grünen im Wahlkampf letztes Jahr, stimmten die Grünen nicht zu und der Antrag blitzte ab. „Das Grüne Schredder-Gate“ titulierte der Standard in Anspielung auf die seltsamen Vorkommnisse bei der ÖVP mit geschredderten Festplatten. Tatsächlich brach ein Shitstorm unbekannten Ausmaßes über die Grünen nieder. Sie hätten ihre Grundprinzipien verraten.

Zynisch könnte ich jetzt sagen, stimmt nicht, der Tierschutz war nie eines ihrer Grundprinzipien. Wie auch immer, verraten haben sie den Tierschutz beim Ausverhandeln des Regierungsprogramms. Mir als altem Polithasen war natürlich klar, dass sie diesem Antrag nicht zustimmen können, ohne den Koalitionspartner zu vergrämen. Zur Regierungszeit gibt es (leider) keine freien Abstimmungen. Da heißt es sich an die Parteilinie zu halten. Der Fehler wurde schon um den Jahreswechsel begangen, für den sie sich aber einen Shitstorm verdient haben.

Das Tierschutzdesaster in Salzburg

Zu Zeiten von Oppositionspolitik ist es viel leichter, für Tierschutz einzutreten, als wenn man Regierungsverantwortung hat. Das zeigt sich nirgends deutlicher als in Salzburg, wo die Grünen nun bereits die zweite Legislaturperiode als Juniorpartner in der Regierung mit der ÖVP bestreiten. In Salzburg haben wir vom VGT eine Kampagne gegen die dortigen Jagdgatter durchgeführt. Und die Grünen in Salzburg waren und sind uns feindlicher gesinnt, als selbst die ÖVP.

Astrid Rössler, mittlerweile Nationalratsabgeordnete für die Grünen in Wien aber vor einigen Jahren noch Vizelandeshauptfrau und Landesrätin für Naturschutz als Grünenchefin in Salzburg, hatte die Möglichkeit, die grausame Gatterjagd zu beenden. Nein, sie hätte sogar die Pflicht gehabt. Nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich. Zwar konnte sie in ihrem Ressort keine Reform zum Jagdgesetz durchführen, aber sie wäre EU-rechtlich verpflichtet gewesen, eine Verordnung für das Natura 2000 Gebiet in der Antheringer Au zu schaffen, wo sich das Jagdgatter von Mayr-Melnhof befindet, in dem jährlich damals zumindest hunderte Wildschweine, Damhirsche und extra ausgesetzte Zuchtenten abgeschossen wurden. In einem Vogelschutzgebiet, wohlgemerkt! Der Landesrätin für Naturschutz lagen 2 Fachgutachten vor, die ihre eigene Regierung in Auftrag gegeben hatte, in denen klar steht, dass das Jagdgatter aufgelöst werden muss, weil sonst die Ziele des Natura 2000 Schutzgebiets nicht eingehalten werden können. Sie hätte eine entsprechende Verordnung erlassen können und müssen. Hat sie aber nicht. Dafür fehlte ihr das Rückgrat oder der Wille. Stattdessen hat sie den VGT, der sie dafür kritisiert hat, attackiert. Und ihre Nachfolgerin bei den Grünen, Kimbie Humer-Vogl, steht ihr dabei in nichts nach. Tierschutz ein Fremdwort. Eine Katastrophe. Tatsächlich ist das Jagdgatter Mayr-Melnhof heute das allerletzte Jagdgatter in Österreich, das kein Ablaufdatum hat. Mit einer Grünen Regierungsbeteiligung!

Auch für die EU-Wahlen hatte Kogler kein tierschutzfreundliches Händchen. Während einige sehr tierschutzaffine Personen auf der Grünen Liste kandidierten, wurde ausgerechnet Sarah Wiener zur Frontfrau auserkoren. Mir persönlich sagte Kogler, sie sei doch eh Tierschützerin. Na dann sollte er sich ihre ständigen Postings gegen Vegetarismus und vor allem Veganismus ansehen. Es scheint ihr eine besondere Freude zu machen, Veganer_innen zu bashen. Als sie dann einmal bei einer VGT-Aktion gegen den Vollspaltenboden aufkreuzte, war sie total über die Grundhaltung des VGT verwundert. Von Tierschutz weiß sie offenbar nicht viel.

Bis heute gibt es kein von der Parteispitze abgesegnetes Tierschutzprogramm der Grünen.

Hier weiterlesen:

Die Grünen und der Tierschutz

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 11. August 2020 von hubert wenzl in Politik, Tiere, Tierrechte, Tierschutz

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Karnismus: die Psychologie des Fleischkonsums   1 comment

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Von albert-schweitzer-stiftung.de

Karnismus beschreibt die Ideologie des Fleischessens.

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Was ist Karnismus?

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Bild: albert-schweitzer-stiftung.de

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Die amerikanische Psychologin Dr. Melanie Joy gab der Ideologie des Fleischkonsums erstmals einen Namen: Karnismus. Nehmen wir mal an, Sie essen Fleisch. Stellen Sie sich vor, Sie sind bei Freunden eingeladen, die Stimmung ist heiter und das Essen schmeckt so gut, dass Sie den Gastgeber nach dem Rezept fragen. Geschmeichelt sagt er Ihnen, dass das Geheimnis im Fleisch liegt: Es ist das Fleisch eines Golden Retrievers. Wie würden Sie reagieren? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Sie Ekel empfinden würden und das, was Sie eben noch als Essen betrachtet haben, nun nicht mehr für Sie als Mahlzeit infrage kommt. Und das, obwohl das Fleisch noch immer dasselbe ist und es Ihnen eigentlich auch geschmeckt hat. Nur Ihre Wahrnehmung ist jetzt eine andere.

Wenn es um das Thema Tiere essen geht, ist unsere Wahrnehmung größtenteils, wenn nicht komplett, von unserer Kultur bestimmt. Tatsächlich gibt es in unserer Kultur (wie in allen anderen Fleisch essenden Kulturen auch) nur eine kleine Anzahl an nichtmenschlichen Tieren, bei denen wir als Kind gelernt haben, sie als essbar zu klassifizieren. Bei der weitaus größten Anzahl an nichtmenschlichen Tieren haben wir gelernt, sie als nicht essbar und deswegen als ungenießbar oder ekelhaft einzustufen. Ekel beim Gedanken ans Fleischessen ist also nicht die Ausnahme, es ist vielmehr die Regel. Die Ausnahme ist die Abwesenheit von Ekel. Die Frage ist also: Wieso empfinden wir das Essen von einigen wenigen Spezies nicht als ekelhaft?

Der Grund liegt in einer fehlenden Verbindung in unserem Bewusstsein zwischen dem Fleisch auf dem Teller und dem Tier, das es einst war. Natürlich wissen wir, dass ein Tier sterben muss, damit wir Fleisch essen können, aber auf einer tieferen Ebene fehlt eine klare Verbindung. Und diese fehlende Verbindung blockiert nicht nur unsere Wahrnehmung der Realität von Fleisch, sondern auch unsere Gefühle und Gedanken. Doch wie entsteht diese Lücke?

