Archiv für die Kategorie ‘Philosophie

Die Krone der Schöpfung   Leave a comment

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Aus flegel-g.de/ – Auszug.

Wir alle wissen es. Der Mensch ist die Krone der Schöpfung! Wir wussten es nicht immer, aber spätestens mit dem Auftauchen der Religion haben wir diese Vorstellung gelernt und sie beflügelt uns.

Wenn ich dabei so an die gekrönten Häupter im Laufe der Geschichte denke, hat die Vorstellung, der Mensch sei die Krone der Schöpfung, durchaus seine Berechtigung, denn deren Blutspur zieht sich durch die gesamte bekannte Geschichte, eine Blutspur, aufgebaut auf teilweise sogar unbewusst genutzten Mitteln wie Terror, Gier, Machtmissbrauch und Unterdrückung. Unbewusst, weil die gekrönten Häupter zumeist aufgrund der erblichen Thronfolge im Bewusstsein absoluter Macht aufwuchsen und stets von einer Horde selbstsüchtiger und sich anbiedernder Schranzen umgeben waren, die dafür sorgten, dass die Befehlskette nach unten stufenweise als Kastensystem, als Adel bezeichnet, funktionierte und jede dieser Stufen streng darauf bedacht war, sich nach unten abzugrenzen und nach oben anzubiedern. Was Volk war, bekamen die Oberen allenfalls mal bei Paraden zu sehen, stets von den Bodyguards der Feudalzeit, den Garden komplett abgeschirmt. Und die Krone war seit jeher das Symbol ihrer Macht und Selbstherrlichkeit.

Doch das spielt im Grunde keine Rolle. Der Mensch ist unzweifelhaft intelligent und ebenso unzweifelhaft bodenlos dumm. Ein Widerspruch? Sicher nicht, denn es ist mehr als eine bloße These, wir bekommen täglich Beweise mannigfaltiger Art dazu geliefert. Ich versuche es mit simplen Beispielen zu verdeutlichen. Der Mensch hat die Intelligenz, Dinge zu planen, zu entwickeln und zu bauen und praktiziert das auf unterschiedlichste Art jeden Tag. Es ist ein Zeichen großer Intelligenz, Häuser, Wolkenkratzer, Straßen, Autos, und vieles mehr zu planen, zu entwerfen und zu verwirklichen. Er rodet die Wälder, um Platz für Plantagen und Monokulturen zu schaffen und zerstört damit allerdings aus wirtschaftlichen Gründen nicht nur seinen Lebensraum, sondern vor allem den der Mitgeschöpfe, die diesen Planeten bevölkern mit der Folge, dass immer mehr Arten aussterben und die grüne Lunge des Planeten immer stärker reduziert wird. Das sind alles Merkmale von Planungen, die Intelligenz erfordern. Aber ist es auch klug? Ist es klug, alleine dem wirtschaftlichen Nutzen folgend die Natur zuzubetonieren? Ist es klug, etwas zu entwickeln, obwohl man erkannt hat, dass es schädlich sein wird? Ist es klug, sich viel zu stark zu vermehren, obwohl man längst erkannt hat, dass auch die Ressourcen der Erde endlich sind? Ist es klug, zu wissen, dass diese Erde eigentlich ein geschlossener Organismus ist, in dem jede Art der Flora und Fauna nicht nur einen Platz hat, sondern auch einer oft erst viel zu spät erkannten Aufgabe dient?

Quelle: http://www.flegel-g.de/

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Udo Jürgens – Die Krone der Schöpfung (Das letzte Konzert Zürich 2014) (VOD)

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Die Prinzen – Krone der Schöpfung (Offizielles Musikvideo) [Lyrics]

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Veröffentlicht 12. Oktober 2021 von hubert wenzl in Kirchenkritik, Philosophie

Epikur – keine Furcht vor dem Tod   Leave a comment

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Die Philosophie heilt die Leiden der unglücklichen Seele, sie befreit von Beunruhigungen, Sorgen und Ängsten, und sie verhilft dem Menschen dazu, das Leben zu führen, wie es ihm bestimmt ist.4 – Er soll moralisch gut, vernünftig, und vor allem glücklich leben.

Epikur (* 341 v. Chr.; † 270 v. Chr.), ein Philosoph der hellenistischen Epoche, bringt diese Auffassung der Philosophie wie folgt auf den Punkt:

„Weder soll man solange man noch jung ist, zögern zu philosophieren, noch soll man im Alter ermüden in der Philosophie. Denn für die Gesundheit der Seele ist niemand entweder zu früh oder zu spät dran. Wer aber sagt, die richtige Zeit für das Philosophieren sei noch nicht gekommen oder sei schon vorbei, der gleicht einem, der sagt, die richtige Zeit für das Glücklichsein sei noch nicht gekommen.“6

Eines von vielen Hindernissen auf dem Weg zu diesem Leben bildet die Todesangst. Sie ist in zweierlei Hinsicht problematisch: Einerseits ist ein angstvolles Leben kein glückliches, und andererseits führt die Angst vor dem Tode dazu, dass man sich in manchen Situationen nicht adäquat verhält und moralisch fragwürdige Entscheidungen trifft. Man lässt etwa den Freund im Stich, um sich selbst aus der Gefahr zu retten.

Damit man nicht unter der Verängstigung leidet, und moralisch fehl geht, muss man diese Angst loswerden. Will man ein gutes und glückliches Leben führen, muss man sich mit dem Tod auseinandersetzen, und ihn argumentativ bezwingen. Ein ewiges Leben ist dem Menschen nicht gegeben, aber das Bewusstsein des eigenen Todes beunruhigt ihn. Wie kann man den Tod so denken, dass er einen nicht beunruhigt?

Eines der praktischen Ziele der Philosophie Epikurs, besteht darin, den Menschen von seiner Todesangst zu befreien. Er argumentiert, dass der Tod deshalb nichts Schlimmes sein könne, weil man im Tod keine Empfindung mehr haben könne, und ohne Empfindung keine Übel existierten.7 Dieser Idee liegt die Annahme zugrunde, dass die Schmerzfreiheit das höchste Gut, der Schmerz aber das grösste Übel sei.8 Im Tod kann man keine Schmerzen empfinden und so ist man vor Übeln gefeit.

Wer von Qualen in der Unterwelt oder im Jenseits verängstigt wird, hat nicht verstanden, was mit dem Begriff „Tod“ bezeichnet wird. Wer stirbt, verliert nämlich im Moment des Todes die Fähigkeit, überhaupt irgendetwas zu empfinden. Es kann nach dem Tod keine Qualen geben, weil Qualen – um den Namen zu verdienen – empfunden werden müssen. Daher sagt Epikur:

„Der Tod hat keine Bedeutung für uns. Denn was sich aufgelöst hat, hat keine Empfindung, was aber keine Empfindung hat, hat keinerlei Bedeutung für uns.“9

Es lohnt sich also nicht, sich vor dem Tod zu fürchten, weil man erwartet, nach dem Tod in einer misslichen Lage zu kommen oder für Untaten in diesem Leben zu büssen. Nach dem Tod ist man in überhaupt keiner Lage mehr, weil man nicht mehr ist, und die Angst ist vor dem Tod ist daher unbegründet.

Man mag das wenig tröstlich finden. – Ist es nicht mindestens so beunruhigend, dass man mit dem Tod die Fähigkeit zu empfinden und zu denken verliert? Ist es nicht beunruhigend, dass man aufhört zu existieren? Epikur scheint vom Gegenteil auszugehen. Gleich nach der oben zitierten Stelle fährt er fort:

„Daher macht die richtige Erkenntnis, dass der Tod keine Bedeutung für uns hat, die Sterblichkeit des Lebens erst zu etwas, das wir geniessen können, nicht, indem sie eine unendliche Zeit (zum Leben hinzufügt), sondern indem sie das Streben nach Unsterblichkeit aufhebt.“

Sein Argument scheint folgendes zu sein: Wenn der Tod nichts ist, vor dem man sich fürchten muss, dann gibt es auch keinen Grund, ihn zu vermeiden. Das Streben nach Unsterblichkeit ist daher keine sinnvolle Beschäftigung, weil sie erstens nicht zu erreichen ist, und zweitens durch das Vermeiden des Todes nichts gewonnen ist. Wenn der Tod bedeutungslos ist, muss man ihn nicht meiden.

