Archiv für Juli 2018

Jessenin und Majakowski: Fertig mit dem Leben   Leave a comment

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Vorausschicken möchte ich dass ich den russischen Dichter Sergej Jessenin sehr mag.

Aus https://de.rbth.com

Sergej Jessenin und Wladimir Majakowski waren die Revolutionäre unter den Sowjetschriftstellern. Sie lebten wild und unangepasst. Jessenin, der sich selbst einen „Hooligan“ nannte, und Majakowski, der Frauenheld, setzten ihrem Leben selbst ein blutiges Ende. Betrauert werden wollten sie nicht, unvergessen sind sie geblieben.

Sergej Jessenin: „Leben gab’s ja schon einmal“

Am 25. Dezember 1925 kam Sergej Jessenin im Sankt Petersburger Angleterre Hotel an. Hinter ihm lag eine durchzechte Nacht in der Schriftstellerbar. Völlig betrunken hatte er dort randaliert, andere Schriftsteller angegriffen, sie als „Emporkömmlinge“ und „mittelmäßig“ beleidigt. Er hatte mit Möbeln um sich geworfen und Gläser auf dem Fußboden zerschmettert, bis man ihn mit Gewalt hinausgeworfen hatte. Die kommenden Nächte sollten ihm Frieden bringen.

Sergej Jessenin war 30 Jahre alt. Und schon hatte er das Leben satt, die Frauen, die Schriftstellerei und seine Freunde. Jessenin war das Enfant terrible der Bolschewiken: Er verhielt sich ungehörig und rebellisch, war aber auch talentiert, wurde von der Öffentlichkeit geliebt und war der neuen Obrigkeit gegenüber loyal. In seinen letzten Lebensjahren provozierte Jessenin zunehmend. Sein Werk „Beichte eines Hooligans“ (1921) zeigte aber auch eine andere Seite seiner Persönlichkeit: beklommen und ordinär.

Er war so etwas wie ein Leinwandidol: blond gelocktes Haar, helle Augen – doch seine rauen Manieren passten nicht zu seiner Erscheinung. Frauen mochten Jessenin, und er verschloss sich ihnen nie. Er war drei Mal verheiratet, und alle drei Ehen scheiterten. Seine berühmteste Frau war die US-amerikanische Tänzerin Isadora Duncan. Sie war 45 Jahre alt, er 28. Nach ihrer Hochzeit brachen sie zu einer einjährigen Reise nach Europa und in die Vereinigten Staaten auf. Zur Freude der internationalen Presse gab es zahlreiche öffentlich ausgetragene Streitereien und heftige Ausbrüche von Jessenin, der stets betrunken war. Im Westen schien sich niemand für Jessenins Werk zu interessieren, und vom Foxtrott abgesehen, fand der Dichter dort auch nichts, was ihn interessierte. Die Rückkehr nach Russland besiegelte das Ende dieser stürmischen Partnerschaft.

Im Jahr 1925 heiratete Jessenin in Moskau eine von Tolstois Enkelinnen, Sophia, die ihn dazu zwang, sich in einem Krankenhaus behandeln zu lassen. Doch die Therapie erwies sich als wirkungslos. Es schien angesichts seiner Depression und seiner Alkoholabhängigkeit keine Hoffnung zu geben. Nachdem Jessenin das Krankenhaus verlassen hatte, hob er das gesamte Geld von seinem Bankkonto ab und begab sich auf eine Zechtour.

Schließlich landete er in Sankt Petersburg. Er kam, um zu sterben. Zwei Tage verbachte er noch im Wodkarausch. Am 27. Dezember schnitt er sich die Pulsadern auf und erhängte sich dann an den Heizungsrohren an der Zimmerdecke. Er hinterließ ein letztes Gedicht: „Freund, leb’ wohl… Sterben –, nun, ich weiß, das hat es schon gegeben; doch: auch Leben gab’s ja schon einmal.“ Er schrieb es mit seinem eigenen Blut.