Die Entstehung von Karnismus

Karnismus ist ein unsichtbares System aus Überzeugungen, das uns von Kind auf dazu konditioniert, (bestimmte) Tiere zu essen. Karnismus ist dabei einerseits eine dominante Ideologie, die – unsichtbar und tief in unserer Gesellschaft verwurzelt – unsere Überzeugungen, Handlungen, Gedanken, Normen, Gesetze, etc. formt. Andererseits ist es natürlich auch eine gewaltvolle Ideologie: Fleisch kann nicht ohne Töten hergestellt werden. Dominante und gewaltvolle Ideologien benutzen eine Kombination aus sozialen und psychologischen Verteidigungsmechanismen, die Menschen dazu veranlassen, an inhumanen Praktiken teilzuhaben, ohne vollständig zu realisieren, was sie tun. In anderen Worten: Karnismus lehrt uns, in bestimmten Situationen unser Mitgefühl auszuschalten, was wohl auch der Grund ist, warum Diskussionen zwischen vegetarisch/vegan lebenden Menschen und Karnist_innen oft aneinander vorbeilaufen sowie zu Frustrationen oder Streit führen. Um diese Situation zu verbessern, müssen wir also verstehen, um was für Verteidigungsmechanismen es sich handelt.

Die drei Verteidigungsmechanismen des Karnismus

1. Verborgenheit

Die hinter dem Karnismus liegende Ideologie machen sich die meisten Menschen nicht bewusst. Die Ideologie konnte unter anderem deshalb so gut im Verborgenen bleiben, weil sie bislang keinen Namen hatte. Wenn wir für etwas kein Wort haben, können wir nur schwer darüber nachdenken, darüber sprechen, es in Frage stellen oder kritisch betrachten. Diese Verborgenheit sorgt auch dafür, dass Fleischessen eher als gegeben anstatt als eine Wahl betrachtet wird. Zu dieser Verborgenheit kommt hinzu, dass man die Opfer des Karnismus nicht sieht. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2012 wurden laut einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes 20 Millionen Tonnen Fleisch in Deutschland produziert. Allein die Wortwahl zeigt bereits die Verborgenheit: Wir reden von Fleischproduktion und vermeiden es dabei meistens, von Tieren zu reden, über Individuen, vielleicht über »Lisa«. Wir erwähnen oft nicht die Anzahl der getöteten Tiere, sondern lieber die Summe ihres Gewichts. In Deutschland kommen auf 1000 Einwohner 180 Kühe, 329 Schweine und 1723 Hühner. Wie viele Tiere sehen Sie davon an einem Tag? Wie viele haben Sie bisher in Ihrem gesamten Leben gesehen? Andere Perspektive: Wie viele Menschen sehen Sie täglich, wenn Sie das Haus verlassen? Wenn Sie in einer Stadt wohnen oder in einem größeren Dorf, dann wohl eine ganze Menge. Und in Deutschland gibt es fast doppelt so viele »Nutztiere« wie Menschen. Wo sind also diese Tiere? Ihre Körperteile sehen wir praktisch überall, wo wir hingehen, sei es beim Einkaufen, im Restaurant, beim Essen oder an der Imbissbude um die Ecke. Wieso sehen wir diese Tiere (bis auf wenige Ausnahmen) niemals lebendig? Wir sehen sie nicht, weil wir sie nicht sehen sollen.

2. Aufbau auf Mythen

Wenn die Verborgenheit schwindet, zum Beispiel in Diskussionen zwischen karnistischen und vegetarischen/veganen Menschen oder durch Medienberichte, benötigt das System eine zusätzliche Sicherung: Wir lernen Karnismus zu rechtfertigen, indem wir die Mythen des Fleischkonsums als Fakten betrachten. Diese Mythen äußern sich in einer Vielzahl von Argumenten, die – wie Melanie Joy es beschreibt – allesamt auf die drei Ns der Rechtfertigung reduzierbar sind: Fleisch essen sei normal, natürlich, notwendig. Sehen wir uns diese drei Ns des Karnismus einmal genauer an:

»Fleischessen ist normal«
Was wir als normal bezeichnen, ist im Grunde nichts anderes als die Überzeugungen und Verhaltensweisen der dominierenden Kultur in einer Gesellschaft. Die karnistischen Normen sind so tief in unserer Gesellschaft verwurzelt, dass wir kaum etwas anderes als »normal« empfinden können. Stellen Sie sich wieder die Szene vor, bei der Sie bei Freunden eingeladen sind und der Gastgeber Ihnen gerade erzählte, dass Sie Golden Retriever essen und Sie das aber nicht möchten. Er sagt Ihnen: »Du musst dich nicht schlecht fühlen, der Hund hatte ein schönes Leben. Er konnte frei herumlaufen und spielen und konnte Freundschaften zu anderen Hunden aufbauen, bevor er mit sechs Monaten getötet wurde.« Würde Ihnen dies das Essen des Golden Retrievers erleichtern? Karnismus ist so tief verwurzelt, dass es uns nicht gewahr wird, dass »tiergerecht produziertes Fleisch« eigentlich ein kompletter Widerspruch ist, ein Mythos, um uns an gewaltvollen Praktiken teilhaben zu lassen, die wir eigentlich niemals unterstützen würden.

»Fleischessen ist natürlich«
Um das Fleischessen als natürlich darzustellen, bedienen wir uns mehrerer willkürlich zusammengesuchter Argumente: Unsere Vorfahren haben Fleisch gegessen, andere Tiere essen auch Fleisch und so weiter. Argumente, die für die Unnatürlichkeit unseres Fleischessens sprechen, werden ausgeblendet: Unsere im Tierreich nächsten Verwandten essen praktisch kein Fleisch, nur rohes inkl. der Gedärme kann als natürlich bezeichnet werden (etc.). Dabei wird außerdem ausgeblendet, dass wir die meisten anderen »natürlichen« Lebensweisen erfolgreich und gerne hinter uns gelassen haben: Wir leben nicht mehr in Höhlen, fahren mit Autos und haben in Supermärkten die Möglichkeit, alle essentiellen Nährstoffe über rein pflanzliche Lebensmittel zu uns zu nehmen, was bei der richtigen Auswahl zu gesundheitlichen Vorteilen führt. Auch anderen »natürlichen« Phänomenen wie Mord und Vergewaltigung versuchen wir Einhalt zu gebieten und lassen das Argument, dass unsere Vorfahren auch gemordet haben, nicht gelten.

»Fleischessen ist notwendig«
Auch hier bezeichnen wir wiederum nur das als notwendig, was nötig ist, um die dominierende Kultur, den karnistischen Status quo am Leben zu erhalten. Ist das milliardenfache Töten empfindsamer Individuen (»Nutztiere«) wirklich notwendig? Der damit verbundene Mythos ist natürlich der Protein-Mythos, doch wussten Sie, dass der stärkste Mann Deutschlands, Patrik Baboumian, Veganer ist? So notwendig scheint das Essen von tierlichen Produkten also nicht zu sein.