Bemüht man sich zwanghaft darum, dem Tod zu entgehen, dann verschwendet man bloss wertvolle Lebenszeit mit Unfug und macht sich selbst dadurch unglücklich. Menschen sind eben sterblich. Daran ist nicht zu rütteln. Epikur beschreibt die Lage wie folgt:

„Im Hinblick auf den Tod bewohnen wir Menschen alle eine Stadt ohne Mauern.“10

Wer aus Angst vor dem Tod das Leben mit erfolglosen Versuchen verschwendet, dem Tod zu entgehen, kann nur als höchst unglücklich beschrieben werden:

„Geboren sind wir nur einmal, zweimal geboren zu werden ist nicht möglich – es ist notwendig, dass man eine Ewigkeit lang nicht mehr existiert –, du aber, der du nicht einmal Herr über den morgigen Tag bist, schiebst das Erfreuliche auf. Das Leben wird durch Aufschieben vergeudet, ein jeder von uns stirbt, ohne zur Musse gelangt zu sein.“11

Es gilt also, sich unter Anwendung der genannten Argumente vor der Todesfurcht zu befreien, und ein Leben zu gestalten, das den Fokus auf den gegenwärtigen Augenblick legt. Ist man frei von Beunruhigung und Ängsten, ist man frei von Schmerzen, dann lebt man glücklich. Man sollte dieses Glück nicht dadurch trüben, dass man sich vor dem Tod fürchtet. Der ist nur vermeintlich ein Übel. Er muss uns, so Epikur, nicht weiter beschäftigen.

Diese Argumente, die dabei helfen, die Todesfurcht zu bezwingen, sollte man stets griffbereit haben. Man sollte zu jedem Zeitpunkt über sie verfügen können, man sollte sie stets in Erinnerung rufen können. Wenn man sie bedacht und verinnerlicht hat, und in der Lage ist, sie in Momenten der Unsicherheit zu gebrauchen, dann wird einen der Tod zu keinem Zeitpunkt schrecken, und zumindest ein Hindernis auf dem Weg zum glücklichen Leben ist beseitigt.

„Dies also, und die damit verwandten Dinge, bedenke Tag und Nacht bei dir selbst […], und niemals wirst du im Wachen oder Schlafen beunruhigt werden, sondern wirst leben wie ein Gott unter Menschen.“

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Epikur – keine Furcht vor dem Tod

Veröffentlicht 1. Oktober 2021 von hubert wenzl in Philosophie

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Gibt es einen Unterschied zwischen Leib und Körper?   Leave a comment

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Ich kann auch die Wortklaubereien der Theologen nicht gut ertragen, wo sie zum Beispiel irgend einen angeblichen „Tatbestand“ erfinden. Ich kann jedenfalls die Unterscheidung zwischen Leib und Körper nicht teilen. Im folgenden Auszug wird auch gesagt, dass es den Begriff des Leibes nur in der deutschen Sprache gibt.
Hier ein Auszug aus https://www.paedologic.de/259/

Eine Redensart zu Beginn – oder: Erst kommt der Leib und dann das Lernen

„Plenus venter non studet libenter“

… oder auf deutsch: „Ein voller Bauch studiert nicht gern.“

Diese Redensart ist weithin bekannt und man weiß aus eigener Erfahrung, was damit gemeint ist. Nach dem Essen, insbesondere einem opulenten Mahl, wird der Mensch träge. Satt macht müde. Aber umgekehrt hält einen der Hunger auch wach.

Müdigkeit

Wir kennen die (neuro)physiologischen Zusammenhänge. Nahrungsmangel, also Hunger, lässt den Blutzuckerspiegel sinken. Der Sympathikus wird aktiviert, wobei die Insulinsekretion gehemmt wird. Das signalisiert dem Gehirn (u.a. dem Hypothalamus), nach Essen zu suchen. Die Wahrnehmung wird sensitiver, der Körper gerät in Stress und wird reaktionsbereiter (Quarks 2020). Psychisch geht dies einher mit erhöhter Wachsamkeit und größerer Aggression. Umgekehrt läuft auch bei Sättigung ein Programm ab: Nach der Mahlzeit steigt der Insulinspiegel, der Parasympathikus wird aktiviert, die Magen-Darm-Sekretion steigt, die Muskelaktivität sinkt. Das geschieht alles, damit die Inhaltsstoffe dem Körper zugänglich und verfügbar gemacht werden können. Das Sättigungsgefühl geht einher mit Müdigkeit und Schlafbereitschaft (DAZ 6/2014).

Es gibt auch eine evolutionär fundierte Erklärung. So ist unser Gehirn heute noch gemäß der Bedürfnisse des Homo sapiens programmiert. Für diesen war der Hunger die Motivation zur Nahrungsbeschaffung und erforderte Wachheit bei Tageslicht. Dagegen erholte er sich bei Dunkelheit und das funktionierte am besten gut gesättigt.

Zuviel essen, zu wenig essen und überhaupt essen – all das spielt natürlich für das Lernen eine Rolle. Auch die geistige Arbeit verbraucht Energie und ist auf Kalorienzufuhr angewiesen, also auf richtige Nahrung und nicht nur geistige. In der Schule gibt es deshalb Pausen, die nicht nur zum Entspannen und Bewegen, sondern auch zum Essen da sind. Doch nicht nur der Energiebedarf des Körpers wirkt sich auf die Lernbereitschaft und Konzentrationsfähigkeit aus. Die Chronobiologie hat endogene Körperrhythmen untersucht, wie z.B. die Abfolge von Schlafen und Wachsein, die eine Zykluslänge von 24 Stunden hat. Diese wird durch den Wechsel von Tageslicht und Nacht synchronisiert und ist mit der Körpertemperatur verknüpft. Dieser Rhythmus scheint auch ohne den externen Zeitgeber von Tag und Nacht zu bestehen.

Zeitzonen

Wir müssen also nicht nur essen, sondern auch schlafen, denn Störungen in unserem Schlafwachrhythmus durch Flüge in andere Zeitzonen oder durch Schichtarbeit können zu Schlafstörungen und gesundheitlichen Problemen führen. Festgestellt wurde auch, dass die frühen Nachmittagsstunden eine höhere Neigung zum Einschlafen mit sich bringen (vgl. dazu Spektrum.de: Lexikon der Psychologie).

Leib und Körper – bedeutungsgleich oder verschieden?

Das Beschriebene hat mit Sicherheit jede:r schon einmal am eigenen Leib erfahren. Oder soll man sagen: am eigenen Körper? Nun, es ist unüblich zu sagen: „Ich habe etwas am eigenen Körper erfahren“. Wenn es aber darum geht, physiologische und neurologische Abläufe zu beschreiben, wird der Begriff des „Körpers“ verwendet.

Der Leibbegriff hat eher einen etwas altertümlichen Beigeschmack. Ebenso sind Begriffe wie Leibspeise, Unterleib, Beleibtheit, Leibarzt oder Leibschmerzen für uns heute nicht mehr sehr geläufig und verschwinden aus unserer Alltagssprache. „Leib“ begegnet uns in der christlichen Theologie in der Einheit von Leib und Seele der Person, der Auferstehung des Leibes Christi und im Sakrament der Eucharistie (Abendmahl).

Piercing Tattoo
Foto: Leandro Lima

Lange Zeit schien es, als würde der Begriff Leib mit „Körper“ ersetzt werden. Ende des 20. Jahrhunderts kam es zu einer Zunahme der Beschäftigung mit dem Thema Körper in den Geistes- und Kulturwissenschaften. Es wurde sogar von einem „body turn“, „somatic turn“ oder „corporeal turn“ gesprochen. Dieses neue Interesse am Körper zeigte sich nicht nur in wissenschaftlichen „Body Studies“, sondern wurde zu einem gesellschaftlichen Phänomen. Es fand seinen Ausdruck im Bedürfnis, den Körper jung und gesund zu erhalten, aber auch in neuen individuellen Körpermodifikationen wie Tätowierungen oder Piercings, die zunehmend in Mode kamen.

Leib und Körper – bezeichnen die Begriffe nun etwas Verschiedenes oder sind sie bedeutungsgleich? Interessanterweise gibt es den Begriff des Leibes nur in der deutschen Sprache. Im Englischen („body“) gibt es genauso wie im Französischen („corps“) die Differenzierung zwischen Leib und Körper nicht. Der Blick auf die begriffsgeschichtliche, etymologische Entwicklung zeigt, dass die Wurzeln von „Leib“ im althochdeutschen Wort lîb (mhd. lîp) liegen. Es hat die Bedeutung von „Leben“, aber auch von „Leib“, „Körper“ und „Gestalt“. „lîp“ wurde demnach mit Leben und Person assoziiert und in der christlichen Tradition für den beseelten menschlichen Leib gebraucht. Das lateinische Lehnwort „corpus“ bezeichnete hingegen den unbeseelten Körper von Tieren oder Menschen oder räumliche Körper im mathematischen Sinn.

Diese traditionelle, also nur im Deutschen übliche Unterscheidung von „Leib“ und „Körper“ hat demnach eine semantische Bedeutung. Mit den beiden Begriffen werden zwei unterschiedliche Beziehungen ausgedrückt. So verweist der Leib als Sitz der Seele auf das Innere des Menschen, auf sein Erleben und Fühlen. Ein Körper (das kann auch der eigene sein) ist hingegen etwas, das man von außen und aus der Distanz als Objekt betrachtet und dem man sich gegenüberstellen kann.