Es gibt übrigens das Gerücht, dass sein Tod in Wahrheit gar kein Selbstmord gewesen sei. Tatsächlich soll ihn der sowjetische Geheimdienst umgebracht haben. In den Monaten vor Jessenins Tod war die Obrigkeit beunruhigt über die Ausschweifungen des immer betrunkenen Dichters. Die vielen Schlägereien, die er mit seinen Freunden anzettelte, brachten ihn immer häufiger vor Gericht. Die Bolschewiken fürchteten, dass Jessenin beginnen könnte, die neue Regierung anzuprangern und zu beschimpfen, und dachten daher angeblich darüber nach, ihn unter ständige Bewachung zu stellen. Diese Version der Todesumstände ist jedoch sehr umstritten.

Wladimir Majakowski: „Der Fall ist erledigt

Wie so oft in der russischen Geschichte hatte der Tod des einen Dichters Auswirkungen auf das Leben eines anderen. Die Nachricht von Sergej Jessenins Tod traf Vladimir Majakowski zutiefst. Für ihn war Jessenins Selbstmord ein Verrat am Kommunismus.

Majakowski war der herausragende Dichter der Revolution, der sich mit Leib und Seele für die Sache der Bolschewiken einsetzte. Der Kritiker Viktor Schklowsky schrieb über ihn: „Majakowski trat in die Revolution ein, als würde er sein eigenes Haus betreten.“ Er brachte den Sozialismus in die Fabriken, seine Gedichte wurden regelmäßig in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht, er schrieb Bühnenwerke und arbeitete auch als Schauspieler.

Obgleich Majakowski als Dichter erfolgreich und als Person des öffentlichen Lebens berühmt war, erlitt er in seinem Privatleben viele Enttäuschungen – die Frauen wurden sein Verhängnis. Im Sommer 1915 lernte er bei einem Treffen mit dem Ehepaar Brik die sowjetische Regisseurin und Bildhauerin Lilja Brik kennen. Sie wurde Majakowskis Geliebte. Die schönsten Gedichte seines Lebens widmete er Lilja, beispielsweise „Wolke in Hosen“ (1915). Doch der Dichter hatte auch mit anderen Frauen Affären. 1925 reiste Majakowski nach Europa, Mexiko, Kuba und in die Vereinigten Staaten. Während er in den USA war, verliebte er sich in die Schauspielerin Elly Jones, die auch als Model arbeitete und eigentlich Elisaweta Petrowna Sibert hieß. Ihre Affäre hielten sie geheim, denn es war für einen sowjetischen Dichter nicht angemessen, sich mit einer Immigrantin einzulassen. Aus dieser Beziehung ging auch ein Kind hervor, Patricia Thompson, die nun unter ihrem russischen Namen bekannt ist: Elena Wladimirowna Majakowskaja.

Einige Tage, bevor er sich erschoss, hinterließ er einen an seine Mutter, Schwestern und Freunde adressierten Brief, der mit der für ihn so typischen, fröhlichen Ironie geschrieben ist: „Gebt niemandem die Schuld, dass ich sterbe, und bitte kein Gerede. Der Verstorbene hat das ganz und gar nicht gemocht.“ Der Brief schloss mit den Worten: „Wie man so sagt, der Fall ist erledigt; das Boot meiner Liebe ist am Alltag zerschellt. Ich bin mit dem Leben fertig, und wir sollten von gegenseitigen Verletzungen, Kummer und Wut absehen. Viel Glück.“

Einer weithin akzeptierten Interpretation von Majakowskis Tod zufolge drückte er auf den Abzug, nachdem es zur Trennung von der Schauspielerin Veronika Polonskaja gekommen war, mit der er eine kurze, doch äußerst stürmische Romanze gehabt hatte. Polonskaja war in den Dichter verliebt, aber nicht gewillt, ihren Ehemann zu verlassen. Wenige Augenblicke, nachdem sie Majakowskis Wohnung verlassen hatte, hörte Veronika einen Schuss. Sie lief zu dem Dichter zurück und sah, wie sich ein blutroter Fleck auf seinem weißen Hemd ausbreitete. Majakowski hatte sich in die Brust geschossen. Der Krankenwagen kam für jede Rettung zu spät.