3. Wahrnehmungsverzerrung

Der letzte karnistische Verteidigungsmechanismus ist die Verzerrung der Wahrnehmung. Zum Beispiel lernen wir, manche nichtmenschliche Tiere eher als Objekte anstatt als Individuen zu sehen. Wenn wir Hähnchen essen, essen wir etwas und nicht jemanden. Wir lernen auch, »Nutztiere« als Abstraktionen wahrzunehmen, denen es an jeglicher Individualität oder Persönlichkeit mangelt. Doch das Gegenteil ist der Fall: Wie Hunde und Katzen haben auch Schweine und Hühner individuelle Vorlieben und Charaktereigenschaften. Schlussendlich lehrt uns Karnismus auch, Tiere in willkürliche Kategorien einzuordnen, gegenüber denen wir sehr unterschiedliche Gefühle und Verhaltensweisen ausüben können: »Hunde sind Haustiere und somit niedlich. Schweine sind Nutztiere und deswegen nicht niedlich. Hunde sind zum Streicheln da und Schweine zum Essen. Folglich ist Hundefleisch auch ekelhaft und Schweinefleisch lecker.«

Karnismus lehrt uns also nicht nur gewaltvollen Handlungen nachzugehen, ohne dass wir es merken, sondern uns selbst auch noch darin zu bestätigen. »Schließlich sind es ja nur Tiere.« Es ist die karnistische Mentalität, die uns dazu veranlasst, komplette Kontrolle über Leben und Tod von Individuen mit weniger Macht auszuüben, nur weil wir es können. Tiere zu essen ist nicht einfach nur eine Sache persönlicher Ethik, es ist das unausweichliche Resultat einer tief verwurzelten, unterdrückenden Ideologie.

Wollen Sie aus karnistischen Verhaltensmustern aussteigen? Dann empfehlen wir Ihnen zum Start unsere Vegan Taste Week.

Zum Autor

Jeff Mannes engagiert sich bei der Vegan Society Luxembourg und lebt seit 2010 vegan. Wir sind ihm insbesondere dankbar für sein Engagement, die Arbeiten von Melanie Joy zum Karnismus im deutschsprachigen Raum zu etablieren.

Literatur

Melanie Joy: Why We Love Dogs, Eat Pigs and Wear Cows: An Introduction to Carnism
Jeff Mannes: Umgang mit Karnismus

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Karnismus: die Psychologie des Fleischkonsums

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Warum wir Hunde lieben und Schweine essen • Dr. Melanie Joy

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 6. August 2020 von hubert wenzl in Tiere, Tierrechte, Tierschutz

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Nachruf auf einen Schlachter   Leave a comment

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Von: https://www.soko-tierschutz.org

Nachruf auf einen Schlachter

28/07/2020

Viele Helden der Tiere bei SOKO Tierschutz bleiben unbekannt und wirken fern der Würdigung für ihren Mut und Erfolg. Als ich das erste mal mit Karl Maninger zu tun hatte, war es ein Treffen, irgendwo bei Tauberbischofsheim. Er war ein Schlachter, sein Leben lang, hatte viel gesehen und ertragen. Ein harter nüchterner Mensch, zu dessen Alltag das Zerlegen, das Blut und der Tod von Tieren gehörte. Irgendwann bekam dieser Alltag Risse, als er einen Rinderschädel sah, der laut ihm aussah wie ein Seeigel, völlig zerschossen von Fehlschüssen, zur vermeintlichen Betäubung. Da kam vieles hoch: Rinder, die nach der Betäubung aufwachen und panisch durch den Schlachthof rennen, die verdrängte Gewalt, die Elektroschock Orgien, gepaart mit der Ausbeutung der Menschen.

Dieser Mann hatte alles gesehen, lebenslang geschwiegen und dennoch wurde sein Äußeres immer wieder von einem spitzbübischen Lächeln durchbrochen. Auch er wusste, dass diese zwei Menschen, der Tierrechtler und der Schlachter eigentlich nicht an einem Tisch sitzen dürften. Aber dieses Gespräch eröffnete die Chance den Wahnsinn, die Gewalt und Tierverachtung in dem Mc Donalds Schlachthof zu dokumentieren. Er wollte, dass es endet, das Quälen der Tiere und der zermürbende Druck des amerikanischen Konzerns auf die Menschen, die ihre Flucht im Suff suchen. Dann ging alles schnell, nach wenigen Tagen der versteckten Kameras, an Orten die er für wichtig hielt, kam die Polizei, die Presse und natürlich auch die Jagd auf den Verräter. Wer war der Schatten im Fernsehen? Viele zeigten mit dem Finger auf ihn, den letzten alten Hasen und wir mussten wochenlang sein Haus sichern. Denn die Fleischbranche akzeptiert es nicht, wenn jemand den Mantel des Schweigens zerreißt. Der Schlachthof Tauberbischofsheim ist heute eine Ruine.

Leider konnte Karl Ernst Maninger seinen Ruhestand nicht lange genießen und musste zu früh gehen.

Was in Erinnerung bleibt, ist ein mutiger Mann, das verschmitzte Lächeln und das Wissen, dass jeder die Welt verändern kann, der Mut aufbringt sich gegen den Sturm zu stellen.

Das SOKO Team gedenkt diesem Mann.

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Nachruf auf einen Schlachter

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 4. August 2020 von hubert wenzl in Tiere, Tierrechte, Tierschutz

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Ulten: Blitz erschlägt 42 Schafe   1 comment

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War da etwa wieder der „liebe Gott“ am Werk? 😉

Von rainews.it

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Quelle © Landesforstdienst St. Walburg

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Sie hatten unter einem Felsvorsprung Schutz gesucht und wurden dort offenbar alle gleichzeitig vom Blitz erfasst. Es soll sich um eine Stelle handeln, wo es bereits einmal einen Blitzschlag gegeben hatte, dem Weidevieh zum Opfer fiel.
Auf der Falkomai-Alm in Ulten hat ein Blitz in der vergangenen Woche 42 Schafe erschlagen.
rainews.it
Ulten: Blitz erschlägt rund 40 Schafe – TGR Tagesschau
Auf der Falkomai-Alm in Ulten hat ein Blitz in der vergangenen Woche 42 Schafe erschlagen.

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Ulten: Blitz erschlägt 42 Schafe

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Ein Kontrast dazu. Gott ist der Allerbeste. Liora – der Herr ist mein Licht. 🙂

Für manche ist Religion wie eine Droge. Sonst könnte man unmöglich so euphorisch sein. Besoffener geht es nicht.