Mit René Descartes (1596-1650) hat sich die dualistische Auffassung im westlichen Denken durchgesetzt. Er ging davon aus, dass Bewusstsein (res cogitans) und Materie (res extensa) getrennte Substanzen sind, die aber miteinander interagieren. Diese Trennung prägte die westliche Geistes- und Kulturgeschichte maßgeblich. Das brachte Max Horkheimer und Theodor Adorno dazu, im Dualismus von Körper und Geist bzw. Leib und Seele die „unterirdische Geschichte Europas“ zu sehen. In den Fragmenten am Ende ihres Buches „Dialektik der Aufklärung“ (1971) konstatieren sie, dass der Dualismus von Geist und Körper in der historischen Entwicklung zu einer „Haßliebe gegen den Körper“ geführt habe, die noch immer die abendländische Zivilisation durchziehe.

„Der Körper ist nicht mehr zurückzuverwandeln in den Leib. Er bleibt die Leiche, auch wenn er noch so ertüchtigt wird.“

Max Horkheimer & Theodor W. Adorno (1991): Dialektik der Aufklärung. Frankfurt am Main, 248.

Die Trennung von Geist und Körper hat es ihrer Auffassung nach ermöglicht, dass die westliche Zivilisation die menschlichen Instinkte und Leidenschaften verdrängen und entstellen konnte. Das umfasste die Abwertung der körperlichen Arbeit, aus der man mittels Herrschaft Kapital schlagen konnte, genauso wie die Erniedrigung des Fleisches als Quelle des Übels im Christentum.

„Der Körper wird als Unterlegenes, Versklavtes noch einmal verhöhnt und gestoßen und zugleich als das Verbotene, Verdinglichte, Entfremdete begehrt. Erst Kultur kennt den Körper als Ding, das man besitzen kann, erst in ihr hat er sich vom Geist, dem Inbegriff der Macht und des Kommandos, als der Gegenstand, das tote Ding, ‚corpus‘, unterschieden.“

Max Horkheimer & Theodor W. Adorno (1991): Dialektik der Aufklärung. Frankfurt am Main, 247.

Dialektik der Aufklärung

Der Verlust der Einheit von Leib und Seele, so konstatieren Horkheimer und Adorno, manifestiert sich in Werbung und Reklame für den vitalen, schönen Menschen, in der Medizin und in der Technik, die die Natur objektiviert. Die Spaltung des Lebens in den verdinglichten Körper und in den davon getrennten Geist lässt sich zur Ausübung von Macht zu Nutze machen.

 

Herrschaft über den Leib – der Nationalsozialismus als Beispiel

Entsprechend instrumentalisierte und missbrauchte der Faschismus den Körper zu Machtzwecken durch Gleichschaltung – daran lag der Hauptpunkt von Horkheimers und Adornos Analyse. In der Tat hat der Nationalismus die Beherrschung des Leibes bis zur Vollkommenheit perfektioniert. Die Nationalsozialisten inszenierten Massenaufmärsche, Feierstunden, Fahnenappelle mit Musik, Sprechchören, Feuer- Licht- und Erdsymbolik. Sie nutzen Grußrituale und gaben ihren Veranstaltungen einen rituell-liturgischen Charakter. Mit diesen Techniken schufen sie sinnlich erfahrbare Gesamterlebnisse, die den Menschen über die unmittelbare leibliche Erfahrung das Gefühl von Bindung und Gemeinschaft gaben. In dieser Sprache von Bildern, Symbolen und mit pseudoreligiösen Ritualen vermittelte der Nationalsozialismus seine Ideologie und mobilisierte die Menschen – ohne rationale und intellektuelle Auseinandersetzung mit den vermittelten Inhalten. Vernunft und Verstand als Grundlage kritischer Reflexion ließen sich bei vielen Menschen durch diese Propagandatechnik außer Kraft setzen und machten sie offen für Manipulation – die Dialektik der Aufklärung.

Wenn Leib und Seele, Geist und Körper in einem so weitreichenden Spannungsverhältnis stehen, dem wir offensichtlich nicht auskommen, stellt sich die Frage, ob wir gedanklich etwas trennen, was eigentlich zusammen gehört. Und offensichtlich hat es Folgen, wenn wir nur das eine oder das andere sehen, aber nicht beides zusammen.

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„der spürbare Leib – zwischen Körper und Seele wie in eine Gletscherspalte gefallen“

Hermann Schmitz (2010): Kurze Einführung in die Neue Phänomenologie. Freiburg/München, 22.

Foto: sandro porfirio
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Deutlich sieht man das an der modernen Medizin, die den Menschen leider oft nur als Körper betrachtet. Wenn der Rücken schmerzt, verschafft die Cortisoninjektion schnelle, aber auch kurzfristig andauernde Erleichterung. Dass die Schmerzen von Verspannungen und Verkürzungen der Muskeln, Bänder und des Bindegewebes herrühren, weil sich der Patient zu wenig bewegt, zu viel sitzt, zu viel Stress hat, fällt nicht in den Aufgabenbereich der orthopädischen Medizin. Dazu müsste man den Menschen in seinem gesamten biographischen und ökologischen Zusammenhang in den Blick nehmen: seine Motivation, sein Selbstverständnis, seinen Beruf, seinen Alltag.

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Gibt es einen Unterschied zwischen Leib und Körper?

 

 

„Aufgeklärte Religion aussterbend wie Männergesangsvereine“   Leave a comment

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Ein Interview mit dem Philosophen Michael Schmidt-Salomon von deutschlandfunk.de

Der Philosoph Michael Schmidt-Salomon sieht in Religionen gerade derzeit eine „Wurzel gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ und autoritärer Tendenzen. „Je liberaler eine Religionsgemeinschaft auftritt, desto eher verliert sie Anhänger“, sagte er im Dlf.

Michael Schmidt-Salomon im Gespräch mit Christiane Florin

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Michael Schmidt-Salomon, Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung. (David Ertl)

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Religionen beeinflussen täglich politische, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen, weltweit. Doch sie sind nicht die einzigen derart wirkmächtigen Weltanschauungen. Auch Atheismus – die Ansicht, dass es keinen Gott gibt – hat tiefgreifende gesellschaftliche, kulturelle und politische Folgen.

Einer der bekanntesten Atheisten Deutschlands ist der Philosoph Michael Schmidt-Salomon. Er ist Mitgründer und Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, die sich nach eigenen Angaben für „evolutionären Humanismus“ und Aufklärung als „Leitkultur“ einsetzt. Benannt ist sie nach einem der „bekanntesten Opfer von religiöser Gewalt“, wie Schmidt-Salomon sagt: Der Priester und Philosoph Bruno wurde 1600 von der katholischen Kirche als „Ketzer“ auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Im Interview erklärt Schmidt-Salomon, welche Konsequenzen die atheistische Weltanschauung des evolutionären Humanismus fürs Denken und Handeln hat, wo sie sich mit einem liberalen Religionsverständnis vereinbaren lässt – und warum religiöse Dogmen als „kulturelle Zeitmaschinen“ so gefährlich sein können.


Christiane Florin: Herr Schmidt-Salomon, warum haben Sie sich überhaupt für eine Weltanschauung, einen -ismus entschieden?

Michael Schmidt-Salomon: Der evolutionäre Humanismus hat eine wunderbare Eigenschaft: Er ist eben evolutionär, das heißt, er ist auf einen Wandel ausgelegt. Er erhebt den Wandel zum Programm, es gibt also keine absoluten Dogmen, keine heiligen Schriften, keine unfehlbaren Propheten, die den Zugang zur absoluten Wahrheit haben. Wir gehen davon aus, dass alles, was Menschen sagen, was sie denken, fehleranfällig ist. Das wir zeitbedingten, kulturbedingten, kognitiven Verzerrungen unterliegen, und deshalb müssen unsere Erkenntnisse stetig verändert werden – und das hat mich eben sehr angesprochen, an dieser Art des Denkens, da gibt es einen kategorischen Imperativ auf diesem Feld, und der lautet: Wir müssen falsche Ideen sterben lassen, bevor Menschen für falsche Ideen sterben müssen. Und das ist in der Geschichte leider allzu selten geschehen.

„Ich würde nicht behaupten, dass der Glaube an Gott widerlegt ist“

Florin: Sie wurden nicht als evolutionärer Humanist geboren. Sie wurden auch nicht als solcher getauft, das wäre ja ein Widerspruch im System. Wie sind Sie es geworden?