Hier weiterlesen:

Jessenin und Majakowski: Fertig mit dem Leben

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Gruß Hubert

 

 

Veröffentlicht 31. Juli 2018 von hubwen in Lyrik, Uncategorized

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Demis Roussos – Adagio   Leave a comment

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Demis Roussos – Adagio

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Nick Cave & The Bad Seeds/Kylie Minogue – Where The Wild Roses Grow

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 29. Juli 2018 von hubwen in Musik, Uncategorized

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Glaubst Du noch oder denkst Du schon?   2 comments

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Rebloggt von Religionskritiker Wolodja. Der Interviewer fragt Philipp Möller auch ob er die Menschen zum Atheismus bekehren wolle. Philipp Möller sagt ihm, dass der Begriff bekehren religiös sehr vorbelastet sei und er nicht bekehren, sondern aufklären wolle.

 

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Im nachfolgenden Video:

Religionskritiker und Buchautor Philipp Möller bei Aeschbacher. Philipp Möller ist Pädagoge, Autor und Religionskritiker und vertritt als Sohn eines Kirchenmusikers die Meinung, dass es erkenntnistheoretisch absurd ist, an einen Gott zu glauben, nur weil man seine Nicht-Existenz nicht beweisen kann. Der intelligente Rhetoriker vertritt seine Meinung immer wieder öffentlich und erntet neben Kritik auch viel Applaus für seine konzisen Beobachtungen der Kirche und des Glaubens. Und während seine Kritiker über ihn sagen, er sei ein „dummer“ und „blinder“ Mensch, sage ich über ihn, dass er ein durchaus sehr kluger, intelligenter und ein mir sehr sympathischer Mensch ist.

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In einen Kommentar bemängelt „trixielife“ dass bei Philipp Möller der Bezug auf Tiere und Pflanzen fehlt, das bemäglich ich auch. Überhaupt spielen bei einem Großteil der Intellektuellen und Philosophen der Bezug auf die Tiere, auf die Pflanzen sowieso.

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https://wolodja51.wordpress.com

 

Veröffentlicht 29. Juli 2018 von hubwen in Religionskritik, Uncategorized

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„Gott ist die Liebe“ – Jemand der mich liebt   Leave a comment

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Gunter Bleibohm antwortet einem Herrn Aue zur Liebe Gottes. Ich kann ihm nur in allen Punkten zustimmen. Aue ist Pastor in der Kirchengemeinde Nübel. Von der angeblichen Liebe Gottes ist nichts zu spüren – außer bei denen, die sich das einbilden und hunderte Dinge verdrängen und nicht wahrhaben wollen.

 

„Jemand, der mich liebt.“

Sehr geehrter Herr Aue,

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nachdem ich Ihr kirchliches Wort im Flensburger Tageblatt „Jemand, der mich liebt“ vom 24.9. Anno Diaboli 2016 intensiv durchgelesen habe, bleiben für mich Fragen und offene Punkte, für die ich keine Hinweise und Erklärungen in Ihrem Text gefunden habe. Ich erlaube mir daher, die wesentlichen Stellen kurz anzureißen.

Zuerst taucht die Behauptung auf, dass Gott die Liebe verkörpert. Diese Behauptung weist allerdings den Mangel- oder präziser- die wissenschaftliche Todsünde auf, dass der Beweis für die Existenz Gottes bis heute fehlt, denn alle Gottesbeweise sind kläglich gescheitert.

Diesen Punkt hat Sam Harris in seinem „Brief an ein christliches Land“ wunderbar formuliert: „Es ist an der Zeit, dass wir uns zu einem ganz grundlegenden Wesensmerkmal des menschlichen Diskurses bekennen: Wenn man über die Wahrheit einer Behauptung nachdenkt, dann befasst man sich entweder mit einer aufrichtigen Bewertung der vorliegenden Evidenz, oder man tut es nicht. Religion ist der einzige Lebensbereich, in dem Menschen glauben, irgendeine andere Norm als intellektuelle Integrität anwenden zu können.“