„Wie groß ist doch Gott! Wie unendlich sein Reichtum, seine Weisheit, wie tief seine Gedanken! Wie unbegreiflich für uns seine Entscheidungen und wie undurchdringlich seine Pläne! Denn »wer kann Gottes Absichten erkennen? Oder wer hat ihn je beraten?« »Wer hat Gott jemals etwas gegeben, das er nun von ihm zurückfordern könnte?« Denn alles kommt von ihm, alles lebt durch ihn, alles vollendet sich in ihm. Ihm gebühren Lob und Ehre in alle Ewigkeit! Amen.
Römer 11:33‭-‬36 HFA“
Quelle: https://www.facebook.com/pg/Liora-Der-Herr-ist-mein-Licht-1039449609442995/posts/

Die 42 vom Blitz getöteten Schafe kamen dann auch von ihm. Andere (böse) Menschen waren es ja nicht.

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Gruß Hubert

Das große Bienensterben   2 comments

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Gründe für das Bienensterben sind unter anderem: Pestizide, Monokulturen, der Verlust von Lebensraum und auch die Honigbiene.

Von Peta.de

 

Bild: Peta.de

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In den letzten 30 Jahren ist der Bestand fliegender Insekten allein in Deutschland um mehr als 75 Prozent geschrumpft. Darunter befinden sich auch die Wildbienen – von 561 Arten gilt bereits die Hälfte als gefährdet, 16 Arten sind schon ausgestorben. Die Gründe für das Bienensterben sind vielfältig und werden nach wie vor untersucht. Fest steht jedoch, dass der Mensch in die Ursachen stark involviert ist.

Der Mensch braucht die Biene

Bienen sind für unsere ökologische Vielfalt, die Bestäubung und die Vermehrung von Pflanzen nicht wegzudenken. Zwei Drittel aller Nutzpflanzen sind auf die nützlichen Insekten angewiesen. Sie sorgen für die Verbreitung hunderttausender Pflanzen, auf die wiederum unzählige Tierarten als Nahrungsgrundlage angewiesen sind. Bienen sind für unser Ökosystem schlichtweg unverzichtbar.

Gründe für das Bienensterben: 

Honigbiene als Problem

Das Nahrungsangebot der Wildbienen schrumpft wegen der Honigbiene. Honigbienen werden in Massen gezüchtet und sammeln überproportional viel Nektar, der ihnen anschließend für den menschlichen Konsum von Honig weggenommen wird. Das bedroht die Nahrungsgrundlage von Wildbienen und anderen Insekten.

Pestizide und Monokulturen

Hinzu kommt die Zunahme an Monokulturen und damit verbunden der Verlust von Flächen, auf denen heimische Pflanzen wachsen können. So fehlt es Bienen zunehmend an abwechslungsreicher Nahrung, die für die Insekten – ähnlich wie für Menschen – jedoch einen unverzichtbareren Schutz vor Krankheiten darstellt. Außerdem haben viele Pflanzen nur eine kurze Blütezeit. Blüten, die zu anderen Zeiten vorhanden wären, fallen weg, weshalb die Bienen Hunger leiden. Auch Pestizide machen den Bienen zu schaffen, denn sie wirken sich nachweislich auf das Nervensystem der Bienen aus. Dadurch wird unter anderem eine Orientierungslosigkeit verursacht, die zu Beeinträchtigungen in Lebensdauer und Fortpflanzung führt.

Verlust von Lebensraum

Eine weitere zentrale Ursache des Bienensterbens ist die Urbanisierung. Immer mehr Straßen und Bauflächen verdrängen den natürlichen Lebensraum, die Nahrung und die Nistplätze der Bienen. Es handelt sich um einen Verlust von 70 Hektar, der jeden einzelnen Tag zerstört wird und den Bienen ihre Lebensgrundlage nimmt.

Klimawandel

Der Klimawandel stellt im Leben der Bienen einiges auf den Kopf. So gibt es heute frühere Blütephasen, längere Wärmeperioden im Winter und plötzliche Temperaturschwankungen. All das sind Faktoren, die ihren Kreislauf durcheinanderbringen, an ihren Energievorräten zehren und sie allgemein anfälliger machen. Auch der Klimawandel trägt somit zum Aussterben von Bienen bei.

Folgen des Bienensterbens

Der Rückgang der Bienenpopulationen stellt laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) ein ernstes Problem für die Welternährung dar und könnte zur Auslöschung von Pflanzen wie Kaffee, Äpfeln, Mandeln, Tomaten oder Kakao führen. Viel Gemüse und Obst müsste dann durch Reis, Mais oder Kartoffeln ersetzt werden. Das wiederum würde eine unausgewogene Ernährung mit sich bringen, die in der Folge zu vermehrter Immunschwäche und Mangelerscheinungen beim Menschen führt.

Was Sie tun können

  • Bienen brauchen ihren Honig selbst. Greifen Sie daher beim nächsten Einkauf zu einer pflanzlichen Honigalternative.

  • Pflanzen Sie bienenfreundliche Blumen im Garten oder auf dem Balkon.

  • Stellen Sie Bienen ein artgerechtes Insektenhotel oder einen „Schiffer Tree“ zur Verfügung.

  • Versuchen Sie, Obst, Gemüse und Co. möglichst aus biologischer, regionaler und saisonaler Herkunft zu kaufen.

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Das große Bienensterben

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Gruß Hubert

Wenn der Rinderzüchter zum Veganer wird   1 comment

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Hubert Gassner war Bio-Rinderzüchter in Gföhl (Bezirk Krems), bis er Stefanie Buchinger kennenlernte. Die Veganerin suchte einen Platz für sechs Schweine, die sie vor dem Schlachthof gerettet hatte. Heute lebt der Landwirt vegan und setzt sich für den Tierschutz ein. Seine Tiere behielt er.

„Rinder-Wahn-Sinn“ nennt Hubert Gassner die Entscheidung, seine Rinder nicht mehr in den Schlachthof zu bringen. Diese Entscheidung traf er vor sechs Jahren. Damals erreichte ihn ein Brief von Stefanie Buchinger. Die überzeugte Veganerin hatte sechs Mastschweine vor dem Schlachter gerettet und einen Platz zum Leben für sie gesucht. „Der Freikauf selbst ist keine große Schwierigkeit“, so Stefanie Buchinger über die Zeit der Herbergsuche, „aber tatsächlich einen Platz zu finden, das ist unglaublich schwierig“.

Auf den Weiden, wo Hubert Gassner sonst Sommer wie Winter seine Rinder hält, fand sie diesen. Wenige Wochen später stellte auch der Bio-Rinderzüchter seine Ernährung auf vegan um und verkaufte kein einziges seiner Tiere mehr.

„Ungutes Gefühl“ am Weg zum Schlachthof

Schon vor der Begegnung mit Stefanie Buchinger hatte Gassner ein zunehmend „ungutes Gefühl“, wenn er seine Tiere zum Schlachthof brachte. „Ich hab mir in der Zeit gedacht, wie soll das weitergehen, wenn bei einem Bio-Tier, das bei mir immer in der Natur gelebt hat, nur durch den Weg zum Schlachter das Fleisch eigentlich kaputt gemacht wird – wegen der Stresshormone, die da entstehen.“ Als Stefanie Buchinger mit ihrer Anfrage nach einem Lebensplatz für die geretteten Schweine an ihn herantrat, wusste er sofort, dass er das machen werde, so Gassner.