Schmidt-Salomon: Na ja ich wurde tatsächlich katholisch getauft. Ich hatte als Kind und auch heute noch ein starkes Verlangen nach logischer Konsistenz. Also, wenn sich jemand in einem Satz widersprochen hat oder Dinge behauptet hat, die mit den offenkundigen Fakten überhaupt nicht in Einklang zu bringen sind, hat mich das immer sehr stark irritiert.

Florin: Was war das zum Beispiel, was Sie da irritiert hat als Kind?

Schmidt-Salomon: Beispielsweise, wenn die Menschen tatsächlich glauben, dass vor 2.000 Jahren ein Mensch gestorben und von den Toten wiederauferstanden ist und dass sie tatsächlich das Heil finden, wenn sie diesem Manne nachfolgen, warum strengen sie sich da nicht mehr an? Und gleichzeitig habe ich mich natürlich gefragt: Kann das überhaupt stimmen, dass diese Geschichte passiert ist? Oder ist das gewissermaßen so eine Art Fake News der Vergangenheit? Den Begriff hatte ich damals natürlich nicht, aber ich habe mir darüber sehr viele Gedanken gemacht. Ich war auch wirklich bereit, mich von irgendeinem religiösen Glauben überzeugen zu lassen, aber das hat nicht funktioniert.

Bibelwissenschaft – Der Professor und die Fake News
Simone Paganini wendet einen neuen Begriff auf ein altes Buch an und sucht nach „Fake News in der Bibel“. Und er wird fündig: bei Evas Apfel, Marias Jungfräulichkeit – und beim Machtanspruch der Päpste.

Florin: Das Evolutionäre im evolutionären Humanismus greift die Evolutionsbiologie auf – und das bedeutet unter anderem, dass der biblibsche Schöpfungsbericht widerlegt wird. Wieso ist damit auch der Glaube an Gott widerlegt, wenn man sagt, der Schöpfungsbericht, der stimmt nicht, das kann gar nicht so passiert sein?

Schmidt-Salomon: Ich würde gar nicht behaupten, dass der Glaube an Gott widerlegt ist. Das Problem an diesem Begriff Gott ist, dass er nicht hinreichend definiert worden ist oder dass es unzählige Definitionen von Gott gibt. Ich kann nicht per se sagen, dass alle Definitionen im Widerspruch zu unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen. Ich habe Menschen getroffen, die haben gesagt: „Gott ist doch nur die Summe des Seins.“ Oder: „Gott ist die Liebe.“ Da ich weder an die Existenz dieses Universums zweifle noch an der Möglichkeit der Liebe, habe ich keinen Grund, diese Gottesvorstellungen widerlegen zu müssen. Ich würde nur als Philosoph darauf bestehen, die Liebe Liebe und das Universum Universum und das Sein Sein zu nennen, weil es sonst zu Verwechslungen führt. Meine Schwierigkeiten sind natürlich dann gegeben, wenn einem Gott bestimmte personale Eigenschaften zugeschrieben werden, wenn das mit einer Heilsgeschichte verbunden ist, die mit dem, was wir über die Welt wissen, schwerlich in Einklang zu bringen ist.

„Viel Sinnvolles, sehr viel Unsinniges, sehr viel Gefährliches“

Florin: Sie lehnen Religion für sich selbst ab. Warum möchten Sie auch, dass sich andere von der Religion verabschieden? Oder ich könnte auch andersherum fragen: Missionieren Sie für Ihren evolutionären Humanismus?

Schmidt-Salomon: Also, ich will Menschen überzeugen mit guten Argumenten. Das heißt noch nichtmals, dass ich alle Religionen ablehne. Es gibt durchaus Überschneidungen zwischen meiner Philosophie und bestimmten Strömungen, die in allen Religionen entstanden sind. Beispielsweise große Übereinstimmungen mit Meister Eckhart im Christentum, dem Advaita-Hinduismus, dem Zen-Buddhismus, mit manchen Sufi-Strömungen im Islam, ich bin großer Anhänger von Spinoza – na gut, der wurde aus der jüdischen Gemeinde verbannt –, also es ist nicht so, dass ich generell sagen würde, ich lehne Religion ab. Ich sehe Religion tatsächlich an als kulturelle Schatzkammer der Menschheit, da findet man Sinnvolles, aber auch sehr viel Unsinniges und auch leider sehr viel Gefährliches. Ich würde eben anraten, dass wir die Religion einer kritischen Prüfung unterziehen. Würden die Menschen das gleiche Maß an Rationalität an ihre Weltanschauung anlegen, das sie beispielsweise zeigen, wenn sie ein Smartphone auswählen, dann sähe die Welt schon deutlich besser aus.

Florin: Was ist das Gefährliche an den Religionen? Ich nehme an – oder ich weiß: Sie haben nicht eine einzelne Religion im Visier, sondern es ist etwas grundsätzlich Gefährliches, das Sie Religion attestieren.

Schmidt-Salomon: Es ist diese starke Konzentration auf vermeintlich ewig existierende, absolute Werte. Wir wissen, dass sich die Menschheit im Verlauf ihrer kulturellen Evolution verändert hat. Dass wir auch uns in ethischer Hinsicht tatsächlich weiterentwickelt haben, von Wesen, die ursprünglich nur in den Grenzen der eigenen Horde gedacht haben, später vielleicht in den Grenzen der eigenen Religionsgemeinschaft oder der eigenen Nation bis hin zur Formulierung universeller Menschenrechte. Die Religionen sind zu einem Zeitpunkt entstanden, als diese Gedanken nicht konsensfähig waren in den Gesellschaften, insofern sind sie häufig so etwas wie kulturelle Zeitmaschinen, die Werte in die Jetztzeit bringen, die eigentlich längst obsolet sind.

„Nächstenliebe und Fernstenhass gehen leider Hand in Hand“ 

Florin: Welche Werte meinen Sie da?

Schmidt-Salomon: Es gibt beispielsweise diese Konzentration auf die eigene Gruppe. Das eigentliche ethische Problem besteht ja nicht in der Nächstenliebe, sondern im „Fernstenhass“. Nächstenliebe und Fernstenhass gehen leider, in der Regel, Hand in Hand. Die Religionen haben ja nicht eine Ethik, sie haben immer zwei Ethiken: eine Ethik für die Mitglieder der eigenen Religion und eine ganz andere für die Außenstehenden.

Florin: Was meinen Sie damit? Dass sozusagen das Außenbild harmloser ist, als das Bild, was man nach innen vermittelt, oder umgekehrt?

Schmidt-Salomon: Nein. Liebevoll, barmherzig, gütig zeigt sich Gott und soll sich der Gläubige zeigen gegenüber denjenigen, die auf dem rechten Pfad der Tugend sind.

Florin: Eigentlich nicht. Wenn Sie das Neue Testament nehmen: Da wendet sich Jesus ja gerade denen zu, die nicht auf dem rechten Pfad der Tugend sind und sagt: Ich helfe dir trotzdem.

Schmidt-Salomon: Ja, aber sie gehören zur gleichen Community. Wer aber trotz der Belehrung sich nicht daran hält, für den ist das ewige Höllenfeuer vorgesehen. Die Stellen, in denen Jesus das beschreibt, sind gewaltig. Selbst in der Bergpredigt oder in den Korrespondenzstellen finden Sie diese Passagen. Also beispielsweise, wer eine Frau lüstern anschaut, für den wäre es besser, er hätte sich die Augen aus dem Kopf gerissen, als sehenden Auges in das ewige Höllenfeuer zu kommen, wo der Wurm niemals stirbt. Das sind sehr massive Gewaltbotschaften, die auch im Neuen Testament angelegt sind, und auch in der Offenbarung des Johannes. Ich kenne keine Passage von de Sade, die so von grenzenlosem Sadismus der Bestrafung der anderen geprägt ist. Und das ist ja eigentlich das, was Religionen ausmacht: Sie schaffen einen Zusammenhalt in der eigenen Gruppe unter Abgrenzung von den anderen. Das ist die Wurzel von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Das erklärt auch, warum wir heute weltweit diese merkwürdige Internationale der Nationalisten haben, wo sich nationale Chauvinisten mit reaktionären Religiösen verbinden. Egal, wo Sie hinschauen in der Welt. Das ist ein Phänomen des Christentums, der Evangelikalen in den USA, der Katholiken in Polen…

„Nationalistische und reaktionäre religiöse Strömungen gehen zusammen“

Florin: Der Orthodoxen…

Schmidt-Salomon: … der Orthodoxen in Russland. Sie haben es im Islam in Saudi-Arabien, in der Türkei, im Iran an nationale Werte gekoppelt. Sie haben es auch bei den ultra-orthodoxen Juden in Israel. Sie haben es bei den radikalen Hindus und bei den radikalen Buddhisten. Das ist ein Phänomen: dieses Zusammengehen von nationalistischen und reaktionären religiösen Strömungen. Und wir können dem, meines Erachtens, nur entgehen, wenn wir diesem identitären Diskurs entgehen…

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Michael Schmidt-Salomon sieht Nationalismus und Religion vielerorts im Schulterschluss (picture-alliance/AP/Alexander Zemlianichenko)

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Hier weiterlesen:

„Aufgeklärte Religion aussterbend wie Männergesangsvereine“

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Gruß Hubert

 

Philosophische Gedanken von F. Nietzsche und J. Milton   Leave a comment

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»Gott«, »Unsterblichkeit der Seele«, »Erlösung«, »Jenseits« lauter Begriffe, denen ich keine Aufmerksamkeit, auch keine Zeit geschenkt habe, selbst als Kind nicht, – ich war vielleicht nie kindlich genug dazu? – Ich kenne den Atheismus durchaus nicht als Ergebniss, noch weniger als Ereigniss: er versteht sich bei mir aus Instinkt. Ich bin zu neugierig, zu fragwürdig, zu übermüthig, um mir eine faustgrobe Antwort gefallen zu lassen. Gott ist eine faustgrobe Antwort, eine Undelicatesse gegen uns Denker –, im Grunde sogar bloss ein faustgrobes Verbot an uns: ihr sollt nicht denken!