Er fährt fort: „Während ein unbeugsamer und von keinerlei Evidenz gestützter Glaube in jedem anderen Bereich des Lebens als ein Merkmal von Irrsinn oder Dummheit gälte, genießt der Glaube an Gott in unserer Gesellschaft noch immer höchstes Ansehen. Religion ist das Gebiet im Diskurs der Menschen, auf dem es als edel gilt, vorzugeben, sich über Dinge gewiss zu sein, die kein Mensch je mit Gewissheit wissen kann. Bezeichnenderweise erstreckt sich diese Aura des Edelmuts jedoch nur auf die Glaubensweisen, denen sich gegenwärtig viele Menschen verschrieben haben. Jeder Mensch, der dabei ertappt würde, wie er Poseidon verehrt – und sei es, er täte es auf hoher See -, würde für verrückt erklärt.“

Verlassen wir Sam Harris und wenden uns der „Liebe“ Gottes zu. Zum einen scheinen Ihnen völlig die Passagen des AT entfallen zu sein, in denen der „liebe Gott“ zu Mord, Totschlag, ja gar zum Genozid aufruft (siehe hierzu auch: http://www.pro-iure-animalis.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1022&Itemid=54 ).

Und sind Sie wirklich der Meinung, dass bei täglich ca. 20.000 verhungernden Kindern die „Liebe“ Gottes für diese unschuldigen Wesen tief ausgeprägt ist? Es scheint ihm egal zu sein, er zeigt sich als der Mördergott, den das AT so treffend charakterisiert. Gänzlich unverständlich wird aber Ihre Behauptung, wo denn die Liebe – bleiben wir nur in der Neuzeit – in Auschwitz, Nagasaki und Hiroshima, im Vietnamkrieg und in den heutigen Religionskriegen des IS zu suchen war und zu suchen ist. Hier von „Seht doch, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns schenkt!“ zu sprechen, ist eine bösartige Verhöhnung der Opfer.

Ihre Ethik erscheint als ein Wunschdenken, ein irreales Phantasiegebilde und – was das Schlimmste ist und intellektuell unredlich – es ist ein perfides anthropozentrisches Konstrukt, das alle nichtmenschlichen Lebewesen konsequent ausklammert und damit deren Leiden zu Gunsten einer Spezies manifestiert. Ihre Ethik ist somit fragmentarisch, rudimentär und als isoliert stehendes Gebilde nahezu unbrauchbar.

Formuliert man die Worte von Günther Anders aus seinen „Ketzereien“ etwas um, ergeben sich Fragen, auf welche die christliche Ethik – wohl mangels Interesse oder Kompetenz – beharrlich schweigt, immer geschwiegen hat:

Wenn es ihn gibt, dann ist er einer, der die Massentierqual, der die Schlachthäuser nicht verhindert. Er ist also einer, der – die Hände im Schoß – diese Ereignisse zulässt?

Er ist also einer, der einer einzigen Spezies seine ganze Schöpfung zum Fraß, zur Vernichtung vorwirft?

Ist ein solcher Gott ein gerechter Gott? Ein liebender Gott? Ein barmherziger Gott? Einer, zu dem wir beten dürfen, ohne uns zu entwürdigen? Einer, den wir anbeten dürfen, ohne uns zu schämen?

Findet ihr nicht, dann schon besser kein Gott, als ein bluttriefendes Monster?

Empört euch nicht die Würdelosigkeit derer, die einem, der dies zulässt, sich noch im Gebet nähern, ihn noch als liebenden Gott umlügen?

Meinen Sie wirklich, das Schwein im Kastenstand, das Huhn in der Legebatterie und das Kalb, das wegen und im Religionswahn geschächtet wird, spüren auch nur das geringste von der „Liebe Gottes“ oder empfinden es im Gegenteil als teuflischste Ausgeburt eines anthropozentrischen Wahns, mit welchem sich die menschliche Spezies – mit Hilfe der Religionen – zur „Dornenkrone der Schöpfung“ entwickelt hat? Vielleicht können Sie in diesem Punkt mein Wissen aus theologischer Sicht erweitern und mir zeigen, wie sich die christliche Theologie der geschundenen Tierwelt nachhaltig zuwendet.