Doch die Entscheidung sorgte im Umfeld des alten Klosterhofes in Gföhl für Irritation. „Dadurch, dass mich die Leute gekannt haben, haben sie zwar gewusst, verrückt ist er nicht, und so ‚deppat‘ kann er auch nicht sein,“ erzählt Gassner rückblickend mit einem Schmunzeln, am Anfang sei er aber gemieden worden: „Viel geredet haben sie nicht mit mir, weil man ja doch einen Vogel hat, wenn man so etwas tut.“

Als einen „sehr mutigen Schritt“ bezeichnete Stefanie Buchinger Gassners Entscheidung. Die Tiere dankten es Gassner durch ein verändertes Verhalten: „Früher waren sie immer misstrauisch und nicht so zutraulich wie jetzt. Jetzt sind sie wirklich entspannt und ganz ruhig, weil sie wissen, sie brauchen überhaupt nichts zu fürchten.“

Allerdings muss nun auch für mehr als 60 Rinder und sechs Schweine immer genug Futter bereit stehen. Auf den Weiden war das in den ersten Jahren noch kein Problem, inzwischen sorgt jedoch die Trockenheit im Waldviertel für eine Futterknappheit.

Tierschutz lernen in Weide-Workshops

Gassner und Buchinger gründeten zwei Vereine. Mitglieder können für die Tiere spenden oder Tierpatenschaften übernehmen. Die studierte Chemikerin Stefanie Buchinger beschäftigt sich außerdem in einem Forschungsprojekt mit der „pflanzlichen Genusskultur“: „Weil uns klar ist, dass Ernährung und Tierliebe doch auch in Konflikt kommen können. Im Forschungsprojekt beschäftigen wir uns unter anderem mit dem Spannungsfeld zwischen Genuss, Verzicht und Gewissen.“

Auch Weide-Workshops werden angeboten. Dabei wolle man zeigen, wie eine alternative Tierhaltung aussehen kann, wie die Tiere davon profitieren und wie „Nutztiere ticken“, so Buchinger. Vegan zu sein ist dabei natürlich keine Voraussetzung, ganz im Gegenteil, sagt Gassner. „Ich will zeigen, wie gutes Fleisch oder weniger gutes Fleisch produziert wird. Ich möchte auch den Normalverbraucher auf den Klosterhof bringen. Und der könnte dann auch kosten, wie vegan schmeckt.“ Kurse und Bioprodukte vom Feld sowie vegane Lebensmittel werden außerdem online verkauft – allerdings nur an Vereinsmitglieder.

„Bob, der Streuner“ ist tot   Leave a comment

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Die weitum bekannte Katze Bob aus London ist tot. Sie lief dem ehemals drogensüchtigen James Bowen zu und brachte ihn wieder in die Spur. Sie waren unzertrennlich und Bob begleitete ihn überall hin mit. Sie war immer dabei als James Bowen sich als Straßenmusiker in den Straßen von London betätigte. Bowen sagte er habe ein Gefühl als wenn das Licht aus seinem Leben entschwunden wäre. Bob wurde 14 Jahre alt. Ruhe in Frieden kleiner Engel.

Aus nordbayern.de

Pelziger Star: „Bob, der Streuner“ ist tot

Der Straßenkater war durch Bücher und einen Film weltberühmt geworden.

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Der Film „Bob, der Streuner“ kam 2017 in die Kinos. James Bowen wurde von dem Schauspieler Luke Treadaway (Foto) verkörpert, Bob spielte sich selbst. © Concorde

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Es war eine Geschichte, wie sie sich selbst Hollywood nicht schöner hätte ausdenken können: 2007 kreuzten sich durch Zufall die Wege des verletzten Straßenkaters Bob und des drogensüchtigen Londoner Straßenmusikers James Bowen. Der Kater hatte Zuflucht in Bowens Wohnung gesucht, der Musiker kümmerte sich um ihn und pflegte ihn – und ab diesem Moment wich Bob seinem Retter nicht mehr von der Seite. Auch bei dessen Auftritten war der Kater stets dabei und sorgte dadurch dafür, dass mehr Menschen Bowen zuhörten und er mehr Geld verdiente.

2010 berichtete die Londoner Islington Tribune erstmals über das Duo auf den Straßen der Stadt und erweckte dadurch auch das Interesse der Literaturagentin Mary Pachnos. Diese erkannte das rührende Potential dieser außergewöhnlichen Geschichte und veröffentlichte 2013 zusammen mit Bowen das Buch „A Street Cat Named Bob“, das in 26 Sprachen übersetzt wurde und in Deutschland unter dem Titel „Bob, der Streuner“ auf den Markt kam und 2017 auch verfilmt wurde – mit dem echten Bob in der Hauptrolle.

Nun ist der rot getigerte Kater im Alter von 14 Jahren gestorben. “Bob hat mein Leben gerettet“, schrieb James Bowen auf seiner Facebook-Seite. „Er gab mir so viel mehr als nur Gesellschaft. Mit ihm an meiner Seite hatte ich ein Ziel. (…) Ich fühle mich, als wäre das Licht aus meinem Leben verschwunden. Ich werde ihn nie vergessen.“

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„Bob, der Streuner“ ist tot

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Bei Bild.de ist ein Video zu sehen.

https://www.bild.de/video/clip/news-ausland/der-kater-aus-dem-bestseller-bob-der-streuner-ist-tot-71318768.bild.html

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Aus n-tv.de

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Der orangefarbene Bob war vor allem durch den Film „Bob, der Streuner“ (im Original: „A Street Cat Named Bob“) bekannt geworden. Der Streifen von 2016 basierte auf dem Buch „Bob, der Streuner: Die Katze, die mein Leben veränderte“, das wiederum auf einer wahren Begebenheit beruht.

„Er war eine außergewöhnliche Katze, die sehr vermisst werden wird“, heißt es in der Todesnachricht. Emotionale Worte kommen auch von Bobs Besitzer James Bowen: „Bob hat mir das Leben gerettet. So einfach ist das. Er gab mir so viel mehr als nur Kameradschaft. Mit ihm an meiner Seite fand ich eine Richtung und einen Sinn, den ich vermisst hatte. Der Erfolg, den wir gemeinsam mit unseren Büchern und Filmen erzielt haben, war wunderbar. Er hat Tausende von Menschen erreicht, Millionen von Menschenleben berührt.“

Bob, der Lebensretter

Die wahre und bewegende Geschichte handelt von dem drogensüchtigen Londoner Straßenmusiker James Bowen, dem 2007 zufällig Bob zulief und ihm nicht mehr von der Seite wich. Bowen konnte so neue Kraft schöpfen, der Kater rettete ihm damit indirekt das Leben.