Aus: Friedrich Wilhelm Nietzsche: Ecce homo – Kapitel 4

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Ich ward, ward ohne meinen Willen; drum wär’s billig, ich würde wieder Staub auf meinen Wunsch, nimm alles hin, was ich empfing; zu schwer sind die Bedingungen, die mir ein Glück, nach dem ich nicht gestrebt, verbürgen sollten! … Du zeugtest mich? Weshalb? Ich heischt es nicht!

John Milton, Das verlorene Paradies, 10. Buch, Vers 746 ff

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 19. Juli 2020 von hubert wenzl in Philosophie

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Dr. Gunter Bleibohm: Klarstellungen   Leave a comment

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… Gott nährt sie noch. Stimmt nicht. Kein Gott, was auch immer das sein soll, gibt ihnen zu essen.
„Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? (Mt 6, 26)“. Der ganze Speziesismus bricht da unverhohlen durch.

Rebloggt von Tierfreund (und Religionskritiker) Wolodja51

 

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K l a r s t e l l u n g

Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? (Mt 6, 26)

Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Seid ihr wirklich viel mehr denn sie? Warum meint ihr, dass ihr viel mehr seid? Und wo seid ihr viel mehr? In der Masse, in der Notwendigkeit eurer Existenz, in der Überheblichkeit, im Irrtum eurer Bedeutung? Seid ihr mehr, weil der Zufall euch in eine menschliche Form gepresst hat oder seid ihr nur mehr, weil euer Denken so dürftig ist, dass ihr es nötig habt, andere übertreffen zu wollen? Gibt es einen Beweis, dass ihr viel mehr seid? Oder gilt euch als Beweis, dass ihr alles andere, was nicht menschlich ist, mit dem Vorschlaghammer auf dem Amboss eurer Unzurechnungsfähigkeit zerschlagt, sobald sich Gelegenheit dazu bietet.

Und was wäre wirklich, wenn ihr irgendwo mehr wäret – außerhalb eurer subjektiven Phantasie? Was würde es ändern? Was seid ihr wirklich außerhalb eurer Gedankenwelt, außerhalb eurer Hybris, außerhalb eures Überheblichkeitswahns? Könntet ihr überhaupt so etwas denken und auch das Ergebnis verkraften? Oder brecht ihr dann verzweifelnd zusammen und flüchtet hinter die fiktiven Mauern einer Jenseitsreligion, einer dieser Glaubenskulte, die euch in eurer Jämmerlichkeit und Bedeutungslosigkeit über den Sinn und Wert eurer Existenz belügen, bis ihr endlich genau so verendet seid wie die Vögel, wie jedes Tier, wie jedes Leben schlechthin. Ausnahmslos, immer, gleichmachend, gerecht.

Wohlan, ertragt den Richterspruch des Universums, der euch eure Bedeutung lehren wird. Und was seid ihr wirklich?

Sub specie universi: eine Nichtigkeit, euer Planet ein nahezu nicht auffindbarer kleiner Punkt im Universum.

Sub specie vitae: eine Nichtigkeit, eine – möglicherweise gar singuläre – Marginalie im Riesenreich der unbelebten Materie.

Sub specie aeternitatis: eine Nichtigkeit, ein fast nicht ermittelbarer Zeitraum in der unendlichen Zeit.

Sub specie terrae: eine Nichtigkeit, ein belebtes Wesen unter zahllosen Milliarden anderer Lebewesen, ausgestattet mit einer begrenzten Zeitspanne an Lebenskraft, ein Wesen, das bei der Geburt bereits dem Tod, der endgültigen Vernichtung, entgegeneilt.

Dies ist der Rahmen, in dem sich eure vermeintliche Bedeutung, euer Leben, abspielt, das ist der Rahmen, der dem kleinsten Wurm die gleiche Notwendigkeit, aber auch die gleiche Vergeblichkeit, Bedeutungslosigkeit und Vergänglichkeit zuweist wie einem Menschenwesen. Vor dem Horizont des Universums hört hier jegliche Ungleichheit auf, denn alles ist gleich nichtig, beliebig, sinnlos.

Und eure kurze Lebenszeit? In der Vorausschau ein Wollen, in der Rückschau ein Vergessen, durchsetzt mit den Nebeln der Erinnerung. Die Ängste, die Hoffnungen, die glücklichen und die schrecklichen Momente versinken im Vergessen, versinken im Zeitablauf in der Nie-Gewesenheit. Warum war das alles und ist heute nicht mehr? Nur um zu dem heutigen Tag zu gelangen? Zu diesem Tag, der mit allen Ereignissen auch im Nichts versinkt? Leben ist etwas virtuelles, ein leerer Wahn, ein Taumeln zwischen Vergessen, Erleiden und Wollen, eine sadistische Quälerei des Seins gegenüber einer entarteten Materie, einer Materie, die mit mehr oder weniger Bewusstsein in die Form von Leben geknechtet wird.

Jagt die Lügenpfaffen endlich vom Hof, hetzt die bissigen Hunde der Vernunft auf sie, bringt ihnen bei, dass ihr endlich aus dem Schlaf der Glaubensumnachtung erwacht seid und euer kurzes Leben, dieses zufällige Aufflackern der Materie, der Erkenntnis widmen wollt, der Erkenntnis, von der Gleichwertigkeit jeglichen Lebens. Zwingt die Narrengilde der Jenseitsprediger ihrem unsinnigen Anthropozentrismus abzuschwören, bringt ihnen Demut vor der real existierenden, belebten Materie bei, beendet endlich die Blutspur ihrer Glaubenshalluzinationen auf diesem Planeten und findet euch damit ab, dass kein Gebet hilft, kein Gott existiert und dass am Ende eurer Tage sich euer Sein in Nichts wandelt.

Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?

Nein und nochmal nein, denn alles Leben ist sub specie universi gleich, so wie ein Wassertropfen im Meer dem anderen gleicht, gleich wertvoll, gleich sinnlos, gleich vergeblich.

Fluch der Geburt: Thesen einer Überlebensethik   Leave a comment

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Buch von Gunter Bleibohm (Autor)

Nicht jeder Narzisst wird diesen Thesen zustimmen können. Zu vieles würde seinem Egozentrismus, seiner Selbstverliebtheit und seiner vermeintlichen Wichtigkeit widersprechen.

Prolog.
Ich glaube, dass die Lektüre dieses Buch selbst für „befreite Geister“ ein Höchstmaß an Objektivität und sehr viel Mut erfordert, denn das Fazit über das Dasein der Gattung Mensch ist alles andere als positiv und steht im krassen Gegensatz zu unseren angeborenen Denk- und Verhaltensmustern und der eingeengten Sichtweise der ignoranten „Masse Mensch“. Es rüttelt an den Grundfesten des kulturellen Erbes der „Krone der Schöpfung“, es führt ihren schizophrenen Herrschaftsanspruch ad absurdum und demontiert den „Status“ unserer Spezies im Weltganzen. Es demaskiert sowohl unsere gängigen Moralvorstellungen als auch die menschliche „Vernunft“; beide verursachen lebensbedrohliche Entwicklungen und verdrängen gleichzeitig; ich spreche von dem alltäglichen Wahnsinn der Menschheit, dem nicht nur die eigene Gattung, sondern jegliche belebte Natur zum Opfer fällt.