Sehr geehrter Herr Aue, ich würde mir wünschen, dass Sie den Weg zu einer tiefen, ehrlichen Ethik für a l l e Lebewesen  finden, denn nichts wäre notwendiger in einer Welt, die zusehends trotz und beschleunigt wegen der Religionen ins Chaos trudelt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Gunter Bleibohm

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„Gott ist die Liebe“ – Jemand der mich liebt

 

Der angeblich freie Wille   Leave a comment

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Vor allem Christen kommen gerne mit dem Argument daher, dass nicht Gott für das Böse verantwortlich sei, sondern der Mensch mit seinem „freien Willen“. Das ist anhand eines Beispiels schon mal Blödsinn, denn ein Mensch kann kein Erdbeben verursachen. Gott könnte es zulassen oder nicht, wenn er wollte, wenn es stimmen sollte, dass er allmächtig ist und allgütig noch dazu. Man könnte also sagen ein imaginärer Gott wäre sicher kein Gutmensch. 😉

Aus FOCUS

Werner Siefer, Autor des Buches „Tatort Gehirn“ im Interview mit FOCUS Online über den freien Willen und wahnsinnige Menschen.

FOCUS-Online: Inwieweit ist es der freie Wille, mit dem man sein Leben gestaltet?

Werner Siefer: Das mit dem freien Willen ist so eine Sache, weil sie kein einziger Denker befriedigend erklärt hat. Ein einfaches Beispiel ist das berühmte Schwarz-Weiß-Muster, das man als zwei gegenüberstehende Kopfprofile oder als Vase interpretieren kann. Hat der Mensch die Freiheit, keine Gesichter oder keine Vase zu sehen? Grundsätzlich ja. Er kann üben, nur einen Klecks wahrzunehmen, oder eine, sagen wir, indianische Fruchtbarkeitsgöttin in der Mitte. Aber in der Praxis des Lebens: Wie oft tut er das? Und wie oft gelingt es ihm? Philosophen würden dieses Gedankenexperiment komplett verwerfen und einwenden: Mit dem Einverständnis zum Anschauen des Musters habe der Mensch sich schon entschieden, und dabei sei er frei gewesen. Was im Einzelfall stimmt, aber in der Summe ein blödes Argument ist. Denn irgendetwas müssen wir anschauen oder tun, so ist das Leben. Nun kann man den Gedanken weiterführen: In der Auswahl dieses Irgendetwas, sind wir da frei? Wir sind es genauso wenig wie beim Vasen-Beispiel. Wir wählen in der Praxis kaum Optionen, die uns nur mit Mühe einfallen wollen. Ich tendiere also zu einer statistischen Antwort: Meistens ist der Mensch unfrei, selten frei, und beschämend selten nutzt er seine Freiheit. Ich selbst bin hier nur ein Einzellfall.

FOCUS-Online: Sie sagen in Ihrem Buch, dass der Mensch eigentlich nicht viel daran ändern kann, wie er ist. Können Sie sich an eine Situation in ihrem Leben erinnern, in der diese These zu einer brauchbaren Entschuldigung geführt hat?

Siefer: Ja, schon sehr oft! Zum Beispiel schiebe ich im Privatleben Unangenehmes gerne vor mich her oder plane zum Beispiel Zeitabläufe gerne einmal zu optimistisch. Wenn es dann gelegentlich schief geht und sich Freunde beschweren, entschuldige ich mich damit, dass das, dass ich eben so sei. Das macht aber doch jeder so – oder? Überhaupt ist das ein Privileg von Grufties: einfach so sein können.

FOCUS-Online: Gutmenschen können bisweilen auch langweilig sein. Gibt es böse Menschen, die Sie bewundern?