Bob ist die zweite ruhmreiche Katze, die in wenig mehr als einem Jahr ihr Leben ausgehaucht hat. Im Mai 2019 musste sich die Welt bereits von Grumpy Cat verabschieden. Sie hatte ihre Berühmtheit jedoch vor allem Äußerlichkeiten zu verdanken. Ihr scheinbar stets mürrischer Gesichtsausdruck machte sie erst zum Internet-Phänomen und später sogar zu einem äußerst beliebten Gast auf dem roten Teppich.

https://www.n-tv.de/leute/Bob-ist-tot-article21852007.html

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Gruß Hubert

 

Feuerwehrleute retten Katze aus einem brennenden Gebäude   Leave a comment

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Heute mal eine erfreuliche Geschichte von Feuerwehrleuten, die eine Katze aus einem brennenden Gebäude retteten. Es ist löblich wie sich manche Feuerwehrleute für Tiere einsetzen.
Übersetzung.
Von ladyfreethinker.org
Am Montag rannten tapfere Feuerwehrleute in ein brennendes Gebäude, um eine ohnmächtige Katze vor einer Tragödie zu retten.

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Die tapferen Männer und Frauen, die in ein Haus in Fresno, Kalifornien, gerufen wurden, sahen 6 Meter hohe Flammen, in der brennenden Garage. Einmal drinnen, fanden die Feuerwehrleute zwei Katzen, von denen eine bereits bewusstlos war.

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Die Retter brachten die Katze in den Vorgarten und begannen sofort, die Katze mit einer speziellen Maske wegen Sauerstoffmangels zu behandeln. Dank der Geistesgegenwart und des fürsorglichen Handelns der Feuerwehr lebt die glückliche Katze und erholt sich.

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Gruß Hubert

 

 

Veröffentlicht 7. Juni 2020 von hubert wenzl in Tiere

Getaggt mit

Das virale Drehkreuz zum Humanismus   Leave a comment

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Rebloggt von Tierfreund Wolfgang.

wolodja51.wordpress.com

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Von Karim Akerma

Wenn es so etwas wie „die Wildnis“ gäbe, so ließe sich aktuell gut von der „Wut der Wildnis“ reden. Oder es ließe sich sagen: „Die Natur rächt sich, weil wir ihr allzu dicht auf die Pelle gerückt sind.“ Unser Naturverhältnis krankt nicht nur: es macht krank. Und wenn wir die erforderlichen Maßnahmen nicht umsetzen, stehen wir diesbezüglich erst am Anfang.

Am Anfang menschlicher Intelligenz steht einer bekannten These zufolge das Tier. Genauer gesagt: das Fleisch. Als unsere hominiden Urahnen sich vermehrt auf die Jagd machten oder damit begannen, Fallen zu stellen und reichlich tierische Proteine zu sich zu nehmen, da sollen ihre Gehirne größer geworden sein. Auf diese Weise, so die These, erwuchs uns eine alle anderen Spezies überragende Intelligenz. In der Tat: Mit unserem Elefantengedächtnis müssen wir von dieser These nur einmal gehört haben, um sie niemals wieder zu vergessen und sie papageienhaft wiederholen zu können. Wobei die Hirne von Elefanten deutlich größer sind als die von Menschen – ohne dass Elefanten jemals Fleisch äßen. Und wobei Graupapageien zu erstaunlichen kognitiven Leistungen imstande sind, obwohl sie sich von Nüssen und Grünfutter ernähren.

Aber nehmen wir einmal an, dass die These vom Zusammenhang zwischen vermehrtem Fleischkonsum und zunehmender Intelligenz bei unseren Urahnen zutrifft. So müssen wir doch Folgendes konstatieren: Unsere lange Vorgeschichte der Akkumulation tierischer Proteine hat uns offenbar nicht intelligent genug gemacht, um Jahrzehntausende später einzusehen, dass es längst an der Zeit ist, mit dem ungeheuren Fleischverzehr aufzuhören. Warum sollten wir dies schnellstens tun? Die Antwort auf diese Frage fällt zweiteilig aus.

Erstens (Massentierhaltung als virale Brutstätte):

Fast könnte man sagen: Mit dem Virus Sars-CoV-2 und dem aktuellen Verlauf der von diesem Virus ausgelösten Krankheit Covid-19 haben wir noch großes Glück gehabt: Es ist weitaus weniger tödlich als die Vogelgrippen H5N1 oder H7N9. Das Virus H5N1 oszilliert zwischen Wildvögeln und Geflügel und ging erstmals 1997 auf Menschen über. Nach einer Infektion mit dem Vogelgrippe-Virus H5N1 starb etwa die Hälfte aller betroffenen Personen. Noch hat es nicht die Mutationen ausgebildet, die eine massenhafte Übertragung von Mensch zu Mensch ermöglichen würden.

Werden also die Massentierhaltung und die Darbietung frisch geschlachteter Tiere auf Blutmärkten nicht sehr kurzfristig und weltweit abgeschafft, so könnte die Krankheit Covid-19 sich im Nachhinein als ein schwacher Vorgeschmack auf kommende Pandemien – etwa in Gestalt von H5N1 – erweisen. Sofern es keine vorgängige Immunität gegen Zoonosen (von Tieren auf Menschen übertragene Krankheiten) gibt, drohen Pandemien mit zahllosen Opfern, wenn wir uns jetzt nicht besinnen. Nur ein Hinweis: Nachdem das H5N1-Virus 2007 auf bayerischen Geflügelhöfen gefunden wurde, kam es zur bis dahin größten Keulungsmaßnahme in Deutschland: 500.000 Enten wurden getötet.

Diese Zeilen werden Ende April 2020 geschrieben, und allerorten hört man: „In diesen Zeiten von Corona …“ Das virale Geschehen dieser Wochen und Monate demonstriert uns, dass die Zeit überreif ist, die Massentierhaltung ein für allemal abzuschaffen. Massentierhaltungen sind eine Brutstätte für neuartige Krankheitserreger, die von dort aus auf Menschen überzugehen drohen. Natürlich wird dies mit wirtschaftlichen Opfern verbunden sein – aber genau diese Opfer werden ja bereits in diesen Zeiten des vergleichsweise harmlosen Covid-19 der Gesamtbevölkerung auferlegt. Für einen übergeordneten solidarischen Zweck wird man wirtschaftliche Opfer – unter Anbietung von Entschädigungen – folglich auch den Massentierhaltern abverlangen können. Die Regierung ist seit Jahren von Experten gewarnt, denen sie jetzt vertraut, und wird die Corona-Pandemie als Fanal zur Abschaffung der industriellen Fleischwirtschaft nehmen, da diese eine unerhörte Bedrohung für unser Wohl darstellt.

Blutmärkte

Nicht nur die Massentierhaltung gehört abgeschafft, auch die Blutmärkte der Erde, auf denen gerade noch lebende, verletzte oder frisch geschlachtete und häufig auch – aus hiesiger Sicht – „exotische“ Tiere feilgeboten werden. Auch wenn sich herausstellen sollte, dass das Coronavirus Sars-CoV-2 nicht von Schuppentieren auf den Menschen übertragen wurde, nachdem die Schuppentiere von Fledermäusen infiziert worden waren: Blutmärkte sind eine unkalkulierbare Quelle für Zoonosen.

Fledermausgrippe „bei uns“?