Im diesem Buch geht es nicht nur um die Fragen, wie sie 1897 auch der französische Maler Paul Gauguin formulierte, “Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?”, sondern auch um die brisanteste Frage unserer Zeit: Welche Zahl von Menschen verträgt unsere Erde und wie ist der ungebremsten Vermehrung der Menschheit Paroli zu bieten?
Bei der Beantwortung dieser Fragen spielt die „Faktizität des Daseins“, nach welche der Mensch als kulturelles Wesen durch die Kulturgeschichte in Denk-, Fühl-, und Wahrnehmungsformen bestimmt ist, eine wichtige Rolle. Die Antworten auf die großen „Sinnfragen“ sind frei von jeglicher religiösspiritueller Spekulation und dementsprechend ernüchternd: Die rationale Erkenntnis, dass die Menschheit als Produkt eines kosmischen Zufalls sowie der Evolution weder mittelfristig noch langfristig eine Überlebenschance hat, wiegt schwer. Die emotional aufrüttelnde Einsicht aber, dass dem Dasein ein immanenter Sinn gänzlich fehlt, dürfte für die meisten Menschen geradezu unerträglich sein, vielleicht sogar noch unerträglicher, dass eine Weiterexistenz nach dem Tode oder eine Wiedergeburt eine Angelegenheit des Glaubens, aber nichts des Wissens, ist.

Im Weiteren geht es um das anthropozentrische und mit speziesistischen Vorurteilen überfrachtete Denken der „Masse Mensch“. In Europa liegen die Wurzeln des Übels vor allem in den biblischen Überlieferungen, den Protagonisten jener Unkulturen, die sich rücksichtsloser und willkürlicher Wertsetzungen bedient haben, um die schwächeren Lebewesen zu Recht- und Wertlosen zu machen, um sie auszubeuten, zu quälen und milliardenfach zu ermorden.
Durch das Erkennen der Sinnlosigkeit der Existenz und der grenzenlosen Leidverursachung durch uns Menschen kommt ein instabil gewordenes Selbstbild ins Wanken und hinterlässt bei rationaler Abwägung aller Fakten dermaßen große Risse, die zumindest jedem halbwegs Sensiblen das Selbstwertgefühl auf einen Grad reduzieren könnten, von dem ein würdevoller Bühnenabgang durch eigene Hand eine naheliegende Konsequenz wäre.

Trotz der tiefen Resignation, welche die unleugbaren Fakten vermitteln und trotz der durchaus logischen Schlussfolgerung einer „suizitären Endlösung“ bietet der philosophische Ansatz des Antinatalismus einen vernünftigen Lösungsweg an.
Dieser Lösungsweg dürfte die einzige Chance der Gattung Mensch sein, ihren Abgang von der Erdenbühne als mitwirkende Akteure bis zum großen Finale zu erleben. Eine drastische Reduzierung von Tierleid und Naturzerstörung wären zusätzliche positive Folgeerscheinungen. Ich bin der Meinung, dass es keine Entschuldigung dafür gibt, das wenige, das wir tun können, nicht zu tun, oder es nicht versuchen zu tun. Die Zeit ist reif für diese Revolution. für die Menschen, die Tiere und die Umwelt.

Stefan Bernhard Eck

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Fluch der Geburt: Thesen einer Überlebensethik

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Nothing Else Matters – Metallica – William Joseph feels the Rain

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 14. Juli 2019 von hubert wenzl in Philosophie, Uncategorized

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Ein Sterbehelfer, der das Leben liebte   Leave a comment

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Aus giordano-bruno-stiftung.de

Nachruf auf Uwe-Christian Arnold

Uwe-Christian Arnold 2015 bei der Aktion "Lassen Sie das doch den Klempner machen!" vor der Frankfurter Paulskirche

Uwe-Christian Arnold 2015 bei der Aktion „Lassen Sie das doch den Klempner machen!“ vor der Frankfurter Paulskirche

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Er hätte so gerne an der mündlichen Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts zu § 217 StGB in der kommenden Woche mitgewirkt, doch seine Krebserkrankung war zu weit fortgeschritten: Am gestrigen Freitag starb „Deutschlands bekanntester Sterbehelfer“ Uwe-Christian Arnold in seiner Wohnung in Berlin. Noch am Abend vor seinem Tod versendete er eine Stellungnahme für das Bundesverfassungsgericht, sein politisches Vermächtnis. Ein Nachruf von Michael Schmidt-Salomon.

Uwe-Christian Arnold, den alle nur „Christian“ nannten, war ein außergewöhnlicher Mensch, ein furchtloser Streiter für die Selbstbestimmung am Lebensende, ein „notorischer Querulant“, der sich von den konservativen Bestimmungen der Ärztekammern nicht maßregeln ließ, ein unverbesserlicher Witzbold, der auch vor deftigen Späßen nicht zurückschreckte, ein einfühlsamer Arzt, der den Menschen in ihren schwersten Stunden zur Seite stand, und nicht zuletzt auch ein Freund, auf den man sich hundertprozentig verlassen konnte. Hinter seiner harten Schale verbarg er ein weiches Herz. Die Schicksale seiner Patientinnen und Patienten nahmen ihn oft sehr viel mehr mit, als er es öffentlich zugegeben hätte. Und so heftig er auch über die Vertreter des „Sterbe- und Leidensverlängerungskartells“ mit ihrem „Multimilliarden-Geschäft“ herziehen konnte, für Notleidende hätte er sein letztes Hemd geopfert.

Ich lernte Christian vor 10 Jahren bei einem Treffen von „Dignitas“ und „Dignitas Deutschland“ am Sitz der Giordano-Bruno-Stiftung kennen. Zunächst wusste ich nicht so recht, was ich von diesem etwas ruppigen Mann mit der schnoddrigen „Berliner Schnauze“ halten sollte, doch dann merkte ich schnell, dass er blitzgescheit war und sein Herz an der richtigen Stelle trug. Seinen ersten programmatischen Vortrag über das „Recht auf Letzte Hilfe“ hielt Christian im April 2013 am gbs-Stiftungssitz „Haus Weitblick“ in Oberwesel. Damals vereinbarten wir, dass ich ihn beim Schreiben eines Buches unterstützen werde. Und so erzählte mir Christian wenige Monate später in langen, intensiven Sitzungen von seinem Leben und seiner Arbeit als Arzt und Sterbehelfer. Ich studierte die Fälle, die er betreut hatte, und die Anklagen, die gegen ihn erhoben worden waren. Und wir trafen uns mit einigen seiner Patientinnen und Patienten. Schließlich war ich auch bei einer seiner Freitodbegleitungen dabei, was mich sehr berührte.

Durch die gemeinsame Arbeit an dem Buch „Letzte Hilfe: Ein Plädoyer für das selbstbestimmte Sterben„, das im Oktober 2014 – pünktlich zum Start der „Letzte Hilfe“-Kampagne „Mein Ende gehört mir“ – im Rowohlt-Verlag erschien, kam mir Christian noch einmal näher. Ich war verblüfft darüber, mit welcher Begeisterung er von alten Spielfilmen erzählen konnte, über die er sich noch immer schlapplachte, oder von bewegenden Opernaufführungen und Jazzauftritten, die seine Augen noch Jahrzehnte später zum Leuchten brachten. Christian liebte gute Bücher, gute Musik, gutes Essen und guten Wein, doch bei aller Lebensfreude, die er an den Tag legte, konnte man stets auch die enorme Belastung spüren, unter der er stand. Denn Christian hatte – als einziger Arzt in Deutschland – mehrere Hundert schwerstleidende Menschen beim Freitod begleitet und dabei Berührendes und Tröstliches, aber auch unaussprechliche Not erlebt – und dies alles ohne jegliche fachliche Begleitung! Außer mit Helga, seiner Frau, und einigen wenigen Freundinnen und Freunden konnte er mit niemandem über seine Erfahrungen als Sterbehelfer sprechen. Irgendwann wurde mir klar, dass Christian dieses Problem auf seine ganz eigene Art löste – zum Beispiel, indem er uns immer wieder anrief, um die neuesten Witze zu erzählen, die er gerade irgendwo aufgeschnappt hatte. Sein hohes, langgezogenes „Haaaahaaaa“, das auf jede Pointe folgte, werde ich nie vergessen. Es war Christians Form der Psychotherapie.

Vor allem in den Jahren 2014 und 2015 kämpfte Christian wie ein Löwe für das Selbstbestimmungsrecht am Lebensende und für eine humane Sterbekultur. Er hat in dieser Zeit unzählige Interviews gegeben, Talkshows besucht, Podiumsdiskussionen bestritten und an Filmdokumentationen mitgewirkt. Hoffnung gab ihm, dass 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für eine Liberalisierung der Sterbehilfe votierten. Dass der Deutsche Bundestag entgegen diesem Bevölkerungsvotum Ende 2015 das „Gesetz zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ verabschiedete, das jede Form der professionellen Freitodbegleitung verbietet und schwerstleidende Menschen katastrophal im Stich lässt, hat ihn schwer getroffen.