Siefer: Freilich sind Menschen langweilig, die es allen nur recht machen wollen. Aber gibt es das, einen Gutmenschen und den bösen Menschen? Meist ist der Schwarze Peter doch recht unterschiedlich verteilt. Außerdem gibt es den bösen Menschen nicht, das ist ein Konzept des christlichen Glaubens. Ein faszinierender Böser wie etwa Hannibal Lecter ist ein Kunstprodukt, der das Publikum gerade deswegen fasziniert, weil er mit dessen Wahrnehmung spielt. Es weiß nicht, ob er normal ist oder verrückt. Darin liegt aber genau die filmische Übertreibung, denn in Wirklichkeit wäre er verrückt. War Hitler also ein böser Mensch oder Pol Pot? Wahnsinnig ja, aber nicht böse. Ist ein Amokläufer böse oder der kanadische Schweinezüchter, der Dutzende Frauen getötet und teils aufgegessen hat? Krank ja, aber nicht böse. Solche Wahnsinnigen kann man nicht bewundern.
Ich bewundere Künstler, die unseren Blick öffnen, die bereit sind, sich gegen den Strom zu stellen, und so eingefahrene Haltungen des Sehens, des Hörens, des Miteinanders verändern. Das ist nicht böse, aber es kann wehtun.

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Der angeblich freie Wille

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 26. Juli 2018 von hubwen in Gesellschaft, Medizin, Uncategorized, Wissenschaft

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ALS HÄTTE ES DICH NIE GEGEBEN   Leave a comment

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Das folgende Gedicht handelt vom Tod eines Kalbes, das anonym seinen Tod in einem gefliestem Raum auf grausame Weise erleidet. Sein Blut klebt an den Fliesen. Es wird keine Erinnerung hinterlassen. Als hätte es nie existiert.

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Der Raum ist geflutet mit Schreien
Die dich wie ein Tsunami überrennen
An den Fliesen klebt feuchtrot der Tod
Angst lässt dein Herz und deine Augen brennen

Ketten klirren und Maschinen singen
Ungerührt das Lied vom Sterben
Wie unzählige Seelen schon vor diesem Tag
Zerspringt deine Seele in tausend Lebensscherben

Als der Mond im Morgenrot ertrinkt
Baumelt am Kettenzug dein kleines Leben
Und morgen wird niemand mehr an dich denken
So, als hätte es dich nie gegeben

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(c) der sterbend lachende Clown

Die Schrecken des Paradieses   Leave a comment

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Die Menschen (die meisten halt) tun halt so viel gern leben. Deswegen träumen sie vom ewigen Leben. Die Priester freut’s, denn so haben sie einen Beruf und können ihren Fans das allergrößte versprechen: das ewige Leben.

Ich frage mich aber, was ist wenn dann irgendwann, sagen wir in 5000 Jahren die Langeweile käme…. man könnte glatt nicht mehr aus Langeweile sterben.

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Esther Vilar hat sich darüber auch Gedanken gemacht und ein Buch darüber geschrieben: „Die Schrecken des Paradieses“.

Aus amazon.de

Die Schrecken des Paradieses – Esther Vilar

Die Unausweichlichkeit des Todes hat die Menschen seit je umgetrieben und nach Antworten suchen lassen auf die Frage, was denn nach dem Leben komme. Selbst im „aufgeklärten“ abendländischen Kulturkreis flüchtet sich ein beachtlicher Teil der Bevölkerung in Vorstellungen von Jenseits, Paradies und ewigem Leben. Um die Eintrittskarte dorthin sicher lösen zu können (ob durch die Vergebung ihrer Sünden oder die Verbesserung ihres Karmas), investieren sie einiges ihrer knappen Lebenszeit.
Eine Verschwendung, meint Esther Vilar. Denn wie wäre es eigentlich, wenn es das Paradies im Jenseits wirklich gäbe? Welches Bild von den himmlischen Welten dürfen wir uns machen? Fragt Esther Vilar und führt uns durch den Himmel, erläutert das Sexualverhalten der Engel, verrät Rezepte aus der paradiesischen Küche, analysiert die jenseitige Medienlandschaft.
Aber selbst wenn „dort oben“ die beste aller denkbaren Welten existierte – macht es Spaß auf einer Party, die niemals endet, zu tanzen? Oder liegt das Geheimnis der Freude in ihrer zeitlichen Begrenzung? Für Esther Vilar ist der Fall klar: Die Versicherung der Religionen gegen die Angst vor dem Abschied verstellt uns letztlich den Blick für die Herrlichkeiten des Hierseins. Und es lohnt nicht, das Abkommen „Gehorsam auf Erden gegen Weiterleben im Himmel“ zu unterschreiben.