Um der viralen Gefahr ins Auge zu sehen, muss man gar nicht nach (Süd)-Ostasien oder Afrika schauen. In einem Archivbericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung von 2011 mit dem Titel „Gefährliche Eindringlinge – Droht nach der Schweine- und Vogelgrippe in Zukunft eine Fledermausgrippe?“ steht zu lesen: „Besonders in Fledermäusen existiert weltweit und auch in Europa ein enorm großes Reservoir an neuen Coronaviren, von denen neue SARS-Epidemien ausgehen könnten.“ Hieraus ist allerdings nicht der Schluss zu ziehen, dass man die Fledermäuse abschaffen sollte. Ganz im Gegenteil: Auch wenn ein undistanzierter Kontakt zu Fledermäusen krank machen kann, so ist es doch unser Naturverhältnis, das krankt. Es ist geboten, den Fledermäusen ihre angestammten Lebensräume zu überlassen und bestehende Viehbestände abzubauen, damit die Flugsäuger ihre Ruheplätze nicht in der Nähe von Viehbeständen wählen.

Zweitens (evolutionärer Humanismus):

Nicht nur die Massentierhaltung und der Massenkonsum von Fleisch sind einzustellen. Sondern generell die Vernutzung von Tieren, sofern es Alternativen gibt. Der evolutionäre Humanismus betont unsere Verankerung im Tierreich. Demnach sind wir durchaus nicht „naturfremd“. Wir sind nicht das ganz Andere der Tiere und keiner Extra-Schöpfung entsprungen. Sondern wir teilen bestimmte Bedürfnisse mit ungezählten Individuen zahlreicher Tierarten. Insbesondere das Bedürfnis nach Schmerzfreiheit und Leidensfreiheit. Der evolutionäre Humanismus ist also gerade nicht anthropozentrisch. Ihm sollte es folglich nicht nur um das Wohl von Menschen gehen, sondern auch um das Wohl jener empfindenden Wesen, mit denen wir gemeinsame Vorfahren haben. Der evolutionäre Humanismus ist von Haus aus eine Einstellung, die jenem monotheistischen Wahlspruch widerspricht, der da lautet: „… herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (1. Mose 1, 28)

Nehmen wir einmal an, die These vom fleischlichen Ursprung unserer Intelligenz sei erwiesen. Dann wäre es plakativ gesagt so, dass wir unseren tierischen Ahnen das, was den Menschen zum Menschen macht (unter anderem die weise Voraussicht) zu einem Gutteil den gleichsam hinter uns zurückgebliebenen Tieren verdanken. Unsere Intelligenz wäre somit auf doppelte Weise im Tierreich verankert: Zum einen, weil wir generell tierische Vorfahren haben, zum anderen, weil unsere frühmenschlichen Ahnen das Fleisch von Tieren in höhere Intelligenz umgesetzt hätten.

Wäre es vor diesem Hintergrund nicht endlich an der Zeit, den Tieren etwas zurückzugeben, nachdem sie uns über Jahrhunderttausende als Steigbügel gedient haben? Selbstverständlich kann man die bislang geschundenen und getöteten Billionen Tiere nicht mehr entschädigen. Aber man könnte sie gleichsam symbolisch entschädigen, indem man sagt: „Tierliche Leiber haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Daher verzichten wir von heute an darauf, Tierleiber zu züchten, zu mästen, zu transportieren, zu schlachten und zu verspeisen.“

Man kann sich den evolutionären Humanismus als nach vorwärts und nach rückwärts offen denken: Der Vorwärtspfeil verweist auf unsere künftig vielleicht erst noch auszubildenden kognitiven und moralischen Fähigkeiten. Der Rückwärtspfeil verweist auf unsere evolutionäre tierische Vorgeschichte. Nochmals metaphorisch: Auf dem Rücken von Lasttieren wurden wir zu dem, was wir sind. Und die Zeit für eine symbolische Entschädigung von Billionen von Tieren ist gekommen, indem wir jetzt in einem umfassenden humanistischen Bekenntnis darauf verzichten, die aktuell lebenden Tiere zu vernichten und zu vernutzen und davon Abstand nehmen, weitere Tiere zu züchten, nur um sie zu verbrauchen.

Tiere sind das virale Drehkreuz zum Humanismus: Allein schon unser Eigeninteresse gebietet es, endlich von der Massentierhaltung Abstand zu nehmen. Und der evolutionäre Humanismus legt eine im generellen Fleischverzicht bestehende symbolische Würdigung der Wesen nahe, die uns zu dem gemacht haben, was wir sind: zu humanen Wesen.

Und wenn die These vom tierischen Protein als einem unverzichtbaren Steigbügel für menschliche Intelligenz am Ende gar nicht zutrifft? Dann gäbe es aus Sicht des evolutionären Humanismus immer noch hinreichende Gründe, künftig auf Fleisch zu verzichten: Evolutionärer Humanismus besagt ja insbesondere auch, dass unsere Menschlichkeit sich weiterentwickeln kann, dass wir mehr sein können als Komplizen tierquälerischer Ausbeutung – und warum sollte unsere Menschlichkeit sich nicht auf unsere tierische Vergangenheit erstrecken, die neben uns in Gestalt unserer tierischen Mitbewohner gegenwärtig und präsent ist?

Quelle: hpd.de

Dieses Virus ist auch der Preis unserer Ausbeutung der Natur   Leave a comment

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Wenn der Mensch nicht umdenkt und weiterhin die Natur so ausbeutet, wird er immer öfter einen sehr hohen Preis dafür bezahlen müssen.

Aktuell sehen wir uns Menschen als Herren der Erde. Wir üben Verfügungsgewalt aus. Wir nehmen uns, was wir wollen – und seien es Schuppentiere.

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Von tagesspiegel.de

Erreger überspringen Artgrenzen, wenn wir natürliche Ressourcen respektlos ausbeuten. Machen wir so weiter, scheitern wir.

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Der Mensch nimmt sich, was er will: Kopf einer toten Schange in einer Flasche „Schlangenwein“ aus Vietnam.Foto: Boris Roessler / dpa

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Johannes Vogel ist Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin – Leibniz Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung und Professor für Biodiversität und Wissenschaftsdialog an der Humboldt-Universität zu Berlin

Mit der weltweiten Ausbreitung des neuen Coronavirus sind wir Teil eines Experiments der Natur geworden: Ein Virus hat die Artgrenze übersprungen und verbreitet sich nun wie ein Lauffeuer durch seinen neuen Wirt. Normalerweise bremsen Gebirge, Meere, Schluchten oder andere Landformen solche Ausbrüche. Doch bei Sars-CoV-2 handelt es sich um ein Virus, das sich auf die Körper einer kosmopolitische Art gestürzt hat: eine hochmobile, individuenreiche und supervernetzte globale Art, den Menschen, der alle vormals existierenden Grenzen gesprengt hat. 