Mit großer Ungeduld wartete Christian deshalb auf die Eröffnung des Verfahrens zu den Verfassungsbeschwerden gegen das „Sterbehilfeverhinderungsgesetz“ §217 StGB. Zur mündlichen Verhandlung am kommenden Dienstag und Mittwoch sollte er eine Stellungnahme vor dem Bundesverfassungsgericht vortragen. Doch die Krebserkrankung, unter der er schon lange litt, setzte ihm mehr und mehr zu. Er kämpfte dagegen an, aber in den letzten zwei Wochen zeichnete sich allmählich ab, dass er kaum mehr in der Lage sein würde, die Fahrt nach Karlsruhe anzutreten. Deshalb schlug ich ihm vor, die Stellungnahme schriftlich zu formulieren und durch seinen Rechtsanwalt in der Verhandlung vorlesen zu lassen. Über seinen Text für das Bundesverfassungsgericht haben wir noch am Donnerstagabend in unserem allerletzten Telefonat gesprochen. Dabei sagte mir Christian, dass die Schmerzen inzwischen trotz hoher Morphiumdosen so unerträglich geworden seien, dass es keinen Sinn mehr mache, den Tod länger hinauszuzögern. Ich wusste, was das bedeutet. Es war eines der traurigsten Gespräche, die ich je geführt habe.

Christian war für uns, den Vorstand und die Geschäftsführung der Giordano-Bruno-Stiftung, nicht nur ein wichtiger Mitstreiter, sondern ein Teil der Familie. Am Freitagmorgen rief er, wie er es versprochen hatte, noch einmal bei Herbert Steffen, dem Gründer der Giordano-Bruno-Stiftung, an, um sich zu verabschieden. Nach einem letzten „Servus“ drehte Christian die Infusion auf. Wenig später schlief er friedlich ein. Auf die Frage, ob ich noch irgendetwas für ihn tun könne, hat er mir am Donnerstag geantwortet: „Ich brauche keine Trauerfeier und kein Denkmal, aber setzt bitte fort, was ich begonnen habe!“ Das werden wir tun. Versprochen.

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Ein Sterbehelfer, der das Leben liebte

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Gruß Hubert

Julien Offray de La Mettrie: Der Mensch ist auch nur eine Maschine!   Leave a comment

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Julien Offray de La Mettrie sagte sicher in provokatorischer Absicht, der Mensch sei nur eine Maschine. Dies war wohl in erster Linie auf René Descartes gemünzt, der bei der grausamen Vivisektion meinte die Schmerzensschreie der Tiere würden nicht mehr als das Ticken einer Uhr bedeuten. Descartes war vom Christentum stark beeinflusst. Wo bleibt die Distanzierung der katholischen Kirche? Dieser Institution haben Tiere nie etwas bedeutet. Tiere haben in der Kirche keinen Platz tönte es ja aus dem Vatikan vor nicht so langer Zeit.

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Das Tier ist eine Maschine!

In seinen „Discours de la méthode“ (von 1637) sieht der französische Philosoph René Descartes die Tiere als «Automaten», die den Regeln der Mechanik und der Logik entsprechend funktionieren.

Er stützt sich dabei auch auf Erkenntnisse der Medizin und Naturwissenschaften, die seiner Zeit einen immer tieferen Einblick in die Funktionsweise der Lebewesen ermöglichten. Zugleich wurden mechanische Maschinen immer weiter entwickelt. (siehe hierzu Kapitel Mechanische Vorläufer der
Roboter )

Descartes wurde am 31.März 1596 in La Haye, Touraine geboren und starb am 11. Februar 1650 in Stockholm.

Der Mensch ist auch nur eine Maschine!

behauptete der französische Arzt, Philosoph und Satiriker Julien Offray de La Mettrie (1709 – 1751) in seinem 1747 erschienenen Werk „L`homme machine“ (Der Mensch ist eine Maschine).

Damit griff er die Idee von Descartes auf und übertrug sie konsequent auf den Menschen. Der Mensch hat somit keinen eigenen Willen, sondern verhält sich nur entsprechend der biologisch und chemisch vorgegebenen Abläufe in seinem Körper.

Glaube, Liebe, Hoffnung, Angst – dies alles seien nur Vorstellungen, die uns der Körper durch naturwissenschaftlich erklärbare Prozesse in unserem Körper vorgaukelt.

La Mettrie vertrat also eine radikal materialistisch-atheistische (Gott ablehnende) Weltanschauung und musste deswegen sowie wegen seiner satirischen Angriffe auf die korrupte Gesinnung führender Mediziner Frankreichs außer Landes gehen.

Nach seiner Entlassung als Militärarzt wurde er von Friedrich II. in Preußen aufgenommen.

Er sagte, dass «Fähigkeiten der Seele dermassen von der eigentümlichen Organisation des ganzen Körpers abhängen, dass sie ersichtlich nur diese Organisation selbst sind» und skandalisierte die intellektuelle Öffentlichkeit in einem heute nur schwer noch nachvollziehbaren Maße.

Zitate:
„Je ne me trompe point, le corps humain est une horloge, mais immense, et construite avec tant d‘Artifice et d‘Habilité, que si la roue qui sert à marquer les secondes, vient à s‘arrêter; celle des minutes tourne et va toujours son train…“ La Mettrie 1748
„Bewegt sich der Blutkreislauf mit zu grosser Geschwindigkeit, kann die Seele nicht schlafen. Ist die Seele zu erregt, kann sich das Blut nicht beruhigen: es rast mit einem hörbaren Geräusch durch die Adern: dies sind die beiden wechselwirkenden Ursachen der Schlaflosigkeit.“ La Mettrie (1748), 1990, 33

„Die verschiedenen Zustände der Seele stehen also immer in Wechselbeziehung zu denen des Körpers. Um aber diese ganze Abhängigkeit und ihre Ursachen besser zu beweisen, wollen wir hier die vergleichende Anatomie in Anspruch nehmen; legen wir die Eingeweide des Menschen und der Tiere bloss!“ La Mettrie (1748), 1990, 43.

“Je ne reconnais aucune différence entre les machines que font les artisans et les divers corps que la nature seule compose (…) Car, par exemple, lorsqu’une montre marque les heures par le moyen des roues dont elle est faite, cela ne lui est pas moins naturel qu’il est à un arbre de produire des fruits.“ René Descartes, Les Principes de la philosophie, quatrième partie, art. 203 (éd. Alquié), Garnier t. III , 1973, pp. 520-521.

„Im übrigen ist es für unsere Ruhe gleichgültig, ob die Materie ewig oder ob sie geschaffen worden ist, ob es einen Gott gibt oder ob es keinen gibt. Welche Verrücktheit, sich damit abzuquälen, was man unmöglich erkennen kann und was uns nicht glücklicher machen würde, würden wir es bewerkstelligen.“ La Mettrie (1748), 1990, 87
„Da aber alle Fähigkeiten der Seele so sehr von dem eigentümlichen Bau des Gehirns und des ganzen Körpers abhängen, dass sie offensichtlich nur dieser organische Bau selbst sind, so haben wir es mit einer gut „erleuchteten“ Maschine zu tun!“ La Mettrie (1748), 1990, 95
„Die „Maschine“ funktioniert bei La Mettrie nicht so sehr als Abwertung des Lebendigen, sondern weitaus mehr als heuristische Erkenntnisklammer. Wenn wir uns die Tiere, um ihr „Funktionieren“ besser verstehen zu können, probehalber als Maschinensystem vorzustellen versuchen, so gibt es keinen Grund, weshalb wir dasselbe Gedankenexperiment nicht auch mit uns selbst, dem Menschen – Homme Machine – tun können.“ (Jauch 1998, 233)

„Der Übergang von den Tieren zum Menschen ist kein gewaltsamer; die wahren Philosophen werden darin übereinstimmen. Was war der Mensch vor der Erfindung der Wörter und der Kenntnis der Sprachen? Ein Tier seiner Art, das mit sehr viel weniger natürlichem Instinkt als die anderen – für deren König er sich damals noch nicht hielt – sich nicht mehr vom Affen und den anderen Tieren unterschied als der Affe selbst von diesen; ich meine durch eine Physiognomie, die ein grösseres Unterscheidungsvermögen verrät.“ La Mettrie (1748), 1990, 53