 

Die Schrecken des Paradieses

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Der Zerfall eines Wahns.

 

Will ich wissen und wenn ja, wie viel will ich wissen oder warum sollte ich überhaupt wissen wollen? Friedrich Nietzsche fragte weiter, tiefer, bis zu dem entscheidenden Punkt: Wie viel Wahrheit verträgt der Mensch? Schädigt ihn sein Wissen, zerbricht er daran oder kann er daran zerbrechen, verzweifeln, den Lebensmut verlieren?  Zerstört das Wissen nicht nur Geist, sondern auch als mögliche Folge den Körper? Ist es besser, manches Wissen zurückzuhalten und stattdessen die Illusion der Wirklichkeit vorzuziehen? Ist somit manches Wissen ein verbotenes Wissen weil es schadet? „ Das erste, was durch die verbotenen Wahrheiten zu Grunde geht, ist das Individuum, das sie ausspricht“ findet man bei Nietzsche in seinen nachgelassenen Schriften.
Lebenslügen bleiben aber als Illusionsvorhang nicht nur auf das einzelne Individuum beschränkt. Lebenslügen existieren für ganze Gesellschaften, für Völker, für Zeiten, manchmal sind es nur Monate, manchmal aber Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte oder wie im Falle der christlichen Religion  zwei Jahrtausende.

Es ist der Wille zum Leben, der kräftige, starke, pure Lebenswille, auf dessen Boden die Illusion eines Jenseits, eines persönlichen Gottes, einer menschlichen Sonderstellung vor allem Lebendigen wuchs, weil dieser Wille nichts so sehr fürchtet, wie die Vernichtung, die Sinnlosigkeit und die Vergeblichkeit allen Seins und insbesondere die Zwecklosigkeit allen Lebens. Nach dem elenden Leben das Nichts, alles war umsonst, nichts bleibt, dann die völlige Vernichtung – dieser Gedanke ist für den menschlichen Normalgeist unerträglich, unverdaulich, vernichtend. Verbotenes Wissen par excellence, Geburtsstunde des Anthropozentrismus mit folgenden Kernsätzen:

  • Ich bin ein Mensch und somit das Ebenbild Gottes und nur ich als Mensch besitze eine unsterbliche Seele und kann ewiges Leben erhoffen, denn alle anderen Lebewesen verfallen dem Nichts.

  • Nur mir als Mensch ist tiefgreifende Begabung zur Vernunft gegeben und eine Würde immanent, die weit über jeder anderen Lebensform steht. Weil mir tiefe Vernunft innewohnt, kann und darf ich all meine Fähigkeiten ausleben.

  • Ich bin die Krone der Schöpfung und ihr letztendliches Ziel und weil das so ist und eine unabänderliche Tatsache darstellt, stehen mir grundlegende Rechte vor allen anderen Lebensformen zu. Insbesondere darf ich andere Lebensformen nutzen, versklaven und töten, wenn es meinem Nutzen und Wohlbefinden dient.

  • Alle Rechte, die ich mir selbst zugestanden habe wie Recht auf Leben, Freiheit, Verbot der Sklaverei , der Folter und Verbot grausamer, erniedrigender Behandlung gelten uneingeschränkt nur für mich. Mit göttlicher und staatlicher Gewissensabsolution verweigere ich diese Rechte der übrigen lebenden Kreatur.

  • Ich darf mich beliebig vervielfältigen, die Erde mit meiner Spezies überschwemmen und deshalb allen anderen Lebewesen ihre Lebensräume nehmen und zerstören.

Von Gunter Bleibohm

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Hier weiterlesen:

https://www.pro-iure-animalis.de/index.php/texte-von-gunter-bleibohm/articles/der-zerfall-eines-wahns.html

 

Gruß Hubert

 

 

 

 

Veröffentlicht 26. Juli 2018 von hubwen in Religionskritik, Uncategorized

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