Illegaler Wildtierhandel führt immer wieder zum Überspringen von Erregern auf den Menschen

Nicht nur Viren breiten sich aus. Länder werden überflutet, Wälder brennen, Gletscher schmelzen, Ozeane erwärmen sich und Insekten sterben. Wir schauen zu wenig auf die Tatsache, dass ein überhebliches Mensch-Natur-Verhältnis viele unserer Probleme befeuert, meist sogar verursacht. Denn die großen Herausforderungen hängen zusammen: Klimawandel, der Verlust der biologischen Vielfalt und eben das Aufkommen ganz neuer Erreger, die uns Menschen immer wieder bedrohen. 

Zwei Beispiele, wie Erreger Artgrenzen überwinden, weil wir natürliche Ressourcen respektlos ausbeuten: Die Überfischung in den Küstengewässern vieler afrikanischer Staaten durch ausländische, oft westliche Flotten führt auch dazu, dass die lokale Bevölkerung verstärkt auf Buschfleisch zurückgreift. Das wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Krankheitserreger wie die für Ebola auf Menschen übertragen werden.  

Das andere Beispiel ist Teil der Misere, in der wir uns befinden: Märkte, auf denen neben Haus- und Nutztieren auch Wildtiere gehandelt werden, sind die idealen Orte, auf denen Erreger Artgrenzen überwinden können. Das hat schon die SARS-Pandemie 2002/2003 gezeigt, die von manchen Virologen auf den Kontakt mit dem Larvenroller – einer Schleichkatze, die in Teilen Chinas als Delikatesse gegessen werden  zurückgeführt wird. Es gibt Hinweise darauf, dass auch das neue Coronavirus auf einem Wildtiermarkt in der chinesischen Stadt Wuhan auf den Menschen übersprang. 

Die Beispiele zeigen unmissverständlich, dass unsere menschliche Gesundheit und unser Wohlergehen damit verknüpft sind, wie wir unseren Platz in der Natur als Teil der Natur definieren. Aktuell sehen wir uns Menschen als Herren der Erde. Wir üben Verfügungsgewalt aus.

Wir nehmen uns, was wir wollen – und seien es Schuppentieren. Diese wurden zeitweilig als Wirtstiere für das Coronavirus vermutet. Ihre Schuppen und ihr Fleisch werden illegal gehandelt, das Fleisch gilt als Delikatesse und die Schuppen werden in der traditionellen chinesischen Medizin zur Behandlung von Hautkrankheiten eingesetzt. Ob die Verbraucher wirklich daran glauben, sei dahingestellt. Fakt ist, dass global  mit Wildtieren und -pflanzen im Wert von Milliarden von Euro gehandelt wird. Zwar trägt nicht jeder Handel zur Vernichtung der Artenvielfalt, aber der nicht-nachhaltige und vor allem der illegale, rücksichtslose Handel vernichtet die Vielfalt der Natur. 

[…]

Das Naturgefüge ist aus den Fugen geraten, das nehmen wir zur Kenntnis

Gesellschaften und ihre Regierungen konzentrieren sich auf das Hier und Jetzt. Sie kümmern sich nicht wirklich darum, ihre Rolle in der Natur neu zu bestimmen. Wir machen alle so weiter wie bisher – nehmen uns, was wir wollen, Warane für das heimische Terrarium oder Schuppentiere als exotische Delikatesse. Dass das Naturgefüge aus den Fugen geraten ist, wie der Klimawandel zeigt, nehmen wir zwar zur Kenntnis – aber ändern  wollen wir aber nichts Grundlegendes. Ein paar Verbote vielleicht und etwas Geld für die WHO und die Infektionsforschung. 

Inmitten der Coronavirus-Krise wird augenfällig, wie verantwortungslos es ist, den schlechten Zustand von biologischer Vielfalt und Klima hinzunehmen. Seit Jahrzehnten zögern Politiker biodiversitäts- und klimafreundliche Entscheidungen heraus. Unbeirrbar verweisen sie darauf, dass sich unsere Wirtschafts- und Lebensweise schrittweise anpassen müssen. Dabei zeigt die Krise: Wenn Gefahr im Verzug ist, sind schnelle und konsequente Maßnahmen möglich.  

 Wir merken, dass Krisen konsequent angegangen werden können. Das gilt auch für den Klimawandel. Er ist die größte gesundheitliche Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Ungebremst wird er insbesondere ein gesundes Aufwachsen aller Kinder, die heute geboren werden, gefährden. Sie werden unter der Zunahme von Infektionskrankheiten leiden, die Luftverschmutzung wird ihr Leben ebenso verkürzen wie zunehmende Hitzewellen, Überschwemmungen, Waldbrände oder Dürren. Das zeigte kürzlich der Bericht der Lancet-Kommission.  

Die Technik ist da, es mangelt am Willen

Maßnahmen gegen den illegalen Handel mit Wildtieren durchzusetzen, ist genauso möglich, wie die natürlichen Ressourcen zum Wohle aller Menschen zu nutzen und dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. Die Technik ist da, allein es mangelt am Willen, gemeinschaftlich zu handeln. 

Das Wirtschafts- und Wertesystem, das auf der Ausbeutung der Natur, ihrer nicht-nachhaltigen Nutzung beruht, wird scheitern. Jetzt wissen wir es sogar in der westlichen Welt: Ganz gleich, ob das neue Coronavirus nun über Schuppentiere, Fledermäuse oder andere Kreaturen zum Menschen kam, wir müssen neu definieren, wie wir uns zur Natur stellen. Es ist an Zeit zu begreifen, der Mensch ist und bleibt Teil der Natur und ist für sein Überleben elementar auf sie angewiesen. Wir brauchen einen Wertewandel – für Natur. 

Eine vielfältige und funktionierende Umwelt – die unser Wohlergehen bedingt, uns gesund hält, ernährt, kleidet und beherbergt – muss als globales Gemeingut von einer gut informierten globalen demokratischen Wissensgesellschaft regiert werden. Zu erkennen, was uns in der Natur aus welchen Gründen zur Gefahr wird und wie wir sie als unser gemeinsames Erbe erhalten und ihre lebenserhaltenden Systeme sichern können, ist eine enorme Herausforderung. Diese müssen wir aber jetzt angehen – Wissenschaftler, Demokraten und die globale Zivilgesellschaft. Auch um unserer selbst willen. 

Ansonsten steht die menschliche Selbstüberschätzung im Angesicht eines neuartigen Erregers nackt da. Und das kann überlebensgefährlich sein. 

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Dieses Virus ist auch der Preis unserer Ausbeutung der Natur

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Fleisch, Markt, Flughunde

Flughunde

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Die Chinesische Hufeisennase ist eine Fledermausart, in der Viren zirkulieren, die Sars und anderen Coronaviren ähneln, auch dem aktuell verbreiteten 2019-nCoV.Foto: mauritius images / Photo Researc

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Flugsäuger sind faszinierend und schützenswert. Doch ihr besonderes Immunsystem kann sie auch zu gefährlichen Keimschleudern machen.

Quelle: tagesspiegel.de

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Siehe auch:

https://www.tierrechte.de/2020/03/25/corona-krise-zeigt-notwendigkeit-eines-paradigmenwechsels/

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Gruß Hubert