„Er [der Mensch] ist gegenüber dem Affen und den intelligentesten Tieren das, was die Planetenuhr von Huygens gegenüber einer Taschenuhr von Julien Leroy ist. Wenn mehr Instrumente, mehr Räder und mehr Triebfedern nötig waren, um die Bewegungen der Planeten als die Stunden anzuzeigen oder zu wiederholen, und wenn Vaucanson mehr Kunstfertigkeit benötigte, seinen Flötenspieler herzustellen als eine Ente, dann hätte er davon noch mehr aufbieten müssen, um einen Sprecher anzufertigen – eine Maschine, die nicht länger als unmöglich betrachtet werden kann, vor allem in den Händen eines neuen Prometheus. Es war also ebenso notwendig, dass die Natur mehr Kunstfertigkeit und Technik aufwandte um eine Maschine herzustellen und zu erhalten, die alle Regungen des Herzens und des Geistes anzeigen konnte; denn wenn man am Puls auch nicht die Stunden ablesen kann, so ist er doch zumindest das Barometer für die Wärme und die Lebhaftigkeit, nach der man die Natur der Seele beurteilen kann.“ La Mettrie (1748), 1990, 53

„Human society … appears like a great, an immense machine, whose regular and harmonious movements produce a thousand agreeable effects. As in any other beautiful and noble machine that was the production of human art, whatever tended to render its movements more smooth and easy, would derive a beauty from this effect, and, on the contrary, whatever tended to obstruct them would displease upon that account … This account, therefore, of the origin of approbation and disapprobation, so far as it derives them from a regard to the order of society, runs into that principle which gives beauty to utility …; and it is from thence that this system derives all that appearance of probability which it possesses.“ Adam Smith, The Theory of Moral Sentiments, 1759, VII.III.5

Übersetzung (mit Google) vom Abschnitt „Human society … appears like a great… (

„Die menschliche Gesellschaft … erscheint wie eine große, eine gewaltige Maschine, deren regelmäßige und harmonische Bewegungen tausend angenehme Wirkungen hervorbringen. Wie bei jeder anderen schönen und edlen Maschine, die die Produktion der menschlichen Kunst war, würde alles, was dazu neigte, ihre Bewegungen glatter und leichter zu machen, eine Schönheit von diesem Effekt erhalten, und im Gegenteil, was auch immer dazu neigte, sie zu stören, würde ihm missfallen account … Dieser Bericht über den Ursprung der Billigung und Mißbilligung, soweit er sie aus der Rücksicht auf die Ordnung der Gesellschaft herleitet, läuft auf jenes Prinzip hinaus, das der Nützlichkeit Schönheit gibt …; und von daher leitet dieses System das ganze Auftreten der Wahrscheinlichkeit ab, das es besitzt. „Adam Smith, Die Theorie der moralischen Gefühle, 1759, VII.III.5

 

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Gruß Hubert

 

20 letzte Worte, die unter die Haut gehen   Leave a comment

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Letzte Worte.

In ihnen können das ganze Leben und das ganze Sterben stecken, zusammengekocht auf einen Löffel, dem Leser wie Heroin gespritzt und zu dichten Trips zwischen Glück, Lächeln, Reue, Trauer und Horror führend.

Hier die letzten Worte von 20 Männern und Frauen; von Künstlern, Herrschern, Wissenschaftlern, Mördern, Ermordeten.

„Jeder muss Opfer bringen.“

– Otto Lilienthal, am Boden liegend, nachdem er seinen selbstgebastelten Segelflug-Apparat bestiegen hatte (zu Zeiten, in denen Fliegen noch ein Traum war), ein paar Schritte Hang abwärts gerannt, abgehoben und wegen einer heftigen Böe aus 15 Metern Höhe abgestürzt war

„Ich gehe nur mal raus, könnte etwas länger dauern.“

– Lawrence Oates, britischer Polarforscher, der auf dem Rückweg vom Inneren der Antarktis mit diesen Worten und einem schlechten Gesundheitszustand an seinem 32. Geburtstag das Zelt verließ und nie zurückkehrte (alle fünf Mitglieder der Expeditionsgruppe starben auf diesem Rückweg, Oates‘ letzten Worte fand man später in einem Notizbuch festgehalten)

„Ich hatte 18 volle Whisky; ich denke, das ist Rekord.“

– Dylon Thomas, Dichter (nach dem sich „Bob Dylan“ benannte), in der New Yorker Bar White House Tavern, deren Barkeeper später meinte, es seien höchstens neun Whisky gewesen

„Das Bitterste ist, dass du alles auf der Welt haben kannst und doch der einsamste Mensch bist. Der Erfolg hat mich zum Idol gemacht und mir Millionen Pfund eingebracht, aber er hat mir das eine vorenthalten, was wir alle brauchen: eine dauerhafte, liebevolle Beziehung.“

– Freddie Mercury, Queen-Sänger

„Der muss anhalten. Er wird uns sehen.“

– James Dean, 24 Jahre alt, in seinem Porsche kurz vorm Zusammenprall mit einem entgegenkommenden Auto, überliefert vom schwerverletzt überlebenden Beifahrer

„Da gibt es nichts zu weinen.“

– Konrad Adenauer, inmitten seiner verzweifelt weinenden Familie

„Ich war eigentlich eine Maschine zum Geldmachen. Ich habe mein Leben wie in einem goldenen Tunnel zugebracht, den Blick auf den Ausgang gerichtet, der zum Glück führen sollte. Aber der Tunnel ging immer weiter …“

– Aristoteles Onassis, griechische Reeder, und einst reichster Mann der Welt

„All mein Besitz gegen einen einzigen Moment mehr Zeit.“

– Elizabeth I, Königin von Großbritannien

„Ich werde mein ganzes Leben lang tanzen. Ich bin zum Tanzen geboren, nur dazu. Leben ist Tanz. Und auch sterben möchte ich am liebsten völlig erschöpft und außer Atem am Ende eines Tanzes.“

– Josephine Baker, Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin

„Meine Geschichte ist eine Liebesgeschichte, aber nur die, die von der Liebe gequält wurden, werden mich verstehen können. Ich wurde dargestellt als fette Frau ohne Gefühle. Ja, ich bin fett, aber wenn das ein Verbrechen ist, wie viele sind dann schuldig? Ich habe Gefühle und bin weder dumm noch schwachsinnig. Meine letzten Worte sind: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“

– Martha Beck, Serien-Mörderin, die mit ihrem Partner als reiche, alleinstehende Frauen suchte, deren Herz und Vermögen der Partner zu gewann, und die sie anschließend töteten (gemeinsam wurden sie bekannt als „The Lonely Heart Killers“), vor ihrer Hinrichtung

„Pardon, Sir, das war keine Absicht.“

– Marie Antoinette, französische Königin, die ihrem Henker kurz vor der Hinrichtung auf den Fuß getreten war

„Die reinste Hölle, so zu sterben.“

– George S. Patton, General, der in seinen letzten Tagen kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs nach einem Autounfall vom Hals abwärts gelähmt war, und lieber an der Front erschossen worden wäre

„Nichts als den Tod.“

– Jane Austen, Schriftstellerin, auf die Frage ihrer Schwester, ob es noch etwas gäbe, dass sie sich wünschte

„Was ist die Antwort?“ (und, nachdem ihr niemand antwortete:) „In diesem Fall … was ist die Frage?“

– Gertrude Stein, Lyrikern, im Sterbebett

„Mehr Licht!“

– Johann Wolfgang von Goethe, der statt dieses erleuchtet-genial anmutenden Auszugs tatsächlich eher etwas Banales gesagt hat: „Macht doch den zweiten Fensterladen auch auf, damit mehr Licht hereinkomme.“

„Schieß ruhig, du Feigling. Du wirst einen Mann töten, …“

– Ernesto „Che“ Guevara, Revolutionär, dem Soldaten zurufend, der ihn erschoss und nicht einmal aufs Satzende wartete (gemeint war: „… aber Du wirst nicht die Revolution aufhalten können“)

„Oh, ich sterbe nicht, oder? ER wird uns nicht trennen, wir sind doch so glücklich miteinander gewesen.“

– Charlotte Bronte, Schriftstellerin, zu ihrem Mann, mit dem sie seit 9 Monaten verheiratet war

„Gott wird mir verzeihen – das ist sein Metier.“

– Heinrich Heine, Schriftsteller

„Es ist vollbracht.“

– Jesus, verraten und verkauft am Kreuz hängend

„Lassen Sie es nicht so enden. Sagen Sie, dass ich etwas gesagt hätte.“

– Pancho Villa, mexikanischer Freiheitskämpfer, auf offener Straße von einem Attentäter erschossen

Ich weiß nicht, ob jemand da ist, wenn ich sterbe, ob ich zuhause sein kann, so wie sich‘s die meisten von uns wünschen. Vielleicht liege ich auch im Krankenhaus, mutterseelenallein, nachts, alles still, und nur die Maschine bemerkt meinen Tod  (/_/_/___________). Na ja, jedenfalls … wenn jemand da ist, bekommt er hoffentlich was Gutes von mir zu hören, oder ein tiefes Gefühl erledigt den Job für mich in diesem Moment, still schweigend und alles sagend, das soll mir auch recht sein.

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20 letzte Worte, die unter die Haut gehen

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 7. Juni 2018 von hubert wenzl in Philosophie, Uncategorized

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